{"id":846224,"date":"2026-05-06T07:09:53","date_gmt":"2026-05-06T05:09:53","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundesarbeitsgericht-6-senat-urteil-2026-04-01-6-azr-157-22\/"},"modified":"2026-05-06T07:09:53","modified_gmt":"2026-05-06T05:09:53","slug":"bundesarbeitsgericht-6-senat-urteil-2026-04-01-6-azr-157-22","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/en\/jurisprudences\/bundesarbeitsgericht-6-senat-urteil-2026-04-01-6-azr-157-22\/","title":{"rendered":"Bundesarbeitsgericht, 6. Senat, Urteil, 2026-04-01, 6 AZR 157\/22"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Leitsatz<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Eine nach \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 KSchG anzeigepflichtige K\u00fcndigung ist unwirksam, wenn der Arbeitgeber vor ihrem Ausspruch gegen\u00fcber der zust\u00e4ndigen Agentur f\u00fcr Arbeit keine Anzeige erstattet hat. Diese Rechtsfolge ergibt die unionsrechtskonforme Auslegung des \u00a7\u00a018 Abs.\u00a01 KSchG, durch den Art.\u00a04 der Richtlinie\u00a098\/59\/EG (MERL) in nationales Recht umgesetzt worden ist. Vor dem Hintergrund dieses Normverst\u00e4ndnisses ist nunmehr der Begriff &#8220;Entlassung&#8221; in \u00a7\u00a018 KSchG als &#8220;K\u00fcndigung&#8221; zu verstehen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:54pt\">1. Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamburg vom 3.\u00a0Februar 2022 &#8211;\u00a03\u00a0Sa 16\/21\u00a0&#8211; wird zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:54pt\">2. Der Beklagte hat die Kosten der Revision zu tragen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tatbestand<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Parteien streiten \u00fcber die Wirksamkeit einer betriebsbedingten K\u00fcndigung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger war seit 1994 bei der V\u00a0Handelsgesellschaft mbH (im Folgenden Schuldnerin) t\u00e4tig. Bis September 2020 besch\u00e4ftigte diese 25\u00a0Mitarbeiter. Ein Betriebsrat war bei ihr nicht gebildet. \u00dcber das Verm\u00f6gen der Schuldnerin wurde auf Antrag vom 29.\u00a0September 2020 am selben Tag die vorl\u00e4ufige Insolvenzverwaltung mit Zustimmungsvorbehalt angeordnet. Der Beklagte wurde zum vorl\u00e4ufigen Insolvenzverwalter bestellt. Am 1.\u00a0Dezember 2020 wurde sodann das Insolvenzverfahren er\u00f6ffnet und der Beklagte zum Insolvenzverwalter bestellt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die im Oktober 2020 noch bestehenden 22\u00a0Arbeitsverh\u00e4ltnisse wurden durch K\u00fcndigungen und Aufhebungsvertr\u00e4ge beendet, die zwischen dem 12.\u00a0November 2020 und dem 29.\u00a0Dezember 2020 zugingen bzw. abgeschlossen wurden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Arbeitsverh\u00e4ltnis des Kl\u00e4gers k\u00fcndigte der Beklagte mit einem am 8.\u00a0Dezember 2020 zugegangenen Schreiben vom 2.\u00a0Dezember 2020 zum 31.\u00a0M\u00e4rz 2021. Er f\u00fchrte weder eine Sozialauswahl durch noch erstattete er eine Massenentlassungsanzeige nach \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 KSchG.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Hiergegen hat sich der Kl\u00e4ger mit seiner am 10.\u00a0Dezember 2020 beim Arbeitsgericht eingegangenen K\u00fcndigungsschutzklage gewandt. Soweit f\u00fcr die Revision noch von Belang, hat er die Auffassung vertreten, die K\u00fcndigung sei unwirksam, weil es an der erforderlichen Massenentlassungsanzeige durch den Beklagten fehle.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger hat beantragt<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">festzustellen, dass das Arbeitsverh\u00e4ltnis nicht durch die K\u00fcndigung vom 2.\u00a0Dezember 2020 beendet worden ist, sondern fortbesteht.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Beklagte hat Klageabweisung beantragt und die Auffassung vertreten, die Voraussetzungen einer anzeigepflichtigen Massenentlassung iSd. \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 KSchG h\u00e4tten nicht vorgelegen. Im Hinblick auf Art.\u00a01 Abs.\u00a01 Buchst.\u00a0a der Richtlinie\u00a098\/59\/EG (Massenentlassungsrichtlinie; im Folgenden MERL) k\u00f6nne bei der hier vorliegenden Betriebsstilllegung entgegen der bisherigen, mit dem Unionsrecht nicht zu vereinbarenden Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts die regelm\u00e4\u00dfige Betriebsgr\u00f6\u00dfe nicht durch einen R\u00fcckblick auf die bisherige personelle Betriebsst\u00e4rke ermittelt werden. Vielmehr sei von einer Stichtagsregelung auszugehen. Ma\u00dfgeblich sei die am Entlassungstag vorhandene Arbeitnehmerzahl. Zudem habe die Schuldnerin im Zeitpunkt der Insolvenzer\u00f6ffnung nur noch 19\u00a0Arbeitnehmer besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Vorinstanzen haben der Klage stattgegeben. Mit der vom Landesarbeitsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Beklagte seinen Antrag auf Klageabweisung weiter. Das Arbeitsverh\u00e4ltnis des Kl\u00e4gers wurde zwischenzeitlich durch eine weitere K\u00fcndigung, die nicht Gegenstand des Verfahrens ist, zum 31.\u00a0Juli 2021 beendet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Senat hatte den Rechtsstreit wegen eines Anfrageverfahrens nach \u00a7\u00a045 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 ArbGG an den Zweiten Senat des Bundesarbeitsgerichts ausgesetzt. Der Zweite Senat hat den Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union zur Auslegung des Art.\u00a04 MERL angerufen. Dieser hat mit Urteil vom 30.\u00a0Oktober 2025 <em>(-\u00a0C-134\/24\u00a0&#8211; [Tomann]) <\/em>geantwortet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die zul\u00e4ssige Revision ist unbegr\u00fcndet. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung des Beklagten gegen das klagestattgebende Urteil des Arbeitsgerichts zu Recht zur\u00fcckgewiesen. Die K\u00fcndigung vom 2.\u00a0Dezember 2020 hat das Arbeitsverh\u00e4ltnis des Kl\u00e4gers nicht beendet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>I. Die Klage ist zul\u00e4ssig. Der Klageantrag, mit dem der Kl\u00e4ger die gerichtliche Feststellung begehrt, das Arbeitsverh\u00e4ltnis der Parteien sei durch die ihm am 8.\u00a0Dezember 2020 zugegangene K\u00fcndigung des Beklagten nicht beendet worden, ist als K\u00fcndigungsschutzantrag iSd. \u00a7\u00a04 Satz\u00a01 KSchG zul\u00e4ssig <em>(BAG 11.\u00a0Mai 2023 &#8211;\u00a06\u00a0AZR 157\/22\u00a0(A)\u00a0&#8211; Rn.\u00a011, BAGE\u00a0181, 68)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>II. Die Klage ist begr\u00fcndet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Entgegen der vom Beklagten vertretenen Auffassung handelt es sich bei der streitgegenst\u00e4ndlichen K\u00fcndigung vom 2. Dezember 2020 um eine anzeigepflichtige K\u00fcndigung iSv. \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 KSchG. Die nach \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a01 KSchG ma\u00dfgeblichen Schwellenwerte waren im Zeitpunkt der beabsichtigten streitigen K\u00fcndigung des Kl\u00e4gers \u00fcberschritten <em>(ausf\u00fchrlich hierzu BAG 11.\u00a0Mai 2023 &#8211;\u00a06\u00a0AZR 157\/22\u00a0(A)\u00a0&#8211; Rn.\u00a014\u00a0ff., BAGE\u00a0181, 68)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Der Beklagte hat die erforderliche Anzeige an die zust\u00e4ndige Agentur f\u00fcr Arbeit unstreitig nicht erstattet. Dies f\u00fchrt nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union (im Folgenden EuGH) zur Unwirksamkeit der K\u00fcndigung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Der EuGH hat mit den Urteilen vom 30.\u00a0Oktober 2025 <em>(-\u00a0C-134\/24\u00a0&#8211; [Tomann] Rn.\u00a058\u00a0ff. und &#8211;\u00a0C-402\/24\u00a0&#8211; [Sewel] Rn.\u00a079, 83)<\/em> entschieden, dass eine im Zusammenhang mit einer beabsichtigten Massenentlassung stehende K\u00fcndigung nicht wirksam werden kann, wenn der Arbeitgeber die beabsichtigte Massenentlassung nicht zuvor der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde angezeigt hat. Diese (blo\u00dfe) Rechtsfolge des Art.\u00a04 Abs.\u00a01 Unterabs.\u00a01 MERL <em>(so EuGH 30.\u00a0Oktober 2025 &#8211;\u00a0C-402\/24\u00a0&#8211; [Sewel] Rn.\u00a079, 83)<\/em> leitet er aus dem Wortlaut des Art.\u00a04 Abs.\u00a01 Unterabs.\u00a01 MERL im Zusammenspiel mit Art.\u00a03 Abs.\u00a01 Unterabs.\u00a01 MERL und dem Ziel des Art.\u00a04 Abs.\u00a01 Unterabs.\u00a01 MERL ab, wonach die K\u00fcndigung eines Arbeitsverh\u00e4ltnisses im Rahmen einer beabsichtigten Massenentlassung zwingend eine Anzeige an die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde voraussetze. Erst hierdurch k\u00f6nne die Beh\u00f6rde in der durch Art.\u00a04 Abs.\u00a01 Unterabs.\u00a01 MERL garantierten Mindestfrist auf der Grundlage aller ihr vom Arbeitgeber \u00fcbermittelten Informationen ergr\u00fcnden, welche M\u00f6glichkeiten bestehen, durch Ma\u00dfnahmen, die an die Gegebenheiten des Arbeitsmarkts und der Wirtschaftst\u00e4tigkeit angepasst sind, unter denen die Massenentlassungen stattfinden, die negativen Folgen der Entlassungen zu begrenzen und damit das mit dieser Bestimmung der MERL verfolgte Ziel erreicht werden. Der EuGH hat damit ein Verst\u00e4ndnis des Art.\u00a04 MERL vorgegeben, wonach die K\u00fcndigung ohne eine (wirksame) Anzeige das Arbeitsverh\u00e4ltnis k\u00fcndigungsrechtlich nicht beenden kann <em>(zu den Einzelheiten sh. die Entscheidung des Senats vom selben Tag &#8211;\u00a06\u00a0AZR 152\/22\u00a0&#8211; Rn.\u00a024 ff.)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Dieser den Senat bindenden Rechtsprechung ist durch unionsrechtskonforme Auslegung des \u00a7\u00a018 Abs.\u00a01 KSchG, durch den Art.\u00a04 Abs.\u00a01 MERL in das nationale Recht umgesetzt worden ist, und der inhaltlich dem Unionsrecht entspricht, Rechnung zu tragen. Auch im Regelungszusammenhang des \u00a7\u00a018 KSchG ist nunmehr \u201eEntlassung\u201c als \u201eK\u00fcndigung\u201c zu verstehen. \u00a7\u00a018 KSchG regelt damit &#8211;\u00a0wie Art.\u00a04 MERL in der Auslegung des EuGH\u00a0&#8211; bereits selbst die Rechtsfolge fehlender Anzeigen. Der Br\u00fccke des \u00a7\u00a0134 BGB, die der Zweite und der Sechste Senat des Bundesarbeitsgerichts bisher f\u00fcr die Entwicklung einer Rechtsfolge aus \u00a7\u00a017 KSchG f\u00fcr erforderlich gehalten haben, bedarf es insoweit nicht mehr, sodass die diesbez\u00fcglichen Erw\u00e4gungen des Senats in seiner Anfrage an den Zweiten Senat vom 14.\u00a0Dezember 2023<em> (-\u00a06\u00a0AZR 157\/22\u00a0(B)\u00a0&#8211; Rn.\u00a011\u00a0ff., BAGE\u00a0182, 284)<\/em> jedenfalls f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe gegen durch die MERL vorgegebenen Pflichten obsolet sind. Deshalb werden Entlassungen, dh. K\u00fcndigungen iSd. \u00a7\u00a017 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 KSchG <em>(sh. hierzu EuGH 27.\u00a0Januar 2005 &#8211;\u00a0C-188\/03\u00a0&#8211; [Junk] Rn.\u00a039)<\/em>, erst mit Ablauf eines Monats nach Eingang der wirksamen Anzeige bei der zust\u00e4ndigen Agentur f\u00fcr Arbeit wirksam, sofern die Beh\u00f6rde die Frist nicht verk\u00fcrzt oder nach \u00a7\u00a018 Abs.\u00a02 KSchG verl\u00e4ngert.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) Ob vor dem Hintergrund der Entscheidung des EuGH vom 30.\u00a0Oktober 2025 <em>(-\u00a0C-402\/24\u00a0&#8211; [Sewel])<\/em> Fehler im Anzeigeverfahren denkbar sind, die dem Zweck des Anzeigeverfahrens nicht zuwiderlaufen und deshalb dem Anlaufen der Sperrfrist nicht entgegenstehen, sodass die K\u00fcndigungen nach Ablauf der Frist iSd. \u00a7\u00a018 Abs.\u00a01 bzw.\u00a02 KSchG das Arbeitsverh\u00e4ltnis wirksam beenden k\u00f6nnten, hatte der Senat im vorliegenden Verfahren nicht zu entscheiden. Jedenfalls in F\u00e4llen wie dem vorliegenden, in denen der Arbeitgeber \u00fcberhaupt keine Massenentlassungsanzeige erstattet hat und daher der Zweck des Anzeigeverfahrens unter keinen Umst\u00e4nden verwirklicht werden kann, entfaltet die K\u00fcndigung keine Wirksamkeit und beendet damit das Arbeitsverh\u00e4ltnis nicht mit Ablauf der K\u00fcndigungsfrist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>3. Der Zweite Senat des Bundesarbeitsgerichts hat mit Beschluss vom 19.\u00a0M\u00e4rz 2026 <em>(-\u00a02\u00a0AS 22\/23\u00a0-)<\/em> mitgeteilt, dass er als Konsequenz der Entscheidungen des EuGH vom 30.\u00a0Oktober 2025 <em>(-\u00a0C-134\/24\u00a0&#8211; [Tomann] und &#8211;\u00a0C-402\/24\u00a0&#8211; [Sewel])<\/em> an seiner Auffassung festh\u00e4lt, dass das Fehlen einer wirksamen Massenentlassungsanzeige vor K\u00fcndigungserkl\u00e4rung zur Unwirksamkeit der K\u00fcndigung f\u00fchrt. Eine (nochmalige) Anfrage nach \u00a7\u00a045 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 ArbGG ist daher nicht erforderlich.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>III. Der Beklagte hat nach \u00a7\u00a097 Abs.\u00a01 ZPO die Kosten seiner erfolglosen Revision zu tragen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Spelge\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Volk\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Wemheuer\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Dr.\u00a0S.\u00a0R\u00f6nnau\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:center\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0M.\u00a0Geyer\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KARE600071758&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BAG_6_AZR_157-22_KARE600071758.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine nach \u00a7 17 Abs. 1 KSchG anzeigepflichtige K\u00fcndigung ist unwirksam, wenn der Arbeitgeber vor ihrem Ausspruch gegen\u00fcber der zust\u00e4ndigen Agentur f\u00fcr Arbeit keine Anzeige erstattet hat. 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