{"id":662452,"date":"2026-04-23T19:31:12","date_gmt":"2026-04-23T17:31:12","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundesverwaltungsgericht-2-senat-urteil-2022-07-07-2-a-4-21\/"},"modified":"2026-04-23T19:31:12","modified_gmt":"2026-04-23T17:31:12","slug":"bundesverwaltungsgericht-2-senat-urteil-2022-07-07-2-a-4-21","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/bundesverwaltungsgericht-2-senat-urteil-2022-07-07-2-a-4-21\/","title":{"rendered":"Bundesverwaltungsgericht, 2. Senat, Urteil, 2022-07-07, 2 A 4\/21"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Leitsatz<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Das Integrationsamt ist bei der Versetzung eines schwerbehinderten Lebenszeitbeamten in den Ruhestand wegen Dienstunf\u00e4higkeit nicht nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 168 SGB IX zu beteiligen. Gegenteiliges ergibt sich insbesondere nicht aus der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union (Urteil vom 9. M\u00e4rz 2017 &#8212; C-406\/15, Milkova &#8212; NZA 2017, 439), weil das durch das Verfahren der Zurruhesetzung f\u00fcr Lebenszeitbeamte bewirkte Schutzniveau (\u00a7\u00a7 44 ff. BBG) jedenfalls nicht hinter dem durch die \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX f\u00fcr Arbeitnehmer begr\u00fcndeten zur\u00fcckbleibt. <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger tr\u00e4gt die Kosten des Verfahrens.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tatbestand<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger wendet sich gegen seine Versetzung in den Ruhestand wegen dauernder Dienstunf\u00e4higkeit.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der &#8230; geborene Kl\u00e4ger ist seit dem 1. November &#8230; beim Bundesnachrichtendienst (BND) besch\u00e4ftigt, derzeit im Statusamt eines Regierungsobersekret\u00e4rs (Besoldungsgruppe A 7 BBesO). Er ist schwerbehindert mit einem Grad der Behinderung (GdB) in H\u00f6he von 90 vom Hundert. Ihm sind die Merkzeichen &#171;RF&#187; und &#171;GL&#187; zuerkannt worden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger erlitt am 12. September 2015 einen Autounfall. Seitdem ist er durchgehend &#171;arbeitsunf\u00e4hig&#187; erkrankt. Nach mehreren amts\u00e4rztlichen Untersuchungen und station\u00e4ren Behandlungen sowie einer erfolglos durchgef\u00fchrten Wiedereingliederung beauftragte der BND den Facharzt f\u00fcr Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie Dr. G. mit der Erstellung eines psychiatrisch-neurologischen Fachgutachtens. Der Sachverst\u00e4ndige diagnostizierte unter dem 26. September 2018 folgende gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen beim Kl\u00e4ger:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>&#8212; gemischte dissoziative St\u00f6rung (ICD-10: F44.7);<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>&#8212; posttraumatische Belastungsst\u00f6rung, teilremittiert (ICD-10: F43.1);<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>&#8212; rezidivierende depressive St\u00f6rung, derzeit mittel- bis schwergradige Episode (ICD-10: F33.1);<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>&#8212; somatoforme Schmerzst\u00f6rung (ICD-10: F45.4).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Hierzu teilte er mit, der Kl\u00e4ger sei aufgrund einer gravierenden seelischen Erkrankung dienstunf\u00e4hig. Die Wiederherstellung der t\u00e4tigkeitsbezogenen Leistungsf\u00e4higkeit sei nicht wahrscheinlich, weil die Erkrankung mittlerweile chronifiziert sei und nur ein gering ausgepr\u00e4gtes Krankheitsverst\u00e4ndnis bestehe.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>In ihrer auf den 30. Oktober 2018 datierenden Stellungnahme schloss sich die Amts\u00e4rztin Dr. S. dem Gutachten an. Sie f\u00fchrte aus, es bestehe keine verbliebene Leistungsf\u00e4higkeit, auch nicht f\u00fcr mindestens die H\u00e4lfte der regelm\u00e4\u00dfigen Arbeitszeit, ebenso wenig f\u00fcr ein anderes Amt oder eine geringwertigere T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nachfolgend bat der BND mit an das Bundeskanzleramt gerichtetem Schreiben vom 7. Dezember 2018 um Zustimmung zur Versetzung des Kl\u00e4gers in den Ruhestand wegen Dienstunf\u00e4higkeit. Das Bundeskanzleramt erteilte mit Schreiben vom 10. Dezember 2018 &#171;unter dem Vorbehalt, dass der Beamte keine Einwendungen (\u00a7 47 Abs. 2 Satz 1 BBG) erhebt &#8212; gem\u00e4\u00df \u00a7 47 Abs. 2 Satz 2 BBG zu der beabsichtigten Ma\u00dfnahme&#187; sein Einverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Mit Schreiben vom 30. Januar 2019 h\u00f6rte der BND den Kl\u00e4ger zur beabsichtigten Versetzung in den Ruhestand an. Der Kl\u00e4ger nahm dazu mit anwaltlichem Schreiben Stellung. Die darin erhobenen Einwendungen f\u00fchrten zu einer erg\u00e4nzenden Stellungnahme der Amts\u00e4rztin, die unter dem 11. April 2019 im Wesentlichen mitteilte, neben einer generell mit einer ung\u00fcnstigen Prognose behafteten Diagnose best\u00fcnden sich gegenseitig verst\u00e4rkende Komorbidit\u00e4ten mit anderen psychiatrischen Krankheitsbildern. Die hochgradige H\u00f6rminderung des Kl\u00e4gers habe keine ausschlaggebende Bedeutung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Gleichstellungsbeauftragte, Schwerbehindertenvertretung und der auf Antrag des Kl\u00e4gers hinzugezogene Personalrat erhoben keine Einwendungen gegen die beabsichtigte Versetzung des Kl\u00e4gers in den Ruhestand. Im Juni 2019 \u00fcbersandte das Bundeskanzleramt unter anderem die Festsetzung der Versorgungsbez\u00fcge des Kl\u00e4gers sowie dessen Personalakte an den BND mit der Bitte um weitere Veranlassung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Mit Bescheid vom 15. Juli 2019 verf\u00fcgte der Pr\u00e4sident des BND die Versetzung des Kl\u00e4gers in den vorzeitigen Ruhestand mit Ablauf des 31. Juli 2019 wegen dauernder Dienstunf\u00e4higkeit. Den hiergegen erhobenen Widerspruch wies der BND mit Widerspruchsbescheid vom 5. M\u00e4rz 2021 zur\u00fcck. Mit Schreiben vom 4. Juli 2022 erteilte das Bundeskanzleramt seine ausdr\u00fcckliche Zustimmung zur Versetzung des Kl\u00e4gers in den Ruhestand wegen Dienstunf\u00e4higkeit.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger hat am 16. Februar 2021 (Unt\u00e4tigkeits-)Klage erhoben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger tr\u00e4gt zur Begr\u00fcndung seiner Klage vor: Der Bescheid vom 15. Juli 2019 gen\u00fcge nicht den Anforderungen an die Schriftform, weil er nicht unterschrieben worden sei. Das Vorliegen eines Vertretungsfalls aufgrund von Abwesenheit oder Verhinderung des Pr\u00e4sidenten des BND sei nicht dargetan worden. Die Beklagte st\u00fctze die Dienstunf\u00e4higkeit auf amts\u00e4rztliche Beurteilungen, die zum Zeitpunkt des Erlasses des Widerspruchsbescheids nahezu zwei Jahre alt und daher nicht mehr aktuell gewesen seien. Es sei zu pr\u00fcfen gewesen, ob sich in Bezug auf die fehlende Behandlungsbereitschaft eine \u00c4nderung ergeben habe. Weiter sei fraglich, ob im Hinblick auf seine Schwerbehinderung der zutreffende Ma\u00dfstab bei der Feststellung der Dienstunf\u00e4higkeit zugrunde gelegt worden sei.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>den Bescheid des Bundesnachrichtendienstes vom 15. Juli 2019 in Gestalt des Widerspruchsbescheids vom 5. M\u00e4rz 2021 aufzuheben und<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>die Hinzuziehung eines Bevollm\u00e4chtigten f\u00fcr das Vorverfahren f\u00fcr notwendig zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Beklagte beantragt,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>die Klage abzuweisen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Sie verteidigt den angefochtenen Bescheid: Eine Verhinderung des Pr\u00e4sidenten des BND habe vorgelegen. Die fehlende Unterschrift im Bescheid vom 15. Juli 2019 sei rechtlich bedeutungslos. Die Dienstunf\u00e4higkeit des Kl\u00e4gers werde durch die \u00e4rztlichen Stellungnahmen und Gutachten belegt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Vertreter des Bundesinteresses beim Bundesverwaltungsgericht beteiligt sich nicht an dem Verfahren.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Senat hat in der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 7. Juli 2022 den Sachverst\u00e4ndigen Dr. G. zu dem von ihm erstatteten Gutachten befragt. Hinsichtlich des Ergebnisses wird auf die Niederschrift \u00fcber die m\u00fcndliche Verhandlung verwiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Gerichtsakte sowie der beigezogenen Verwaltungsvorg\u00e4nge Bezug genommen, die Gegenstand der m\u00fcndlichen Verhandlung waren.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die zul\u00e4ssige Klage, \u00fcber die das Bundesverwaltungsgericht nach \u00a7 50 Abs. 1 Nr. 4 VwGO in erster und letzter Instanz entscheidet, ist unbegr\u00fcndet. Der Bescheid des BND vom 15. Juli 2019 in Gestalt des Widerspruchsbescheids vom 5. M\u00e4rz 2021 ist rechtm\u00e4\u00dfig und verletzt den Kl\u00e4ger nicht in seinen Rechten (\u00a7 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Rechtsgrundlage des angefochtenen Bescheids ist \u00a7 44 Abs. 1 Satz 1 bzw. Satz 2 BBG in der zum ma\u00dfgeblichen Zeitpunkt der Zustellung des Widerspruchsbescheids (BVerwG, Urteile vom 5. Juni 2014 &#8212; 2 C 22.13 &#8212; BVerwGE 150, 1 Rn. 10, vom 19. M\u00e4rz 2015 &#8212; 2 C 37.13 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 7 Rn. 9 und vom 16. November 2017 &#8212; 2 A 5.16 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 12 Rn. 16) g\u00fcltigen und in der Folgezeit insoweit unver\u00e4nderten Fassung des Dienstrechtsneuordnungsgesetzes vom 5. Februar 2009 (BGBl. I S. 160 &lt;170&gt;).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_20\">20<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nach \u00a7 44 Abs. 1 Satz 1 BBG ist der Beamte auf Lebenszeit in den Ruhestand zu versetzen, wenn er wegen des k\u00f6rperlichen Zustandes oder aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden zur Erf\u00fcllung der Dienstpflichten dauernd unf\u00e4hig (dienstunf\u00e4hig) ist. Nach \u00a7 44 Abs. 1 Satz 2 BBG kann als dienstunf\u00e4hig auch angesehen werden, wer infolge Erkrankung innerhalb von sechs Monaten mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat, wenn keine Aussicht besteht, dass innerhalb weiterer sechs Monate die Dienstf\u00e4higkeit wieder voll hergestellt ist. Dienstunf\u00e4higkeit in diesem Sinne ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung f\u00fcr die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand. In den Ruhestand wird nicht versetzt, wer anderweitig verwendbar ist (\u00a7 44 Abs. 1 Satz 3 und Abs. 2 bis 4 BBG). Kann der Beamte den Anforderungen seines Amtes und denjenigen einer anderweitigen Verwendung nicht mehr voll entsprechen, aber unter Beibehaltung des \u00fcbertragenen Amtes seine Dienstpflichten noch w\u00e4hrend mindestens der H\u00e4lfte der regelm\u00e4\u00dfigen Arbeitszeit erf\u00fcllen (vgl. \u00a7 45 Abs. 1 BBG), soll er f\u00fcr begrenzt dienstf\u00e4hig erkl\u00e4rt werden (BVerwG, Urteil vom 16. November 2017 &#8212; 2 A 5.16 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 12 Rn. 17).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_21\">21<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Gemessen an diesen gesetzlichen Voraussetzungen ist die angegriffene Verf\u00fcgung rechtm\u00e4\u00dfig. Sie begegnet in formeller Hinsicht keinen Bedenken (1.). Die f\u00fcr die Zurruhesetzung erforderliche Zustimmung des Bundeskanzleramts liegt vor (2.). Einer Beteiligung des Integrationsamtes aufgrund der Schwerbehinderteneigenschaft des Kl\u00e4gers bedurfte es nicht (3.). Zudem ist der Kl\u00e4ger dienstunf\u00e4hig und auch nicht anderweitig verwendbar (4.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_22\">22<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Der angefochtene Bescheid vom 15. Juli 2019 in Gestalt des Widerspruchsbescheids vom 5. M\u00e4rz 2021 ist formell rechtm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_23\">23<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Entgegen der Auffassung des Kl\u00e4gers gen\u00fcgt der ohne Unterschrift, aber mit Namenswiedergabe versehene Bescheid vom 15. Juli 2019 den sich aus \u00a7 37 Abs. 3 Satz 1 VwVfG ergebenden Anforderungen an die Schriftform.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_24\">24<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nach \u00a7 37 Abs. 3 Satz 1 VwVfG muss ein schriftlicher oder elektronischer Verwaltungsakt die erlassende Beh\u00f6rde erkennen lassen und die Unterschrift oder die Namenswiedergabe des Beh\u00f6rdenleiters, seines Vertreters oder seines Beauftragten enthalten. Sinn von Unterschrift bzw. Namenswiedergabe ist, dem Empf\u00e4nger zu verdeutlichen, dass kein blo\u00dfer Entwurf vorliegt. Wird auf eine eigenh\u00e4ndige Unterschrift verzichtet, gen\u00fcgt die blo\u00dfe Namenswiedergabe, ohne dass es zus\u00e4tzlicher Anforderungen wie z. B. einer Beglaubigung bedarf (BVerwG, Beschluss vom 5. Mai 1997 &#8212; 1 B 129.96 &#8212; Buchholz 402.240 \u00a7 45 AuslG 1990 Nr. 11 S. 21 f.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_25\">25<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Das Bundeskanzleramt hat als oberste Dienstbeh\u00f6rde die f\u00fcr die Zurruhesetzung des Beamten erforderliche Zustimmung nach \u00a7 47 Abs. 2 Satz 2 BBG erteilt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_26\">26<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nach \u00a7 47 Abs. 2 Satz 1 BBG kann der Beamte innerhalb eines Monats Einwendungen gegen die beabsichtigte Zurruhesetzung wegen Dienstunf\u00e4higkeit erheben. Danach entscheidet die f\u00fcr die Ernennung zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde \u00fcber die Versetzung in den Ruhestand mit Zustimmung der obersten Dienstbeh\u00f6rde oder der von ihr bestimmten Stelle, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist (\u00a7 47 Abs. 2 Satz 2 BBG).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_27\">27<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Zustimmung, bei der es sich um ein Verwaltungsinternum ohne Verwaltungsaktqualit\u00e4t handelt, kann wegen des darin formulierten Vorbehalts zwar noch nicht im Schreiben des Bundeskanzleramts vom 10. Dezember 2018 erblickt werden. Dessen Mitwirkung ist jedoch sp\u00e4testens durch die unter dem 4. Juli 2022 explizit erkl\u00e4rte Zustimmung zur Versetzung des Kl\u00e4gers in den Ruhestand und damit noch vor Abschluss der letzten Tatsacheninstanz mit heilender Wirkung nachgeholt worden (\u00a7 45 Abs. 1 Nr. 5 und Abs. 2 VwVfG).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_28\">28<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>3. Der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der angefochtenen Verf\u00fcgung steht nicht entgegen, dass der BND vor ihrem Erlass nicht nach \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX die Zustimmung des zust\u00e4ndigen Integrationsamtes eingeholt hat.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_29\">29<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Beteiligung des Integrationsamtes bedurfte es nicht, obwohl beim Kl\u00e4ger bereits zu Beginn des Zurruhesetzungsverfahrens ein Grad der Behinderung von 60 vom Hundert festgestellt und er als schwerbehinderter Mensch i. S. v. \u00a7 2 Abs. 2 SGB IX anerkannt war. Denn \u00a7 168 SGB IX, wonach die K\u00fcndigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses eines schwerbehinderten Menschen durch den Arbeitgeber der vorherigen Zustimmung des Integrationsamtes bedarf, ist nicht auf das Verfahren der Zurruhesetzung eines Lebenszeitbeamten nach \u00a7\u00a7 44 ff. BBG anzuwenden (a. A. von Roetteken, ZBR 2018, 73 &lt;79 ff.&gt;; ders. jurisPR-ArbR 50\/2021 Anm. 8 zu OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 29. Juli 2021 &#8212; 4 B 14.19 -; D\u00fcwell, in: Dau\/D\u00fcwell\/Joussen\/Luik, SGB IX, 6. Aufl. 2022, Vorbem. \u00a7 168 Rn. 11; Rolfs, in: Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht, 22. Aufl. 2022, \u00a7 168 SGB IX Rn. 3). Dies gilt selbst im Hinblick auf den Umstand, dass die Zurruhesetzung nach \u00a7\u00a7 44 ff. BBG auch F\u00e4lle erfasst, in denen der zur Zuerkennung der Schwerbehinderteneigenschaft f\u00fchrende k\u00f6rperliche Zustand des Beamten zugleich die Dienstunf\u00e4higkeit i. S. v. \u00a7 44 Abs. 1 BBG begr\u00fcndet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_30\">30<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Innerstaatliches Recht sieht eine (entsprechende) Anwendung des \u00a7 168 SGB IX auf die Zurruhesetzung von Lebenszeitbeamten nach \u00a7\u00a7 44 ff. BBG nicht vor.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_31\">31<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Gesetzgeber hat bereits fr\u00fch klargestellt, dass die Verwendung des einheitlichen Begriffs &#171;Arbeitgeber&#187; lediglich der Vereinfachung dient und aus der Verwendung dieses dem Arbeitsrecht entlehnten Begriffs nicht folgt, dass auch andere, &#171;im Gesetz verwendete arbeitsrechtliche Begriffe wie etwa K\u00fcndigung, Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses ohne K\u00fcndigung usw. auf das Beamten- oder Richterverh\u00e4ltnis anzuwenden sind&#187; (vgl. BT.-Drs. 7\/656 S. 25). Sofern der Gesetzgeber in der Vergangenheit die Beteiligung des Integrationsamtes (fr\u00fcher: Hauptf\u00fcrsorgestelle) im Zurruhesetzungsverfahren f\u00fcr erforderlich gehalten hat, hat er dies stets eindeutig zum Ausdruck gebracht. So sah \u00a7 35 Abs. 2 des Gesetzes \u00fcber die Besch\u00e4ftigung Schwerbesch\u00e4digter (Schwerbesch\u00e4digtengesetz &#8212; SchwbG &#8212; vom 16. Juni 1953 &#8212; BGBl. I S. 389 &lt;400&gt;) vor, dass in dem Fall, dass schwerbesch\u00e4digte Beamte auf Lebenszeit vorzeitig in den Ruhestand versetzt oder schwerbesch\u00e4digte Beamte auf Widerruf oder auf Probe entlassen werden sollen, vorher der Vertrauensmann der Dienststelle, die den Beamten besch\u00e4ftigt, und die Hauptf\u00fcrsorgestelle zu h\u00f6ren sind. \u00a7 128 Abs. 2 Satz 1 SGB IX in der Fassung vom 19. Juni 2001 (BGBl. I S. 1046 &lt;1083&gt;) beschr\u00e4nkte sich ebenfalls auf eine blo\u00dfe Anh\u00f6rung des Integrationsamtes und wurde, ohne dass der Begr\u00fcndung des Gesetzentwurfs die Motive f\u00fcr die \u00c4nderung des Gesetzes zu entnehmen sind (BT-Drs. 15\/1783 S. 19), durch das Gesetz zur F\u00f6rderung der Ausbildung und Besch\u00e4ftigung schwerbehinderter Menschen vom 23. April 2004 (BGBl. I S. 606 &lt;610&gt;) gestrichen. Vor diesem Hintergrund ist eine (analoge) Anwendung des \u00a7 168 SGB IX oder seiner Vorg\u00e4ngernormen in der Rechtsprechung verneint worden (vgl. \u00a7 85 SGB IX a. F., OVG M\u00fcnster, Beschl\u00fcsse vom 13. September 2012 &#8212; 1 A 644\/12 &#8212; juris Rn. 7, vom 7. Januar 2013 &#8212; 6 A 2371\/11 &#8212; D\u00d6D 2013, 126 und vom 7. M\u00e4rz 2013 &#8212; 6 B 11\/13 &#8212; juris Rn. 6; VG Bayreuth, Urteil vom 18. August 2015 &#8212; B 5 K 14.255 &#8212; juris Rn. 30; BAG, Urteil vom 24. Mai 2012 &#8212; 6 AZR 679\/10 &#8212; BAGE 142, 1).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_32\">32<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Auch die Rechtsprechung des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zur Auslegung von Art. 7 Abs. 2 der Richtlinie 2000\/78\/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens f\u00fcr die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Besch\u00e4ftigung und Beruf (im Folgenden: RL 2000\/78\/EG) f\u00fchrt nicht dazu, dass die Vorschriften der \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX auf das Verfahren der Zurruhesetzung eines Lebenszeitbeamten nach Ma\u00dfgabe der \u00a7\u00a7 44 ff. BBG anzuwenden sind.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_33\">33<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nach Art. 7 Abs. 2 RL 2000\/78\/EG steht im Falle von Menschen mit Behinderung der Gleichbehandlungsgrundsatz weder dem Recht der Mitgliedstaaten entgegen, Bestimmungen zum Schutz der Gesundheit und der Sicherheit am Arbeitsplatz beizubehalten oder zu erlassen, noch steht er Ma\u00dfnahmen entgegen, mit denen Bestimmungen oder Vorkehrungen eingef\u00fchrt oder beibehalten werden sollen, die einer Eingliederung von Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt dienen oder diese Eingliederung f\u00f6rdern. Diese Bestimmung hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof dahingehend ausgelegt, dass die Mitgliedstaaten nicht verpflichtet sind, Ma\u00dfnahmen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 RL 2000\/78\/EG beizubehalten oder zu erlassen, dies aber nicht den Schluss zul\u00e4sst, dass von den Mitgliedstaaten erlassene Bestimmungen au\u00dferhalb des Anwendungsbereichs des Unionsrechts liegen. Ist der Bereich des Unionsrechts er\u00f6ffnet, haben die Mitgliedstaaten ihr Ermessen bei der Wahl zwischen den verschiedenen Durchf\u00fchrungsmodalit\u00e4ten unter Beachtung der allgemeinen Grunds\u00e4tze des Unionsrechts auszu\u00fcben, zu denen insbesondere der Grundsatz der Gleichbehandlung geh\u00f6rt (EuGH, Urteil vom 9. M\u00e4rz 2017 &#8212; C-406\/15, Milkova &#8212; NZA 2017, 439 Rn. 52 f.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_34\">34<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Eine solche Ma\u00dfnahme stellt auch \u00a7 168 SGB IX dar, dessen allgemeiner Zweck darin besteht, den schwerbehinderten Menschen vor Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt zu sch\u00fctzen, die mit seiner Behinderung in Zusammenhang stehen. Die Erreichung dieses Zwecks h\u00e4ngt nicht von der zugrundeliegenden rechtlichen Ausgestaltung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses ab. Obwohl der Gesetzgeber das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Lebenszeit von der Anwendung des \u00a7 168 SGB IX ausgenommen hat, hat er damit keine unmittelbar auf der Behinderung beruhende Ungleichbehandlung im Sinne von Art. 1 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 2 Buchst. a RL 2000\/78\/EG geschaffen. Denn es wird auf ein Kriterium abgestellt, das nicht untrennbar mit der Behinderung verbunden ist (ebenso bezogen auf den Sachverhalt des Vorabentscheidungsersuchens EuGH, Urteil vom 9. M\u00e4rz 2017 &#8212; C-406\/15, Milkova &#8212; NZA 2017, 439 Rn. 42).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_35\">35<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs erlaubt es Art. 7 Abs. 2 RL 2000\/78\/EG den Mitgliedstaaten grunds\u00e4tzlich, durch eine gesetzliche Regelung, wie \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX, Arbeitnehmern mit bestimmten Behinderungen einen spezifischen vorherigen Schutz bei Entlassungen zu gew\u00e4hren, ohne einen solchen Schutz auch Beamten mit den gleichen Behinderungen zuzubilligen. Allerdings darf diese unterschiedliche Behandlung von schwerbehinderten Menschen im Zusammenhang mit Besch\u00e4ftigung und Beruf keinen Versto\u00df gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz begr\u00fcnden (EuGH, Urteil vom 9. M\u00e4rz 2017 &#8212; C-406\/15, Milkova &#8212; NZA 2017, 439 Rn. 64). Der Gerichtshof hat es dem nationalen Gericht \u00fcberantwortet zu pr\u00fcfen, ob ein Versto\u00df gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung vorliegt. Der hierbei anzustellende Vergleich muss auf einer Pr\u00fcfung des gesamten nationalen Rechts zur Regelung der Stellung einerseits der Arbeitnehmer mit einer bestimmten Behinderung und andererseits der Beamten mit der gleichen Behinderung beruhen, wobei das Ziel des Schutzes vor der Entlassung zu ber\u00fccksichtigen ist. Ma\u00dfgeblich ist, ob die anwendbaren Vorschriften des nationalen Rechts den Beamten mit Behinderungen insgesamt ein Schutzniveau gew\u00e4hren, das demjenigen entspricht, das f\u00fcr Arbeitnehmer mit Behinderungen vorgesehen ist. Die Situationen m\u00fcssen nicht identisch, sondern nur vergleichbar sein. Die Pr\u00fcfung dieser Vergleichbarkeit darf nicht allgemein und abstrakt sein, sondern muss spezifisch und konkret unter Ber\u00fccksichtigung von Gegenstand und Ziel der nationalen Regelung, mit der die fragliche Unterscheidung eingef\u00fchrt wird, erfolgen (EuGH, Urteil vom 9. M\u00e4rz 2017 &#8212; C-406\/15, Milkova &#8212; NZA 2017, 439 Rn. 56 bis 64).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_36\">36<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nach diesen Vorgaben begr\u00fcndet der Umstand, dass zwar die K\u00fcndigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses eines schwerbehinderten Menschen durch den Arbeitgeber, nicht aber die Zurruhesetzung eines Lebenszeitbeamten wegen Dienstunf\u00e4higkeit nach \u00a7\u00a7 44 ff. BBG der vorherigen Zustimmung des Integrationsamtes bedarf, keinen Versto\u00df gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung. Die Pr\u00fcfung des gesamten nationalen Rechts zur Regelung der Stellung einerseits der Arbeitnehmer mit einer bestimmten Behinderung im Bereich der beruflichen Besch\u00e4ftigung und andererseits der Lebenszeitbeamten mit der gleichen Behinderung ergibt, dass die Situationen der beiden Gruppen auch ohne Erstreckung des Erfordernisses der vorherigen Zustimmung des Integrationsamtes nach \u00a7 168 SGB IX auf die Zurruhesetzung nach \u00a7\u00a7 44 ff. BBG zumindest vergleichbar ist. Jedenfalls bleibt das durch das Verfahren der Zurruhesetzung f\u00fcr Lebenszeitbeamte bewirkte Schutzniveau nicht hinter dem durch \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX f\u00fcr Arbeitnehmer begr\u00fcndeten zur\u00fcck.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_37\">37<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Zustimmung des Integrationsamtes ist ein privatrechtsgestaltender Verwaltungsakt mit Doppelwirkung. Ihre Erteilung ist \u00f6ffentlich-rechtliches Wirksamkeitserfordernis der vom Arbeitgeber beabsichtigten K\u00fcndigung. Die Zustimmung beseitigt eine \u00f6ffentlich-rechtliche Verbotsschranke, deren Anordnung dem Zweck dient, bereits im Vorfeld der K\u00fcndigung die spezifischen Schutzinteressen schwerbehinderter Arbeitnehmer zur Geltung zu bringen und eine mit den Schutzzwecken des Gesetzes unvereinbare K\u00fcndigung pr\u00e4ventiv zu verhindern (BVerwG, Urteil vom 10. September 1992 &#8212; 5 C 39.88 &#8212; BVerwGE 91, 7 &lt;9 f.&gt; zu \u00a7\u00a7 12 und 18 SchwbG). Dementsprechend ist eine ohne vorherige Zustimmung ausgesprochene K\u00fcndigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses nach \u00a7 134 BGB nichtig (BVerwG, Urteil vom 19. Oktober 1995 &#8212; 5 C 24.93 &#8212; BVerwGE 99, 336 &lt;340&gt;; BAG, Urteil vom 22. September 2016 &#8212; 2 AZR 700\/15 &#8212; NZA 2017, 304 Rn. 18). \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX bezwecken danach in erster Linie den Ausgleich der typischerweise geringeren Wettbewerbsf\u00e4higkeit schwerbehinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Sie sollen vor den besonderen Gefahren, denen sie wegen ihrer Behinderung auf dem Arbeitsmarkt infolge der beabsichtigten K\u00fcndigung ausgesetzt sein werden, bewahrt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass sie gegen\u00fcber den \u00fcbrigen Arbeitnehmern nicht ins Hintertreffen geraten (BVerwG, Urteile vom 2. Juli 1992 &#8212; 5 C 51.90 &#8212; BVerwGE 90, 287 &lt;293&gt; zu \u00a7 15 SchwbG und vom 12. Juli 2012 &#8212; 5 C 16.11 &#8212; BVerwGE 143, 325 Rn. 24; VGH M\u00fcnchen, Beschluss vom 17. M\u00e4rz 2010 &#8212; 12 ZB 08.2846 &#8212; juris Rn. 6). Die Aufgabe des Integrationsamtes besteht folglich darin, einen Zusammenhang zwischen Behinderung und K\u00fcndigung zu pr\u00fcfen und gegebenenfalls das Aufl\u00f6sungsinteresse des Arbeitgebers einerseits und den Schutz des Schwerbehinderten andererseits im Rahmen einer Interessenabw\u00e4gung zu gewichten (BVerwG, Urteil vom 2. Juli 1992 &#8212; 5 C 51.90 &#8212; BVerwGE 90, 287 &lt;293&gt;; OVG Saarlouis, Beschluss vom 15. Juli 2021 &#8212; 2 A 42\/21 &#8212; NZA-RR 2021, 622). Der die Entscheidung nach \u00a7 168 SGB IX pr\u00e4gende Aspekt des Ausgleichs der typischerweise geringeren Wettbewerbsf\u00e4higkeit schwerbehinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt im Falle der Beendigung des bestehenden Arbeitsverh\u00e4ltnisses ist f\u00fcr die Zurruhesetzung eines Lebenszeitbeamten wegen Dienstunf\u00e4higkeit nicht von Bedeutung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_38\">38<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>\u00a7 44 BBG erfasst nur den Beamten auf Lebenszeit und damit einen Besch\u00e4ftigten, der sich darauf eingerichtet hat, bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze im Dienst seines Dienstherrn zu stehen. Die die Folgezeit betreffende \u00dcberlegung, ob und inwieweit der Besch\u00e4ftigte voraussichtlich Schwierigkeiten haben wird, nach der Beendigung des bisherigen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisses auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine anderweitige Besch\u00e4ftigung zu finden, spielt f\u00fcr das Zurruhesetzungsverfahren gerade keine Rolle. Denn die rechtlichen Vorgaben f\u00fcr die anderweitige Verwendung eines Lebenszeitbeamten sind im Gesetz so eng gefasst, dass, sollte noch ein Restleistungsverm\u00f6gen bestehen, dieses regelm\u00e4\u00dfig innerhalb des auf Lebenszeit begr\u00fcndeten Beamtenverh\u00e4ltnisses f\u00fcr den bisherigen Dienstherrn (\u00a7 44 Abs. 2 bis 4 und \u00a7 45 BBG) und nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu nutzen ist. Der wegen Dienstunf\u00e4higkeit vorzeitig zur Ruhe gesetzte Beamte ist nicht darauf verwiesen, sich im Anschluss an die Zurruhesetzung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt um eine anderweitige Besch\u00e4ftigung zu bem\u00fchen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_39\">39<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Wie bereits dargelegt ist f\u00fcr die dem Integrationsamt obliegende Entscheidung von wesentlicher Bedeutung, ob die beabsichtigte K\u00fcndigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses auf Gr\u00fcnde gest\u00fctzt wird, die in der Behinderung selbst ihre Ursache haben. In diesem Fall sind an die im Rahmen der interessenabw\u00e4genden Entscheidung zu ber\u00fccksichtigende Zumutbarkeitsgrenze f\u00fcr den Arbeitgeber besonders hohe Anforderungen zu stellen, um den im Schwerbehindertenrecht zum Ausdruck kommenden Schutzgedanken der Rehabilitation verwirklichen zu k\u00f6nnen. Diese Abw\u00e4gung kann in Ausnahmef\u00e4llen sogar zur Verpflichtung des Arbeitgebers f\u00fchren, den schwerbehinderten Arbeitnehmer &#171;durchzuschleppen&#187;; andererseits findet die im Interesse der F\u00fcrsorge f\u00fcr den schwerbehinderten Menschen gebotene Sicherung des Arbeitsplatzes auf jeden Fall dort ihre Grenze, wo eine Weiterbesch\u00e4ftigung des schwerbehinderten Menschen allen Gesetzen wirtschaftlicher Vernunft widersprechen, insbesondere dem Arbeitgeber einseitig die Lohnzahlungspflicht auferlegt w\u00fcrde (BVerwG, Urteil vom 19. Oktober 1995 &#8212; 5 C 24.93 &#8212; BVerwGE 99, 336 &lt;339&gt; m. w. N.). Dagegen ist f\u00fcr die Zurruhesetzung eines Lebenszeitbeamten ohne Bedeutung, ob die hierf\u00fcr ma\u00dfgeblichen Gr\u00fcnde ihre Ursache in einer Behinderung haben. F\u00fcr die Feststellung der Dienstunf\u00e4higkeit kommt es allein auf den kausalen Zusammenhang zwischen der gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigung des Beamten als Ursache und der dauernden Unf\u00e4higkeit zur Erf\u00fcllung der Dienstleistungspflicht als Wirkung an (BVerwG, Beschluss vom 16. April 2020 &#8212; 2 B 5.19 &#8212; Buchholz 232.01 \u00a7 26 BeamtStG Nr. 11 Rn. 9 f.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_40\">40<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Zweck des Erfordernisses der Zustimmung des Integrationsamtes wird auch darin gesehen, dass die besonderen gesetzgeberischen Anstrengungen, schwerbehinderten Menschen zu einer ihren F\u00e4higkeiten und Kenntnissen angemessenen Besch\u00e4ftigung zu verhelfen, nicht wieder dadurch zunichte gemacht werden, dass sich Arbeitgeber ihrer aus sozialpolitischen Gr\u00fcnden auferlegten Pflicht zur Eingliederung von schwerbehinderten Menschen in den Arbeitsprozess im Einzelfall durch K\u00fcndigung wieder entledigen (BAG, Urteil vom 16. M\u00e4rz 1994 &#8212; 8 AZR 688\/92 &#8212; BAGE 76, 142 Rn. 19). Auch dieser Aspekt ist f\u00fcr die Zurruhesetzung eines Lebenszeitbeamten irrelevant. Denn dem Dienstherrn ist die vorzeitige Beendigung des von ihm begr\u00fcndeten Beamtenverh\u00e4ltnisses auf Lebenszeit nur unter ganz engen, im Gesetz genannten Voraussetzungen m\u00f6glich.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_41\">41<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Auch die Vorgaben f\u00fcr die Entscheidung des Integrationsamtes nach \u00a7 172 SGB IX belegen, dass das Schutzniveau der Vorschriften \u00fcber die Zurruhesetzung nach \u00a7\u00a7 44 ff. BBG \u00fcber das der \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX hinausgeht. \u00a7 172 SGB IX nennt einige F\u00e4lle, in denen das Integrationsamt die Zustimmung zur K\u00fcndigung zu erteilen hat oder erteilen soll; im \u00dcbrigen handelt es sich um eine Ermessensentscheidung. Sie erfordert eine Abw\u00e4gung des Interesses des Arbeitgebers an der Erhaltung seiner Gestaltungsm\u00f6glichkeiten gegen das Interesse des schwerbehinderten Arbeitnehmers an der Erhaltung seines Arbeitsplatzes (BVerwG, Urteil vom 5. Juni 1975 &#8212; 5 C 57.73 &#8212; BVerwGE 48, 264 &lt;266 f.&gt;). Ferner bestimmt sie die Grenzen dessen, was zur Verwirklichung der dem Schwerbehinderten geb\u00fchrenden weitgehenden F\u00fcrsorge dem Arbeitgeber zugemutet werden darf (BVerwG, Urteil vom 2. Juli 1992 &#8212; 5 C 51.90 &#8212; BVerwGE 90, 287 &lt;292 f.&gt;). Demgegen\u00fcber geht es bei \u00a7\u00a7 44 ff. BBG nicht lediglich um eine Abw\u00e4gungsentscheidung zwischen der unternehmerischen Freiheit des Arbeitgebers und der pers\u00f6nlichen Situation des Arbeitnehmers, bei der die Behinderung angemessen zu ber\u00fccksichtigen ist. Im Vordergrund steht hier das auf Lebenszeit begr\u00fcndete Beamtenverh\u00e4ltnis, das nur unter ganz engen, im Gesetz genau geregelten Voraussetzungen in ein Ruhestandsbeamtenverh\u00e4ltnis umgewandelt werden kann, insbesondere wenn kein Restleistungsverm\u00f6gen mehr besteht, das im aktiven Beamtenverh\u00e4ltnis zu nutzen ist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_42\">42<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>\u00a7 172 Abs. 1 Satz 1 SGB IX nennt einen Fall der zwingenden Erteilung der Zustimmung des Integrationsamtes. Satz 2 beschreibt eine Konstellation, in der das Integrationsamt die Zustimmung erteilen soll. In vergleichbaren Konstellationen gelten die den Beamten sch\u00fctzenden Vorgaben des \u00a7 44 BBG dagegen uneingeschr\u00e4nkt. \u00a7 172 Abs. 1 Satz 3 SGB IX macht die Geltung der S\u00e4tze 1 und 2 vom Einverst\u00e4ndnis des schwerbehinderten Menschen abh\u00e4ngig. Dagegen sind die Aspekte der anderweitigen Verwendung im Rahmen des Zurruhesetzungsverfahrens nicht von der Zustimmung des betroffenen Beamten abh\u00e4ngig. Die Unvereinbarkeit des Verfahrens nach \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX mit dem Zurruhesetzungsverfahren nach \u00a7\u00a7 44 ff. BBG zeigt sich ferner an der Regelung des \u00a7 172 Abs. 2 SGB IX. Denn dessen Fallkonstellation ist f\u00fcr das Zurruhesetzungsverfahren nicht relevant. Sofern in der betreffenden Besch\u00e4ftigungsbeh\u00f6rde ein dem Statusamt entsprechender Dienstposten gefunden wird, der gesundheitlich f\u00fcr den Beamten geeignet ist, ist dieser bereits nicht dienstunf\u00e4hig. Wird ein geeigneter Arbeitsplatz au\u00dferhalb der Besch\u00e4ftigungsbeh\u00f6rde im Gesch\u00e4ftsbereich des Dienstherrn gefunden, ist der Beamte unter dem Aspekt der anderweitigen Verwendung nach \u00a7 44 Abs. 1 Satz 3 BBG nicht in den Ruhestand zu versetzen. \u00a7 173 SGB IX f\u00fchrt F\u00e4lle auf, in denen die Vorgaben der \u00a7\u00a7 168 ff. SGB IX nicht gelten (z. B. in Abh\u00e4ngigkeit vom Alter). Demgegen\u00fcber ist der Schutz der \u00a7\u00a7 44 ff. BBG unabh\u00e4ngig vom Alter des Beamten oder der Dauer des Bestands des Beamtenverh\u00e4ltnisses auf Lebenszeit.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_43\">43<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Schlie\u00dflich ist die Rechtslage nach der Beendigung des Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisses des schwerbehinderten Menschen zu ber\u00fccksichtigen. Auch insoweit ist ein schwerbehinderter Beamter bessergestellt als ein vergleichbarer Arbeitnehmer. W\u00e4hrend im Falle der K\u00fcndigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses grunds\u00e4tzlich keine rechtlichen Beziehungen zwischen den Parteien mehr bestehen und der Arbeitnehmer nur unter ganz engen Voraussetzungen die erneute Begr\u00fcndung des Verh\u00e4ltnisses verlangen kann, wird durch die Zurruhesetzung ein Ruhestandsbeamtenverh\u00e4ltnis begr\u00fcndet, aufgrund dessen der Dienstherr dem Beamten in vielf\u00e4ltiger Hinsicht verpflichtet ist. Dazu z\u00e4hlt insbesondere die Reaktivierung im Falle der Wiederherstellung der Dienstf\u00e4higkeit des Beamten (vgl. \u00a7 46 BBG), auf die er nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 46 Abs. 5 BBG einen Anspruch hat (vgl. BVerwG, Urteil vom 25. Juni 2009 &#8212; 2 C 68.08 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 46 BBG 2009 Nr. 1). Nach \u00a7 46 Abs. 1 Satz 2 BBG ist der Dienstherr grunds\u00e4tzlich verpflichtet, in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden das Vorliegen der Voraussetzungen f\u00fcr die Dienstunf\u00e4higkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Wird der Beamte nach seiner Gesundung erneut in das Beamtenverh\u00e4ltnis berufen, gilt das fr\u00fchere Beamtenverh\u00e4ltnis nach \u00a7 46 Abs. 8 BBG als fortgesetzt (vgl. f\u00fcr Beamte der L\u00e4nder, Gemeinden und Gemeindeverb\u00e4nden \u00a7 29 Abs. 1, 2, 5 und 6 BeamtStG).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_44\">44<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>4. Der Kl\u00e4ger ist dienstunf\u00e4hig, weil er aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten dauernd unf\u00e4hig ist (\u00a7 44 Abs. 1 BBG).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_45\">45<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Der Begriff der Dienstunf\u00e4higkeit ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der der uneingeschr\u00e4nkten Nachpr\u00fcfung der Verwaltungsgerichte unterliegt. F\u00fcr die Feststellung der gesundheitsbedingten Einschr\u00e4nkungen der Leistungsf\u00e4higkeit eines Beamten kommt dem Dienstherrn kein der Kontrollbefugnis der Gerichte entzogener Beurteilungsspielraum zu (BVerwG, Urteile vom 5. Juni 2014 &#8212; 2 C 22.13 &#8212; BVerwGE 150, 1 Rn. 17 und vom 16. November 2017 &#8212; 2 A 5.16 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 12 Rn. 20).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_46\">46<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Zur Annahme einer Dienstunf\u00e4higkeit reicht es nicht aus, dass der Beamte die Aufgaben des von ihm wahrgenommenen Amtes im konkret-funktionellen Sinn (Dienstposten) nicht mehr erf\u00fcllen kann. Denn Ma\u00dfstab f\u00fcr die Beurteilung der Dienstunf\u00e4higkeit ist das dem Beamten zuletzt \u00fcbertragene Amt im abstrakt-funktionellen Sinn. Es umfasst alle bei der Besch\u00e4ftigungsbeh\u00f6rde dauerhaft eingerichteten Dienstposten, auf denen der Beamte amtsangemessen besch\u00e4ftigt werden kann. Daher setzt Dienstunf\u00e4higkeit voraus, dass bei der Besch\u00e4ftigungsbeh\u00f6rde kein Dienstposten zur Verf\u00fcgung steht, der dem statusrechtlichen Amt des Beamten zugeordnet und gesundheitlich f\u00fcr ihn geeignet ist (stRspr, vgl. etwa BVerwG, Urteile vom 26. M\u00e4rz 2009 &#8212; 2 C 73.08 &#8212; BVerwGE 133, 297 Rn. 14 und vom 16. November 2017 &#8212; 2 A 5.16 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 12 Rn. 21).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_47\">47<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Zur Beurteilung der Dienstf\u00e4higkeit m\u00fcssen die gesundheitlichen Leistungsbeeintr\u00e4chtigungen festgestellt und deren prognostische Entwicklung bewertet werden. Dies setzt in der Regel medizinische Sachkunde voraus, \u00fcber die nur ein Arzt verf\u00fcgt. Dementsprechend sieht \u00a7 47 Abs. 1 Satz 1 BBG vor, dass der Dienstherr seine Einsch\u00e4tzung auf der Grundlage eines \u00e4rztlichen Gutachtens zu treffen hat (BVerwG, Urteil vom 16. November 2017 &#8212; 2 A 5.16 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 12 Rn. 22; Beschluss vom 5. September 2019 &#8212; 2 B 2.19 &#8212; juris Rn. 7).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_48\">48<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Ein \u00e4rztliches Gutachten muss, um Grundlage f\u00fcr eine vorzeitige Zurruhesetzung zu sein, die medizinischen Befunde und Schlussfolgerungen so plausibel und nachvollziehbar darlegen, dass die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde auf dieser Grundlage entscheiden kann, ob der Beamte zur Erf\u00fcllung der Dienstpflichten seines (abstrakt-funktionellen) Amtes dauernd unf\u00e4hig ist. Es muss nicht nur das Untersuchungsergebnis mitteilen, sondern auch die das Ergebnis tragenden Feststellungen und Gr\u00fcnde enthalten, soweit deren Kenntnis f\u00fcr die Beh\u00f6rde unter Beachtung des Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsgrundsatzes f\u00fcr die zu treffende Entscheidung erforderlich ist. Es muss dar\u00fcber hinaus auch in medizinischer Hinsicht die erforderlichen tats\u00e4chlichen Grundlagen daf\u00fcr liefern, dass der Dienstherr dar\u00fcber entscheiden kann, ob der Beamte anderweitig auf einem anderen (und ggf. wie beschaffenen) Dienstposten verwendbar ist (\u00a7 44 Abs. 2 bis 4 BBG; vgl. BVerwG, Urteil vom 16. November 2017 &#8212; 2 A 5.16 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 12 Rn. 23 m. w. N. zur Rspr des Senats).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_49\">49<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Einschaltung eines Arztes bedeutet nicht, dass diesem die Entscheidungsverantwortung f\u00fcr die Beurteilung der Dienstf\u00e4higkeit \u00fcbertragen werden darf. Aufgabe des Arztes ist es (lediglich), den Gesundheitszustand des Beamten festzustellen und medizinisch zu bewerten; hieraus die Schlussfolgerungen f\u00fcr die Beurteilung der Dienstf\u00e4higkeit zu ziehen, ist dagegen Aufgabe der Beh\u00f6rde und ggf. des Gerichts. Der Arzt wird lediglich als sachverst\u00e4ndiger Helfer t\u00e4tig, um den zust\u00e4ndigen Stellen diejenige Fachkenntnis zu vermitteln, die f\u00fcr deren Entscheidung erforderlich ist (stRspr, vgl. etwa BVerwG, Urteile vom 5. Juni 2014 &#8212; 2 C 22.13 &#8212; BVerwGE 150, 1 Rn. 18 und vom 16. November 2017 &#8212; 2 A 5.16 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 12 Rn. 25). Der Dienstherr muss die \u00e4rztlichen Befunde und Schlussfolgerungen nachvollziehen und sich auf ihrer Grundlage ein eigenes Urteil bilden (BVerwG, Urteile vom 25. Juli 2013 &#8212; 2 C 12.11 &#8212; BVerwGE 147, 244 Rn. 11, vom 30. Oktober 2013 &#8212; 2 C 16.12 &#8212; BVerwGE 148, 204 Rn. 31 ff. und vom 16. November 2017 &#8212; 2 A 5.16 &#8212; Buchholz 232.0 \u00a7 44 BBG 2009 Nr. 12 Rn. 25).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_50\">50<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Ausgehend hiervon ist die Annahme der Beklagten, der Kl\u00e4ger sei aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten dauernd unf\u00e4hig, mithin dienstunf\u00e4hig i. S. v. \u00a7 44 Abs. 1 BBG, nicht zu beanstanden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_51\">51<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Dies ergibt sich zur \u00dcberzeugung des Senats aus dem im Verwaltungsverfahren eingeholten fach\u00e4rztlichen Gutachten des Facharztes f\u00fcr Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie Dr. G. vom 26. September 2018, das der Senat im Wege des Urkundsbeweises verwertet (\u00a7 98 VwGO in Verbindung mit \u00a7 415 ff. ZPO), sowie den erg\u00e4nzenden Erl\u00e4uterungen des Sachverst\u00e4ndigen anl\u00e4sslich der m\u00fcndlichen Verhandlung am 7. Juli 2022. Danach bestanden beim Kl\u00e4ger zum hier ma\u00dfgeblichen Zeitpunkt des Erlasses des Widerspruchsbescheids folgende gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>&#8212; gemischte dissoziative St\u00f6rung (ICD-10: F44.7);<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>&#8212; posttraumatische Belastungsst\u00f6rung, teilremittiert (ICD-10: F43.1);<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>&#8212; rezidivierende depressive St\u00f6rung, derzeit mittel- bis schwergradige Episode (ICD-10: F33.1);<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>&#8212; somatoforme Schmerzst\u00f6rung (ICD-10: F45.4).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_52\">52<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die einzelnen Diagnosen, deren Auspr\u00e4gung aber auch deren Wechselwirkung untereinander, die zu einer Verst\u00e4rkung des Beschwerdebildes beim Kl\u00e4ger f\u00fchren, hat der Sachverst\u00e4ndige Dr. G. ausf\u00fchrlich und unter detaillierter Benennung der im Falle des Kl\u00e4gers bestehenden Belastungsfaktoren bei gleichzeitiger Abwesenheit von st\u00fctzenden Faktoren plausibilisiert. Insbesondere hat der Sachverst\u00e4ndige unter Offenlegung des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes in sich stimmig begr\u00fcndet, warum er beim Kl\u00e4ger die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung gestellt hat, obwohl das &#171;A-Kriterium&#187; bei ihm in Anbetracht des Autounfalls lediglich subjektiv erf\u00fcllt war. Dass die posttraumatische Belastungsst\u00f6rung zum hier ma\u00dfgeblichen Zeitpunkt nicht mehr voll ausgebildet war, sondern es insoweit zu einer Teilremission gekommen ist, ergibt sich f\u00fcr den Senat nachvollziehbar aus den Erl\u00e4uterungen des Sachverst\u00e4ndigen und aus den dem Gutachten zugrundeliegenden Entlassberichten, denen sich eine geringer werdende Auspr\u00e4gung plausibel entnehmen l\u00e4sst.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_53\">53<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Vorgenannte Diagnosen f\u00fchren beim Kl\u00e4ger zu k\u00f6rperlichen, insbesondere aber auch schwerwiegenden seelischen Beeintr\u00e4chtigungen, die seine Dienstunf\u00e4higkeit bezogen auf das von ihm zuletzt ausge\u00fcbte abstrakt-funktionelle Amt zur Folge haben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_54\">54<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Hierzu hat der Sachverst\u00e4ndige ersch\u00f6pfend sowie nachvollziehbar begr\u00fcndet ausgef\u00fchrt, dass gerade bei der das Krankheitsbild des Kl\u00e4gers dominierenden und schwer behandelbaren dissoziativen St\u00f6rung die Prognose ung\u00fcnstig ist, weil es den Betroffenen an Krankheitseinsicht mangelt und deshalb therapeutische Angebote nicht wahrgenommen werden. Ein fehlendes Krankheitsverst\u00e4ndnis bei fehlender Krankheitseinsicht hat der Sachverst\u00e4ndige explizit auch bezogen auf den Kl\u00e4ger festgestellt, der gegen\u00fcber dem Sachverst\u00e4ndigen zudem selbst angegeben hat, er habe &#171;sich bis heute nicht mit der psychischen Erkl\u00e4rung f\u00fcr seine Probleme anfreunden&#187; k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_55\">55<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Erschwerend kommt hinzu, dass nach den plausiblen Angaben des Sachverst\u00e4ndigen zur \u00dcberzeugung des Senats beim Kl\u00e4ger von einer Chronifizierung des Krankheitsbildes auszugehen ist. Dieses Bild vervollst\u00e4ndigend hat der Sachverst\u00e4ndige \u00fcberzeugend dargetan, dass sich der beim Kl\u00e4ger festzustellende hohe Leidensdruck gerade auch in der fehlenden Medikamenteneinnahme und der unterbliebenen Inanspruchnahme fach\u00e4rztlicher Behandlungsangebote auf neurologisch-psychiatrischem Fachgebiet manifestiert. In diesen Zusammenhang f\u00fcgt sich zwanglos die Feststellung im Entlassungsbericht der &#8230; Klinik, B. &#8230; vom 5. September 2016 zum station\u00e4ren Aufenthalt des Kl\u00e4gers vom 2. Juni bis 21. Juli 2016 ein, wonach der Kl\u00e4ger nicht von traumatherapeutischen Interventionen (im Bericht: &#171;Intentionen&#187;) und nur teilweise von psychotherapeutisch orientierten Bewegungstherapien profitiert habe.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_56\">56<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Hinzu kommen die weiteren gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen, die nicht isoliert voneinander betrachtet werden k\u00f6nnen. Vielmehr hat der Sachverst\u00e4ndige in seinem Gutachten nachvollziehbar herausgearbeitet und zudem vor dem Senat betont, dass sich beim Kl\u00e4ger die psychiatrischen Komorbidit\u00e4ten gegenseitig negativ verst\u00e4rken und insgesamt in eine negative Wechselwirkung mit der dissoziativen Erkrankung treten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_57\">57<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die beim Kl\u00e4ger vorliegenden gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren in ihrer konkreten Auspr\u00e4gung zu Funktionsbeeintr\u00e4chtigungen, die eine vollst\u00e4ndige Aufhebung seines Leistungsverm\u00f6gens zur Folge haben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_58\">58<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Sachverst\u00e4ndige hat hierzu gest\u00fctzt auf seine eigene Anamnese und die Auswertung des medizinischen Akteninhalts plausibel hervorgehoben, dass die Gesamtheit der psychischen Beeintr\u00e4chtigungen in einem hohen Ma\u00dfe zu einer generellen Minderung des psychisch-physischen Restleistungsverm\u00f6gens beim Kl\u00e4ger f\u00fchrt. Dies hat der Sachverst\u00e4ndige nachvollziehbar mit den beim Kl\u00e4ger auftretenden kognitiven Beeintr\u00e4chtigungen, seinen chronischen Schmerzen und einer sehr geringen bzw. stark eingeschr\u00e4nkten Belastungsf\u00e4higkeit begr\u00fcndet. Danach stehen dem Kl\u00e4ger nur sehr geringe Ressourcen zur Verf\u00fcgung, um mit Belastungen umzugehen. Zudem ist von &#171;sehr&#187; insuffizienten Reaktionsformen bzw. Bew\u00e4ltigungsversuchen auszugehen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_59\">59<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die mangelnde Belastungstoleranz hat sich nicht nur gegen\u00fcber dem Sachverst\u00e4ndigen selbst gezeigt, sondern wird auch im Bericht der Fachklinik f\u00fcr Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik B. &#8230; vom 19. Februar 2018 zum station\u00e4ren Aufenthalt des Kl\u00e4gers vom 9. Januar bis 20. Februar 2018 eindr\u00fccklich beschrieben. So konnte der Kl\u00e4ger im Rahmen der Arbeitstherapie unter anderem den Arbeitsplan zwar mit Einschr\u00e4nkungen erfassen und umsetzen, ging hierbei aber langsam und mit reduzierter Aufmerksamkeit vor. Auftretende Fehler wurden nur mit Unterst\u00fctzung gefunden und widerstrebend korrigiert. Hierbei bedurfte es wiederholter Hilfestellungen, ohne dass der Kl\u00e4ger nach eigenen L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten suchte. Weiter wird von einer unterdurchschnittlich l\u00e4ngerfristigen konzentrativen Belastbarkeit bzw. einer unterdurchschnittlichen Konzentrationsf\u00e4higkeit und einem unterdurchschnittlichen Leistungsniveau im Bereich des Arbeitstempos berichtet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_60\">60<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Dass von einer generellen Minderung des (Rest-)Leistungsverm\u00f6gens in hohem Ma\u00dfe besonders im beruflichen Bereich auszugehen ist, diese hingegen im privaten und sozialen Bereich weniger eine Rolle spielt, hat der Sachverst\u00e4ndige anschaulich damit begr\u00fcndet, dass im beruflichen Umfeld keine bzw. weniger Ausweichm\u00f6glichkeiten bestehen, w\u00e4hrend der private und soziale Bereich ein Vermeidungsverhalten (eher) zulassen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_61\">61<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Diese medizinisch begr\u00fcndete Einsch\u00e4tzung wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass dem Sachverst\u00e4ndigen eine Beschreibung der T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers bezogen auf sein abstrakt-funktionelles Amt nicht vorlag. Denn Aufgabe des Arztes ist, wie bereits ausgef\u00fchrt, (lediglich), den Gesundheitszustand des Beamten festzustellen und medizinisch zu bewerten; hieraus die Schlussfolgerungen f\u00fcr die Beurteilung der Dienstf\u00e4higkeit zu ziehen, ist dagegen Aufgabe der Beh\u00f6rde und ggf. des Gerichts.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_62\">62<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die W\u00fcrdigung der vorliegenden (amts-)\u00e4rztlichen Stellungnahmen sowie des Gutachtens und der m\u00fcndlichen Erl\u00e4uterungen des Sachverst\u00e4ndigen f\u00fchrt zur \u00dcberzeugung des Senats zwingend zu der Schlussfolgerung, dass der Kl\u00e4ger dienstunf\u00e4hig im Sinne des \u00a7 44 Abs. 1 BBG ist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_63\">63<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Dabei verkennt der Senat nicht, dass zwischen dem Zeitpunkt der Erstattung des Gutachtens und dem Erlass des Widerspruchsbescheids etwas mehr als 18 Monate liegen. Allein durch den damit verbundenen Zeitablauf wird die amts- bzw. fach\u00e4rztliche Beurteilung jedoch nicht in Frage gestellt. Denn zum einen ist beim Kl\u00e4ger vom Vorliegen eines chronifizierten Krankheitsbildes auszugehen, zum anderen hat der Kl\u00e4ger trotz Aufforderung des Senats keine auf den Zeitpunkt nach der Begutachtung datierenden medizinischen Unterlagen vorgelegt. Vor diesem Hintergrund fehlt es an Anhaltspunkten f\u00fcr eine (wesentliche) \u00c4nderung des Gesundheitszustands des Kl\u00e4gers, die Anlass f\u00fcr eine medizinische Neubewertung bezogen auf den hier entscheidungserheblichen Zeitpunkt des Erlasses des Widerspruchsbescheids geben k\u00f6nnten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_64\">64<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Da die Dienstunf\u00e4higkeit des Kl\u00e4gers ausgehend von den \u00fcberzeugenden schriftlichen wie m\u00fcndlichen Einlassungen des Sachverst\u00e4ndigen sowie der weiteren medizinischen Unterlagen auf ein vollumf\u00e4nglich aufgehobenes (Rest-)Leistungsverm\u00f6gens des Kl\u00e4gers bei ausgepr\u00e4gtem negativem Leistungsbild zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, stellt sich die Frage einer anderweitigen Verwendbarkeit des Kl\u00e4gers (vgl. \u00a7 44 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 bis 4 BBG) nicht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_65\">65<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7 154 Abs. 1 VwGO.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-WBRE202200630&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BVerwG_2_A_4-21_WBRE202200630.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Integrationsamt ist bei der Versetzung eines schwerbehinderten Lebenszeitbeamten in den Ruhestand wegen Dienstunf\u00e4higkeit nicht nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 168 SGB IX zu beteiligen. 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