{"id":673391,"date":"2026-04-24T15:43:49","date_gmt":"2026-04-24T13:43:49","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/tribunal-federal-suisse-2-fevrier-2022-n-2c-657-2021\/"},"modified":"2026-04-24T15:43:49","modified_gmt":"2026-04-24T13:43:49","slug":"tribunal-federal-suisse-2-fevrier-2022-n-2c-657-2021","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/tribunal-federal-suisse-2-fevrier-2022-n-2c-657-2021\/","title":{"rendered":"Tribunal f\u00e9d\u00e9ral suisse, 2 f\u00e9vrier 2022, n\u00b0 2C 657-2021"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<p>Bundesgericht<\/p>\n<p>Tribunal f\u00e9d\u00e9ral<\/p>\n<p>Tribunale federale<\/p>\n<p>Tribunal federal<\/p>\n<p>2C_657\/2021<\/p>\n<p>Urteil vom 2. Februar 2022<\/p>\n<p>II. \u00f6ffentlich-rechtliche Abteilung<\/p>\n<p>Besetzung<\/p>\n<p>Bundesrichterin Aubry Girardin, Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n<p>Bundesrichter Hartmann,<\/p>\n<p>Bundesrichterin Ryter,<\/p>\n<p>Gerichtsschreiber Marti.<\/p>\n<p>Verfahrensbeteiligte<\/p>\n<p>A.________,<\/p>\n<p>Beschwerdef\u00fchrerin,<\/p>\n<p>vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Picenoni,<\/p>\n<p>gegen<\/p>\n<p>Amt f\u00fcr Migration und Zivilrecht des Kantons Graub\u00fcnden, Karlihof 4, 7000 Chur,<\/p>\n<p>Departement f\u00fcr Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graub\u00fcnden, Hofgraben 5, 7001 Chur.<\/p>\n<p>Gegenstand<\/p>\n<p>Verweigerung der Verl\u00e4ngerung<\/p>\n<p>der Aufenthaltsbewilligung,<\/p>\n<p>Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graub\u00fcnden, 1. Kammer,<\/p>\n<p>vom 16. Juni 2021 (U 20 95).<\/p>\n<p>Sachverhalt:<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichische Staatsangeh\u00f6rige A.________ (1966) kam im Dezember 2008 in die Schweiz, um eine Anstellung bei der B.________ GmbH in U.________ aufzunehmen. Sie erhielt eine Aufenthaltsbewilligung EU\/EFTA zwecks Erwerbsaufenthalts bis zum 30. November 2013, die in der Folge um f\u00fcnf Jahre bis zum 30. November 2018 verl\u00e4ngert wurde.<\/p>\n<p>Am 5. November 2018 ersuchte A.________ erneut um Verl\u00e4ngerung ihrer Aufenthaltsbewilligung EU\/EFTA. Im Rahmen ihres Gesuchs gab sie an, wegen einer Zwangserkrankung seit dem Jahr 2009 nicht mehr arbeitst\u00e4tig zu sein. Parallel dazu leitete das Amt f\u00fcr Migration und Zivilrecht des Kantons Graub\u00fcnden eine Aufenthaltspr\u00fcfung ein, nachdem ihm die Sozialversicherungsanstalt Graub\u00fcnden mitgeteilt hatte, dass A.________ Erg\u00e4nzungsleistungen in der H\u00f6he von j\u00e4hrlich Fr. 19&#039;800.&#8212; beziehe.<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Am 20. Juni 2019 verweigerte das Amt f\u00fcr Migration und Zivilrecht, die Aufenthaltsbewilligung EU\/EFTA von A.________ zu verl\u00e4ngern, und wies diese an, die Schweiz bis am 20. Juli 2019 zu verlassen. Es begr\u00fcndete seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass A.________ ihre Arbeitnehmerinneneigenschaft verloren habe und die Voraussetzungen f\u00fcr einen Aufenthalt ohne Erwerbst\u00e4tigkeit nicht erf\u00fcllt seien. Die dagegen erhobenen kantonalen Rechtsmittel blieben ohne Erfolg (Verf\u00fcgung des Departements f\u00fcr Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graub\u00fcnden vom 4. August 2020; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graub\u00fcnden vom 16. Juni 2021).<\/p>\n<p>C.<\/p>\n<p>Mit Eingabe vom 1. September 2021 gelangt A.________ an das Bundesgericht und beantragt, das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graub\u00fcnden vom 16. Juni 2021 aufzuheben und von einer Verweigerung der Verl\u00e4ngerung der Aufenthaltsbewilligung abzusehen. Der Sachverhalt sei zudem zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur\u00fcckzuweisen; insbesondere ihre gesundheitliche Situation sei vertieft zu pr\u00fcfen. In prozessualer Hinsicht ersucht sie um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist\u00e4ndung.<\/p>\n<p>Das Verwaltungsgericht und das Departement f\u00fcr Justiz, Sicherheit und Gesundheit beantragen in der Vernehmlassung, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Das Staatssekretariat f\u00fcr Migration liess sich nicht vernehmen.<\/p>\n<p>Das pr\u00e4sidierende Abteilungsmitglied erteilte der Beschwerde am 6. September 2021 aufschiebende Wirkung.<\/p>\n<p>Erw\u00e4gungen:<\/p>\n<p>1.<\/p>\n<p>1.1. Die frist- (Art. 100 Abs. 1 BGG) und formgerecht (Art. 42 BGG) eingereichte Beschwerde richtet sich gegen das verfahrensabschliessende (Art. 90 BGG) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graub\u00fcnden vom 16. Juni 2021 (Art. 86 Abs. 1 lit. d BGG) und betrifft eine Angelegenheit des \u00f6ffentlichen Rechts (Art. 82 lit. a BGG). Als \u00f6sterreichische Staatsangeh\u00f6rige kann die Beschwerdef\u00fchrerin gest\u00fctzt auf das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits \u00fcber die Freiz\u00fcgigkeit (Freiz\u00fcgigkeitsabkommen, FZA; SR 0.142.112.681) potentiell einen Aufenthaltsanspruch ableiten (vgl. BGE 136 II 177 E. 1.1). Sinngem\u00e4ss r\u00fcgt sie sodann in vertretbarer Weise eine Verletzung von Art. 3 und 8 EMRK. Ein Ausschlussgrund nach Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG ist somit nicht gegeben. Die Beschwerdef\u00fchrerin ist \u00fcberdies legitimiert, Rechtsmittel zu erheben (Art. 89 Abs. 1 BGG). Auf die Beschwerde ist unter Vorbehalt des Nachfolgenden einzutreten.<\/p>\n<p>1.2. Unzul\u00e4ssig ist die Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, soweit die Beschwerdef\u00fchrerin geltend macht, ihre Situation sei zu Unrecht nicht als allgemeiner H\u00e4rtefall behandelt worden (Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG [SR 142.20]). Ob die kantonalen Beh\u00f6rden der Beschwerdef\u00fchrerin wegen eines schwerwiegenden pers\u00f6nlichen H\u00e4rtefalls eine Bewilligung h\u00e4tten erteilen m\u00fcssen, kann das Bundesgericht nicht pr\u00fcfen, da sich seine Zust\u00e4ndigkeit auf Anspruchsbewilligungen beschr\u00e4nkt (Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG). Bei der Erteilung der damit verbundenen Bewilligung geht es um einen kantonalen Ermessensentscheid im Rahmen von Art. 96 AIG (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.1). Da sich ein Anspruch auf Aufenthalt weder aus dem Willk\u00fcrverbot, dem Rechtsgleichheitsgebot noch dem Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeitsprinzip ableiten l\u00e4sst, steht die Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen entsprechende kantonal letztinstanzliche richterliche Entscheide in der Sache nicht offen (vgl. BGE 137 II 305 E. 2; 133 I 185 E. 6.2). Diesbez\u00fcglich k\u00f6nnen (im Rahmen der subsidi\u00e4ren Verfassungsbeschwerde) ausschliesslich R\u00fcgen bez\u00fcglich verfahrensrechtlicher Punkte geltend gemacht werden, deren Verletzung einer formellen Rechtsverweigerung gleichkommt, soweit das Gericht diese losgel\u00f6st von der Frage in der Sache selber beurteilen kann (&quot;Star&quot;-Praxis; 137 II 305 E. 2 und 4; BGE 114 Ia 307 E. 3c). Solche R\u00fcgen bringt die Beschwerdef\u00fchrerin nicht vor.<\/p>\n<p>2.<\/p>\n<p>2.1. Mit der Beschwerde kann namentlich die Verletzung von Bundes- und V\u00f6lkerrecht ger\u00fcgt werden (Art. 95 lit. a und lit. b BGG). Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG), wobei es &#8212; unter Ber\u00fccksichtigung der allgemeinen R\u00fcge- und Begr\u00fcndungspflicht (Art. 42 Abs. 2 BGG) &#8212; nur die geltend gemachten Vorbringen pr\u00fcft, sofern allf\u00e4llige weitere rechtliche M\u00e4ngel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 142 I 135 E. 1.5; 133 II 249 E. 1.4.1). Seinem Urteil legt es den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG), es sei denn, dieser sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG (Art. 105 Abs. 2 BGG). Offensichtlich unrichtig festgestellt ist ein Sachverhalt, wenn er auf willk\u00fcrlichen Feststellungen beruht (BGE 137 I 58 E. 4.1.2). Neue Tatsachen und Beweismittel d\u00fcrfen nur soweit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG). Das Vorbringen von Tatsachen, die sich erst nach dem angefochtenen Entscheid ereignet haben oder erst danach entstanden sind (echte Noven), ist unzul\u00e4ssig (BGE 143 V 19 E. 1.2).<\/p>\n<p>2.2. Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Beschwerdebegr\u00fcndung in gedr\u00e4ngter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt. Die Verletzung von Grundrechten pr\u00fcft das Bundesgericht nur insofern, als eine solche R\u00fcge in der Beschwerde vorgebracht und begr\u00fcndet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG; qualifizierte R\u00fcge- und Begr\u00fcndungsobliegenheit). In der Beschwerde ist daher klar und detailliert anhand der Erw\u00e4gungen des angefochtenen Entscheids darzulegen, inwiefern verfassungsm\u00e4ssige Individualrechte verletzt worden sein sollen (BGE 143 II 283 E. 1.2.2).<\/p>\n<p>3.<\/p>\n<p>Die Beschwerdef\u00fchrerin r\u00fcgt zun\u00e4chst eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r (Art. 29 Abs. 2 BV). Sie macht sinngem\u00e4ss geltend, die Vorinstanz habe es unterlassen, entscheidrelevante Sachverhaltselemente hinsichtlich der Beendigung ihres Arbeitsverh\u00e4ltnisses sowie ihrer gesundheitlichen Situation zu pr\u00fcfen. Die entsprechenden Ausf\u00fchrungen der Beschwerdef\u00fchrerin gen\u00fcgen den Anforderungen der qualifizierten R\u00fcge- und Begr\u00fcndungsobliegenheit nicht (Art. 106 Abs. 2 BGG; vgl. vorstehende E. 2.2). Die Beschwerdef\u00fchrerin pr\u00e4zisiert weder, welche Beweismittel sie offeriert und die Vorinstanz zu Unrecht nicht abgenommen habe, noch zeigt sie auf, inwiefern die von ihr behauptete Geh\u00f6rsverletzung f\u00fcr den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (vgl. BGE 137 II 122 E. 3.4). Beim neu eingereichten Schreiben der Psychiatrischen Dienste des Kantons Graub\u00fcnden vom 31. August 2021 handelt es sich ferner um ein echtes Novum, das im Verfahren vor Bundesgericht unzul\u00e4ssig ist (BGE 143 V 19 E. 1.2; vgl. vorstehende E. 2.1).<\/p>\n<p>4.<\/p>\n<p>Umstritten ist sodann, ob der Beschwerdef\u00fchrerin ein Aufenthaltsanspruch nach dem FZA zukommt.<\/p>\n<p>4.1. Ein Arbeitnehmer, der Staatsangeh\u00f6riger einer Vertragspartei ist und mit einem Arbeitgeber des Aufnahmestaates ein Arbeitsverh\u00e4ltnis mit einer Dauer von mindestens einem Jahr eingeht, erh\u00e4lt eine Aufenthaltserlaubnis mit einer G\u00fcltigkeitsdauer von f\u00fcnf Jahren, gerechnet ab dem Zeitpunkt der Erteilung der Erlaubnis (EU\/EFTA-B-Bewilligung; Art. 6 Abs. 1 Anhang I FZA). Gem\u00e4ss Art. 4 Abs. 1 Anhang I FZA haben die Staatsangeh\u00f6rigen einer Vertragspartei und ihre Familienangeh\u00f6rigen nach Beendigung ihrer Erwerbst\u00e4tigkeit ein Recht auf Verbleib im Hoheitsgebiet der anderen Vertragspartei. F\u00fcr Arbeitnehmer verweist Art. 4 Abs. 2 Anhang I FZA auf die Verordnung (EWG) Nr. 1251\/70 der Kommission vom 29. Juni 1970 \u00fcber das Recht der Arbeitnehmer, nach Beendigung einer Besch\u00e4ftigung im Hoheitsgebiet eines Mitgliedsstaates zu verbleiben (ABl. L 142 vom 30. Juni 1970 S. 24 ff.; nachfolgend: Verordnung Nr. 1251\/70). Danach steht das Verbleiberecht demjenigen Arbeitnehmer zu, &quot;der infolge dauernder Arbeitsunf\u00e4higkeit eine Besch\u00e4ftigung im Lohn- oder Gehaltsverh\u00e4ltnis aufgibt, wenn er sich seit mindestens zwei Jahren im Hoheitsgebiet dieses Mitgliedstaats st\u00e4ndig aufgehalten hat&quot; (Art. 2 Abs. 1 Bst. b Verordnung Nr. 1251\/70). Die in Art. 2 Abs. 1 Bst. b Verordnung Nr. 1251\/70 vorgesehene Voraussetzung der Mindestaufenthaltsdauer von zwei Jahren muss im Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunf\u00e4higkeit erf\u00fcllt sein, setzt hingegen keine Mindestbesch\u00e4ftigungsdauer voraus (BGE 144 II 121 E. 3.6.3 und 3.5.3).<\/p>\n<p>4.2. Die Vorinstanz hat festgestellt, dass die Beschwerdef\u00fchrerin seit dem 23. M\u00e4rz 2009 zu 100 % arbeitsunf\u00e4hig ist. Die Beschwerdef\u00fchrerin bestreitet dies nicht. Wie die Vorinstanz ebenfalls festgehalten hat, hielt sich die Beschwerdef\u00fchrerin am 23. M\u00e4rz 2009 noch keine zwei Jahre in der Schweiz auf. Folglich erf\u00fcllt sie die Voraussetzung des Mindestaufenthalts nach Art. 2 Abs. 1 lit. b Verordnung Nr. 1251\/70 nicht. Der Einwand der Beschwerdef\u00fchrerin, ihr Arbeitgeber habe ihr erst per 31. August 2017 gek\u00fcndigt und sie habe bis dahin Umschulungsbem\u00fchungen unternommen, ist unbehelflich. Massgebend f\u00fcr die Bemessung der Mindestaufenthaltsdauer von zwei Jahren ist der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunf\u00e4higkeit, nicht die (rechtliche) Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses (vgl. vorstehende E. 4.1).<\/p>\n<p>4.3. Die Vorinstanz hat ein Verbleiberecht gest\u00fctzt auf Art. 4 Anhang I FZA i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b Verordnung Nr. 1251\/70 somit zu Recht verneint. Mangels ausreichender finanzieller Mittel besteht auch kein freiz\u00fcgigkeitsrechtlicher Anspruch auf Aufenthalt ohne Erwerbst\u00e4tigkeit (vgl. Art. 6 FZA i.V.m. Art. 24 Abs. 1 und 2 Anhang I FZA).<\/p>\n<p>5.<\/p>\n<p>Umstritten ist schliesslich, ob sich die aufenthaltsbeendende Massnahme als verh\u00e4ltnism\u00e4ssig i.S.v. Art. 8 Ziff. 2 EMRK sowie vereinbar mit Art. 3 EMRK erweist.<\/p>\n<p>5.1. Die Beschwerdef\u00fchrerin bringt vor, dass eine R\u00fcckkehr nach \u00d6sterreich ihre prek\u00e4re gesundheitliche Verfassung gef\u00e4hrde. Zudem verweist sie auf die famili\u00e4ren Nachteile, die ihr, ihrem vollj\u00e4hrigen Sohn sowie ihrem Schweizer Lebenspartner drohen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>5.2. Die Verweigerung der Verl\u00e4ngerung der Aufenthaltsbewilligung muss verh\u00e4ltnism\u00e4ssig sein (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 Abs. 1 AIG). Eine umfassende und faire Interessenabw\u00e4gung erfordern Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 36 in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 BV, soweit die Aufenthaltsbeendigung &#8212; wie vorliegend &#8212; in deren Schutzbereich eingreift.<\/p>\n<p>5.3. Die Beziehung von Konkubinatspaaren f\u00e4llt nur unter qualifizierten Voraussetzungen (gefestigte ehe\u00e4hnliche Gemeinschaft bzw. konkrete Heiratspl\u00e4ne) unter den Schutz von Art. 8 Ziff. 1 EMRK (BGE 144 I 266 E. 2.4 und 2.5; Urteil 2C_396\/2021 vom 27. Mai 2021 E. 3.2). Ebenso ist bei der Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern praxisgem\u00e4ss ein besonderes Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis erforderlich (Urteil des EGMR Emonet u.a. gegen die Schweiz vom 13. Dezember 2007 [Nr. 39051\/03] \u00a7 35; BGE 137 I 154 E. 3.4.2; Urteil 2C_940\/2020 vom 9. August 2021 E. 7.3.4). Gem\u00e4ss vorinstanzlicher Feststellung lebt die Beschwerdef\u00fchrerin seit 2008 mit ihrem Schweizer Lebenspartner zusammen, der sie in der Vergangenheit durch die Aufnahme eines Kredits finanziell unterst\u00fctzt hat. Es kann folglich von einer durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK gesch\u00fctzten Konkubinatsbeziehung ausgegangen werden. Anders verh\u00e4lt es sich mit der Beziehung zu ihrem vollj\u00e4hrigen Sohn. Zwar lebt dieser im gleichen Haushalt wie die Beschwerdef\u00fchrerin und hat sie zu ihm ein enges Verh\u00e4ltnis, ein besonderes Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis macht sie jedoch nicht geltend.<\/p>\n<p>5.4. Bei der Beurteilung der Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit zu ber\u00fccksichtigen sind namentlich der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die der Betroffenen und ihrer Familie drohenden Nachteile (BGE 135 II 377 E. 4.3). Art. 8 Ziff. 2 EMRK verlangt eine Abw\u00e4gung der sich gegen\u00fcberstehenden individuellen Interessen an der Erteilung oder Verl\u00e4ngerung der Bewilligung einerseits und der \u00f6ffentlichen Interessen an deren Verweigerung andererseits; diese m\u00fcssen jene in dem Sinne \u00fcberwiegen, dass sich der Eingriff in das Privat- und Familienleben als notwendig erweist (BGE 144 I 91 E. 4.2; 137 I 247 E. 4.1.1).<\/p>\n<p>5.5. Medizinische Gr\u00fcnde sprechen gegen eine Aufenthaltsbeendigung, wenn bei einer R\u00fcckkehr eine \u00fcberlebensnotwendige Behandlung nicht erh\u00e4ltlich gemacht werden kann (medizinische Notlage) und die fehlende M\u00f6glichkeit der (Weiter-) Behandlung eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich ziehen w\u00fcrde (vgl. Urteile 2C_401\/2017 vom 26. M\u00e4rz 2018 E. 5.5; 2C_192\/2017 vom 9. Januar 2018 E. 3.3). Diesbez\u00fcglich gelten im Zusammenhang mit Art. 3 EMRK relativ hohe Schwellen (Urteile 2C_401\/2017 vom 26. M\u00e4rz 2018 E. 5.5; 2C_721\/2014 vom 15. Januar 2015 E. 3.2.2; Urteil des EGMR N. gegen das Vereinigte K\u00f6nigreich vom 27. Mai 2008 [Grosse Kammer; Nr. 26565\/05] \u00a7 29 f. 45; Fanny De Weck, Das R\u00fcckschiebungsverbot aus medizinischen Gr\u00fcnden nach Art. 3 EMRK, in: Jusletter vom 18. M\u00e4rz 2013 Rz. 6 ff.). Die schweizerischen Beh\u00f6rden sind gehalten, im Rahmen der konkreten R\u00fcckkehrmassnahmen alles ihnen Zumutbare vorzukehren, um medizinisch bzw. betreuungsm\u00e4ssig sicherzustellen, dass das Leben und die Gesundheit der betroffenen Person nicht beeintr\u00e4chtigt wird; sie sind jedoch nicht verpflichtet, im Hinblick auf eine psychisch kritische Situation in Abweichung von den gesetzlichen Vorgaben dem Ansinnen auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (und den damit verbundenen weiteren F\u00fcrsorgeleistungen) zu entsprechen (BGE 139 II 393 E. 5.2.2; vgl. ferner Urteil 2C_940\/2020 vom 9. August 2021 E. 3.5).<\/p>\n<p>5.6.<\/p>\n<p>5.6.1. Das zul\u00e4ssige \u00f6ffentliche Interesse an der Nichtverl\u00e4ngerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdef\u00fchrerin besteht vorliegend darin, eine restriktive Einwanderungspolitik durchzusetzen (BGE 144 I 266 E. 3.7). Diesem gilt es die privaten und famili\u00e4ren Interessen der Beschwerdef\u00fchrerin gegen\u00fcberzustellen.<\/p>\n<p>5.6.2. Gem\u00e4ss der von der Vorinstanz herangezogenen fach\u00e4rztlichen Einsch\u00e4tzung vom 27. M\u00e4rz 2020 (nachfolgend: fach\u00e4rztliche Einsch\u00e4tzung) sei es der Beschwerdef\u00fchrerin aufgrund ihrer ausgepr\u00e4gten Zwangsst\u00f6rung nicht m\u00f6glich, ein selbstst\u00e4ndiges Leben zu f\u00fchren, und ihre aktuelle Therapie erfordere zwingend eine intakte Situation. Die schwere abh\u00e4ngige Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung der Beschwerdef\u00fchrerin bewirke \u00fcberdies eine ausgepr\u00e4gte depressive Symptomatik, wenn sie von ihr wichtigen Personen getrennt sei; das k\u00f6nne zu einer konkreten Suizidalit\u00e4t f\u00fchren. Den Feststellungen der Vorinstanz ist weiter zu entnehmen, dass die Beschwerdef\u00fchrerin in ihrem Heimatland nicht \u00fcber Personen verf\u00fcgt, die sie betreuen oder unterst\u00fctzen k\u00f6nnten. Zu ihrer dort lebenden Mutter, die mit ihrer Krankheit nicht zurecht komme, habe sie ein schwieriges Verh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>5.6.3. Aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation sind die privaten Interessen der Beschwerdef\u00fchrerin an einem Verbleib in der Schweiz nicht unbedeutend. Eine R\u00fcckkehr nach \u00d6sterreich w\u00fcrde sie jedoch nicht in eine medizinische Notlage versetzen. Vielmehr hielt die Vorinstanz verbindlich fest (Art. 105 Abs. 1 BGG), dass eine angemessene psychiatrische Behandlung der Beschwerdef\u00fchrerin auch in \u00d6sterreich m\u00f6glich ist. Dass die fach\u00e4rztliche Einsch\u00e4tzung die aktuelle Therapie als &quot;nicht ersetzbar&quot; bezeichnet, macht die vorinstanzliche Feststellung diesbez\u00fcglich nicht willk\u00fcrlich. Mit der Vorinstanz ist sodann davon auszugehen, dass die Beschwerdef\u00fchrerin ihre pers\u00f6nlichen Beziehungen auch grenz\u00fcberschreitend aufrechterhalten (vgl. nachstehende E. 5.6.5) und auf diese Weise weiterhin von ihrem Umfeld unterst\u00fctzt werden kann. Zur Bestreitungen des Alltags in der Heimat erscheint es ferner m\u00f6glich, auf die Betreuung durch Drittpersonen auszuweichen.<\/p>\n<p>5.6.4. Die depressive Symptomatik der Beschwerdef\u00fchrerin und m\u00f6gliche Gefahr der Suizidalit\u00e4t gen\u00fcgen f\u00fcr sich allein praxisgem\u00e4ss nicht, um die Aufenthaltsbeendigung als unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig bzw. unzul\u00e4ssig erscheinen zu lassen (BGE 139 II 393 E. 5.2.2; vgl. ferner Urteil 2C_856\/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1). Die Beh\u00f6rden sind jedoch gehalten, im Rahmen der konkreten R\u00fcckkehrmassnahmen alles ihnen Zumutbare vorzukehren, um medizinisch bzw. betreuungsweise sicherzustellen, dass das Leben und die Gesundheit der Beschwerdef\u00fchrerin nicht beeintr\u00e4chtigt werden (vgl. vorstehende E. 5.5).<\/p>\n<p>5.6.5. Die Beziehung der Beschwerdef\u00fchrerin zu ihrem Sohn und ihrem Lebenspartner w\u00fcrde durch die aufenthaltsbeendende Massnahme zweifelsfrei erschwert. Wie die Vorinstanz jedoch zutreffend ausf\u00fchrt, kann der Kontakt auch aus \u00d6sterreich vergleichsweise gut weiter gepflegt werden, insbesondere durch gegenseitige Besuche (im Rahmen des bewilligungsfreien Aufenthaltes) oder moderne Kommunikationsmittel (vgl. Urteil 2C_339\/2019 vom 14. November 2019 E. 4.6).<\/p>\n<p>5.6.6. Die Beschwerdef\u00fchrerin lebt seit \u00fcber 12 Jahren in der Schweiz. Zu ber\u00fccksichtigen gilt es indessen, dass sie ihre seit 2009 bestehende Arbeitsunf\u00e4higkeit im ersten Gesuch um Verl\u00e4ngerung der Aufenthaltsbewilligung im Jahr 2013 nicht offen gelegt hat. Somit erscheint fraglich, ob damals ein Bewilligungsanspruch weiterhin bestand, schliesst die dauernde Arbeitsunf\u00e4higkeit den Arbeitnehmerinnenstatus i.S.v. Art. 6 Abs. 1 Anhang I FZA doch aus (Urteil des EuGH vom 6. Juni 1995 C-434\/93 Bozkurt, Slg. 1995 I-1475, Randnr. 39; Benedikt Pirker, Zum Verlust der Arbeitnehmereigenschaft im Freiz\u00fcgigkeitsabkommen, AJP 2014 S. 1218; vgl. ferner Urteil 2C_574\/2019 vom 9. Dezember 2019 E. 4.2 und 6.3). Hinzu kommt, dass sich die Beschwerdef\u00fchrerin gem\u00e4ss Feststellungen der Vorinstanz weder in sozialer noch beruflicher Hinsicht in der Schweiz integrieren konnte. Selbst wenn dies teilweise ihrer Krankheit geschuldet sein mag, erscheint eine R\u00fcckkehr in ihr Heimatland, wo die Beschwerdef\u00fchrerin die Mehrheit ihres Lebens verbracht hat, zumutbar.<\/p>\n<p>5.7. Zusammenfassend stehen der Aufenthaltsbeendigung keine \u00fcberwiegenden privaten oder famili\u00e4ren Interessen entgegen, zumal der Beschwerdef\u00fchrerin gest\u00fctzt auf das FZA kein Aufenthaltsanspruch zukommt. Die Nichtverl\u00e4ngerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich als verh\u00e4ltnism\u00e4ssig und h\u00e4lt \u00fcberdies Art. 3 EMRK stand.<\/p>\n<p>6.<\/p>\n<p>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet und deshalb abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird. Es besteht kein Grund, die Sache zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zur\u00fcckzuweisen. Da die Beschwerdef\u00fchrerin bed\u00fcrftig ist und ihre Eingabe nicht als zum Vornherein aussichtslos gelten konnte (vgl. Art. 64 BGG; BGE 138 III 217 E. 2.2.4), ist dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist\u00e4ndung zu entsprechen. Es sind keine Parteientsch\u00e4digungen geschuldet (Art. 68 Abs. 3 BGG).<\/p>\n<p>Demnach erkennt das Bundesgericht:<\/p>\n<p>1.<\/p>\n<p>Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.<\/p>\n<p>2.<\/p>\n<p>Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist\u00e4ndung wird gutgeheissen.<\/p>\n<p>3.<\/p>\n<p>Es werden keine Kosten erhoben.<\/p>\n<p>4.<\/p>\n<p>Rechtsanwalt Reto Picenoni, Z\u00fcrich, wird als unentgeltlicher Rechtsanwalt der Beschwerdef\u00fchrerin bestellt und ihm wird f\u00fcr das bundesgerichtliche Verfahren aus der Bundesgerichtskasse eine Entsch\u00e4digung von Fr. 1&#039;500.&#8212; ausgerichtet.<\/p>\n<p>5.<\/p>\n<p>Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Verwaltungsgericht des Kantons Graub\u00fcnden, 1. Kammer, und dem Staatssekretariat f\u00fcr Migration mitgeteilt.<\/p>\n<p>Lausanne, 2. Februar 2022<\/p>\n<p>Im Namen der II. \u00f6ffentlich-rechtlichen Abteilung<\/p>\n<p>des Schweizerischen Bundesgerichts<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sidentin: F. Aubry Girardin<\/p>\n<p>Der Gerichtsschreiber: Marti<\/p>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"https:\/\/search.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?lang=fr&#038;type=highlight_simple_query&#038;page=9&#038;from_date=&#038;to_date=&#038;sort=relevance&#038;insertion_date=&#038;top_subcollection_aza=all&#038;query_words=zivilrecht&#038;rank=84&#038;azaclir=aza&#038;highlight_docid=aza%3A%2F%2F02-02-2022-2C_657-2021&#038;number_of_ranks=2022\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Source officielle Tribunal federal suisse. 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