{"id":576732,"date":"2026-04-16T10:45:25","date_gmt":"2026-04-16T08:45:25","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-6a-zivilsenat-urteil-2025-12-17-via-zr-1433-22\/"},"modified":"2026-04-16T10:45:25","modified_gmt":"2026-04-16T08:45:25","slug":"bundesgerichtshof-6a-zivilsenat-urteil-2025-12-17-via-zr-1433-22","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-6a-zivilsenat-urteil-2025-12-17-via-zr-1433-22\/","title":{"rendered":"Bundesgerichtshof, 6a. Zivilsenat, Urteil, 2025-12-17, VIa ZR 1433\/22"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird der Beschluss des 27.\u00a0Zivilsenats des Oberlandesgerichts M\u00fcnchen vom 14.\u00a0September 2022 aufgehoben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch \u00fcber die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Der Streitwert f\u00fcr das Revisionsverfahren wird auf bis 45.000\u00a0\u20ac festgesetzt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: center\">Von Rechts wegen<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tatbestand<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger nimmt die Beklagte wegen der Verwendung unzul\u00e4ssiger Abschalteinrichtungen in einem Kraftfahrzeug auf Schadensersatz in Anspruch. Er erwarb im Juni 2013 von einem Dritten einen gebrauchten Audi SQ5 3.0 TDI quattro, der mit einem V6-Dieselmotor (Schadstoffklasse Euro 5) ausger\u00fcstet ist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger verlangt, ihn im Wege des Schadensersatzes so zu stellen, als habe er den Kaufvertrag nicht abgeschlossen. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Die Berufung, mit welcher der Kl\u00e4ger von der Beklagten die Zahlung von 71.620,91\u00a0\u20ac nebst Zinsen abz\u00fcglich einer im Termin zur m\u00fcndlichen Verhandlung zu beziffernden Nutzungsentsch\u00e4digung Zug um Zug gegen R\u00fcckgabe und \u00dcbereignung des Fahrzeugs begehrt hat, ist erfolglos geblieben. Mit der vom Senat zugelassenen Revision verfolgt der Kl\u00e4ger seine Berufungsantr\u00e4ge weiter.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Revision hat Erfolg.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: center\">I.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Berufungsgericht hat seine Entscheidung &#8212;\u00a0soweit f\u00fcr das Revisionsverfahren von Interesse\u00a0&#8212; im Wesentlichen wie folgt begr\u00fcndet:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Eine Haftung der Beklagten aus \u00a7\u00a0826 BGB komme nicht in Betracht. Es k\u00f6nne auf der Basis des gesamten kl\u00e4gerischen Vortrags in einer Zusammenschau aller Gesichtspunkte nicht darauf geschlossen werden, dass die Beklagte hinsichtlich des streitgegenst\u00e4ndlichen Fahrzeugs in sittenwidriger Weise gehandelt habe. Anspr\u00fcche des Kl\u00e4gers aus \u00a7\u00a0823 Abs.\u00a02 BGB in Verbindung mit \u00a7\u00a06 Abs.\u00a01, \u00a7\u00a027 Abs.\u00a01 EG-FGV, Art.\u00a05, Art.\u00a03 der Verordnung (EG) Nr.\u00a0715\/2007 scheiterten bereits daran, dass die letztgenannten Bestimmungen keine Schutzgesetze im Sinne des \u00a7 823 Abs.\u00a02 BGB darstellten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: center\">II.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1.\u00a0Allerdings begegnet es keinen revisionsrechtlichen Bedenken, dass das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten aus \u00a7\u00a7\u00a0826, 31 BGB verneint hat. Die Revision erhebt insoweit keine Einw\u00e4nde.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2.\u00a0Die Revision wendet sich jedoch mit Erfolg dagegen, dass das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten nach \u00a7\u00a0823 Abs.\u00a02 BGB in Verbindung mit \u00a7\u00a06 Abs.\u00a01, \u00a7\u00a027 Abs.\u00a01 EG-FGV aus Rechtsgr\u00fcnden abgelehnt hat. Wie der Senat nach Erlass des angefochtenen Beschlusses entschieden hat, sind die Bestimmungen der \u00a7\u00a06 Abs.\u00a01, \u00a7\u00a027 Abs.\u00a01 EG-FGV Schutzgesetze im Sinne des \u00a7\u00a0823 Abs.\u00a02 BGB, die das Interesse des Fahrzeugk\u00e4ufers gegen\u00fcber dem Fahrzeughersteller wahren, nicht durch den Kaufvertragsabschluss eine Verm\u00f6genseinbu\u00dfe im Sinne der Differenzhypothese zu erleiden, weil das Fahrzeug entgegen der \u00dcbereinstimmungsbescheinigung eine unzul\u00e4ssige Abschalteinrichtung im Sinne des Art.\u00a05 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 der Verordnung (EG) Nr.\u00a0715\/2007 aufweist (vgl. BGH, Urteil vom 26.\u00a0Juni 2023 &#8212;\u00a0VIa\u00a0ZR 335\/21, BGHZ\u00a0237, 245 Rn.\u00a029 bis 32).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Berufungsgericht hat daher zwar zu Recht einen Anspruch des Kl\u00e4gers auf die Gew\u00e4hrung sogenannten &#171;gro\u00dfen&#187; Schadensersatzes verneint (vgl. BGH, Urteil vom 26.\u00a0Juni 2023 &#8212;\u00a0VIa\u00a0ZR 335\/21, BGHZ\u00a0237, 245 Rn.\u00a022 bis 27). Es hat jedoch nicht ber\u00fccksichtigt, dass dem Kl\u00e4ger nach \u00a7\u00a0823 Abs.\u00a02 BGB in Verbindung mit \u00a7\u00a06 Abs.\u00a01, \u00a7\u00a027 Abs.\u00a01 EG-FGV ein Anspruch auf Ersatz eines erlittenen Differenzschadens zustehen kann (vgl. BGH, Urteil vom 26.\u00a0Juni 2023, aaO, Rn.\u00a028 bis 32; ebenso BGH, Urteile vom 20.\u00a0Juli 2023 &#8212;\u00a0III\u00a0ZR 267\/20, NJW\u00a02024, 361 Rn.\u00a021\u00a0ff.; &#8212;\u00a0III\u00a0ZR 303\/20, juris Rn.\u00a016\u00a0f.; Urteil vom 12.\u00a0Oktober 2023 &#8212;\u00a0VII\u00a0ZR 412\/21, juris Rn.\u00a020). Demzufolge hat das Berufungsgericht &#8212;\u00a0von seinem Rechtsstandpunkt aus folgerichtig\u00a0&#8212; weder dem Kl\u00e4ger Gelegenheit zur Darlegung eines solchen Schadens gegeben, noch hat es Feststellungen zu einer deliktischen Haftung der Beklagten wegen des zumindest fahrl\u00e4ssigen Einbaus einer unzul\u00e4ssigen Abschalteinrichtung getroffen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: center\">III.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die angefochtene Entscheidung ist demnach aufzuheben, \u00a7\u00a0562 Abs.\u00a01 ZPO, weil sie sich nicht aus anderen Gr\u00fcnden als richtig darstellt, \u00a7\u00a0561 ZPO. Der Senat kann nicht in der Sache selbst entscheiden, weil diese nicht zur Endentscheidung reif ist, \u00a7\u00a0563 Abs.\u00a03 ZPO. Sie ist daher zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zur\u00fcckzuverweisen, \u00a7\u00a0563 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 ZPO. Das Berufungsgericht wird auf der Grundlage der mit Urteil des Senats vom 26. Juni 2023 in der Sache VIa ZR 335\/21 aufgestellten Grunds\u00e4tze die erforderlichen Feststellungen zu einer Haftung der Beklagten nach \u00a7\u00a0823 Abs.\u00a02 BGB in Verbindung mit \u00a7\u00a06 Abs.\u00a01, \u00a7\u00a027 Abs.\u00a01 EG-FGV zu treffen haben, nachdem es dem Kl\u00e4ger Gelegenheit gegeben hat, den Differenzschaden zu berechnen und dazu vorzutragen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>\n                  <span>C. Fischer\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0M\u00f6hring\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Messing<\/span>\n               <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<span>F. Schmidt<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<span>Pastohr<\/span>\n               <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KORE729452025&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BGH_6a__Zivilsenat_VIa_ZR_1433-22_KORE729452025.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tenor Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird der Beschluss des 27. 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Zivilsenat, Urteil, 2025-12-17, VIa ZR 1433\/22 - Ma\u00eetre Hassan Kohen, avocat en droit p\u00e9nal \u00e0 Paris<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-6a-zivilsenat-urteil-2025-12-17-via-zr-1433-22\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"ru_RU\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bundesgerichtshof, 6a. Zivilsenat, Urteil, 2025-12-17, VIa ZR 1433\/22\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Tenor Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird der Beschluss des 27. Zivilsenats des Oberlandesgerichts M\u00fcnchen vom 14. September 2022 aufgehoben. Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch \u00fcber die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zur\u00fcckverwiesen. 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