{"id":791941,"date":"2026-05-01T00:44:05","date_gmt":"2026-04-30T22:44:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundessozialgericht-4-senat-urteil-2018-04-25-b-4-as-29-17-r\/"},"modified":"2026-05-01T00:44:05","modified_gmt":"2026-04-30T22:44:05","slug":"bundessozialgericht-4-senat-urteil-2018-04-25-b-4-as-29-17-r","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/bundessozialgericht-4-senat-urteil-2018-04-25-b-4-as-29-17-r\/","title":{"rendered":"Bundessozialgericht, 4. Senat, Urteil, 2018-04-25, B 4 AS 29\/17 R"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 29. Juni 2017 wird zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Kosten sind nicht zu erstatten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tatbestand<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Umstritten ist die R\u00fccknahme von Bewilligungen und die Erstattung von Leistungen und Beitr\u00e4gen wegen verschwiegenen Verm\u00f6gens f\u00fcr den Zeitraum von Juni 2006 bis Oktober 2013.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der 1967 geborene, alleinstehende Kl\u00e4ger bezog im streitbefangenen Zeitraum vom beklagten Jobcenter Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II unter Ber\u00fccksichtigung der Regelleistung bzw des Regelbedarfs und von Aufwendungen f\u00fcr Unterkunft und Heizung sowie (seit 2011) eines Mehrbedarfs wegen dezentraler Warmwassererzeugung und zeitweise von Arbeitseinkommen und Alg. Als Verm\u00f6gen hatte er im Erstantrag Giro- und Sparkonten im Wert von insgesamt 2675,96 Euro und einen PKW mit einem Restwert von 1000 Euro angegeben, nicht aber ein weiteres Sparkonto, mit dem sich das Guthaben anfangs auf 12 693 Euro und schlie\u00dflich bis Anfang Oktober 2013 auf 18 491 Euro belief. Nach Bekanntwerden des weiteren Sparkontos im August 2013 nahm der Beklagte die Bewilligungsbescheide nach Anh\u00f6rung f\u00fcr die Zeit vom 1.6.2006 bis 31.10.2013 unter Verweis auf die dauerhafte \u00dcberschreitung der Verm\u00f6gensfreigrenzen vollst\u00e4ndig zur\u00fcck und setzte eine Erstattung einschlie\u00dflich der Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung von 31 233,72 Euro fest <em>(Bescheid vom 16.12.2013; Widerspruchsbescheid vom 14.3.2014).<\/em>\n               <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das SG hat den Bescheid unter Abweisung der Klage im \u00dcbrigen aufgehoben, soweit die Erstattungsforderung den Betrag von 10 061,88 Euro abz\u00fcglich Freibetr\u00e4gen \u00fcbersteigt<em> (Urteil vom 11.1.2016)<\/em>; bei R\u00fccknahmen wegen verschwiegenen Verm\u00f6gens sei zu pr\u00fcfen, wie lange die einzusetzenden Betr\u00e4ge zur Bedarfsdeckung ausgereicht h\u00e4tten. Das LSG hat das Urteil auf Berufung des Beklagten abge\u00e4ndert und die Klage vollst\u00e4ndig abgewiesen <em>(Urteil vom 29.6.2017)<\/em>: Der R\u00fccknahme- und Erstattungsbescheid sei nicht zu beanstanden. Die Bewilligungen seien von Anfang an rechtswidrig gewesen. Verm\u00f6gen sei nicht nur solange zu ber\u00fccksichtigen, wie damit der Bedarf h\u00e4tte gedeckt werden k\u00f6nnen. Eine Begrenzung der R\u00fcckforderung nach Ermessen schlie\u00dfe \u00a7 40 Abs 2 Nr 3 SGB II iVm \u00a7 330 Abs 2 SGB III aus. H\u00e4rten k\u00f6nne nur im Wege eines Forderungserlasses begegnet werden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Mit seiner Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger sinngem\u00e4\u00df eine Verletzung von \u00a7 40 Abs 2 Nr 3 SGB II iVm \u00a7 330 Abs 2 SGB III. Dies schlie\u00dfe eine Ermessensbet\u00e4tigung nicht aus. Gebunden sei die R\u00fccknahmeentscheidung nur in zeitlicher Hinsicht, n\u00e4mlich im Hinblick auf die R\u00fccknahme f\u00fcr die Vergangenheit. Ab dem Unterschreiten des Verm\u00f6gensfreibetrags seien die Bewilligungsbescheide nicht mehr rechtswidrig gewesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>das Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 29. Juni 2017 aufzuheben und die Berufung des Beklagten gegen das Urteil des Sozialgerichts D\u00fcsseldorf vom 11. Januar 2016 zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Beklagte verteidigt die angegriffene Entscheidung und beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die zul\u00e4ssige Revision des Kl\u00e4gers ist unbegr\u00fcndet <em>(\u00a7 170 Abs 1 Satz 1 SGG)<\/em>. Zutreffend haben die Vorinstanzen entschieden, dass f\u00fcr R\u00fccknahme und Erstattung einer Alg II-Bewilligung wegen verschwiegenen Verm\u00f6gens unbeachtlich ist, in welchem Umfang das Verm\u00f6gen bei rechtm\u00e4\u00dfigem Verhalten einzusetzen gewesen w\u00e4re. Dass der Beklagte einen Forderungserlass zur Vermeidung unbilliger H\u00e4rten bislang nicht gepr\u00fcft hat, ber\u00fchrt die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von R\u00fccknahme und Erstattung nicht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Gegenstand des Revisionsverfahrens ist neben den vorinstanzlichen Urteilen der R\u00fccknahme- und Erstattungsbescheid vom 16.12.2013 in Gestalt des Widerspruchsbescheids vom 14.3.2014, soweit er auf die &#8212; statthafte &#8212; Anfechtungsklage <em>(\u00a7 54 Abs 1 Satz 1 Alternative 1 SGG)<\/em> des Kl\u00e4gers vom SG aufgehoben worden ist und das LSG die Klage auf die Berufung des Beklagten insgesamt abgewiesen hat. Streitbefangen ist danach die R\u00fccknahme der Leistungsbewilligungen und die Erstattung von Leistungen und Beitr\u00e4gen f\u00fcr den Zeitraum vom 1.6.2006 bis 31.10.2013 durch den angefochtenen Bescheid des Beklagten nur (noch), soweit die von ihm festgesetzte Erstattungssumme 10 061,88 Euro abz\u00fcglich des Freibetrags \u00fcbersteigt. Soweit das SG die Klage bis zu diesem Betrag abgewiesen hat, ist der R\u00fccknahme- und Erstattungsbescheid mangels einer Berufung des Kl\u00e4gers bindend geworden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. In formeller Hinsicht ist der angefochtene Bescheid nicht zu beanstanden. Der Kl\u00e4ger ist insbesondere vor seinem Erlass angeh\u00f6rt worden <em>(\u00a7 24 Abs 1 SGB X)<\/em> und hatte zudem im Widerspruchsverfahren weitere Gelegenheit zur \u00c4u\u00dferung. Der Bescheid bezeichnet auch inhaltlich hinreichend bestimmt <em>(\u00a7 33 Abs 1 SGB X)<\/em> die zur\u00fcckgenommenen Bewilligungsentscheidungen, und er beziffert die zu erstattenden Betr\u00e4ge einschlie\u00dflich der Teilbetr\u00e4ge, aus denen sie sich zusammensetzen. Soweit im Widerspruchsbescheid erg\u00e4nzend zum R\u00fccknahmebescheid weitere von der R\u00fccknahme erfasste Bescheide angef\u00fchrt worden sind, ist das jedenfalls deshalb unproblematisch, weil sowohl dem Anh\u00f6rungsschreiben vom 20.11.2013 als auch dem R\u00fccknahmebescheid zu entnehmen war, dass sich die R\u00fccknahme auf den gesamten Zeitraum zwischen Juni 2006 bis Oktober 2013 erstreckt <em>(vgl dazu n\u00e4her BSG vom 25.10.2017 &#8212; B 14 AS 9\/17 R &#8212; vorgesehen f\u00fcr SozR 4-1300 \u00a7 45 Nr 19, juris RdNr 21 ff)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>3. Rechtsgrundlage des R\u00fccknahmebescheids ist \u00a7 40 Abs 1 Satz 1, Abs 2 Nr 2 SGB II in der im R\u00fccknahmezeitpunkt geltenden Fassung der Bekanntmachung vom 13.5.2011<em> (BGBl I 850; zur Ma\u00dfgeblichkeit des im Zeitpunkt der Aufhebung geltenden Rechts vgl letztens BSG vom 7.12.2017 &#8212; B 14 AS 7\/17 R &#8212; SozR 4-4200 \u00a7 7 Nr 55 RdNr 10)<\/em> iVm \u00a7 45 SGB X und \u00a7 330 Abs 2 SGB III. Danach ist eine rechtswidrige beg\u00fcnstigende Bewilligung von Leistungen nach dem SGB II auch nach Unanfechtbarkeit mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit zur\u00fcckzunehmen, wenn sie auf Angaben beruht, die der Beg\u00fcnstigte vors\u00e4tzlich oder grob fahrl\u00e4ssig in wesentlicher Beziehung unrichtig oder unvollst\u00e4ndig gemacht hat.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Zu Recht hat aufgrund dieser Vorschriften der Beklagte die Alg II-Bewilligungen f\u00fcr den streitbefangenen Zeitraum wegen Rechtswidrigkeit im Zeitpunkt ihres Erlasses ohne R\u00fccksicht auf den im Fall eines rechtm\u00e4\u00dfigen Verhaltens des Kl\u00e4gers zu ber\u00fccksichtigenden Verm\u00f6genswert <em>(dazu 4. und 5.)<\/em> zur\u00fcckgenommen, weil der Kl\u00e4ger sich auf Vertrauen nicht berufen kann <em>(dazu 6.)<\/em> und die R\u00fccknahme deshalb wegen der f\u00fcr das SGB II entsprechend anwendbaren Sonderregelung des \u00a7 330 Abs 2 SGB III zwingend ist, ohne dass insoweit Korrekturm\u00f6glichkeiten verbleiben <em>(dazu 7.)<\/em>. Das gilt ebenso f\u00fcr die Erstattungsforderung, die ebenfalls rechtm\u00e4\u00dfig ist <em>(dazu 8.)<\/em>. Soweit Korrekturm\u00f6glichkeiten in solchen F\u00e4llen nach dem Regelungskonzept des SGB II in das Billigkeitsverfahren nach \u00a7 44 SGB II verlagert sind, ist dar\u00fcber mangels einer Entscheidung des Beklagten hier\u00fcber vorliegend nicht zu befinden, ohne dass dies die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des R\u00fccknahme- und Erstattungsbescheids ber\u00fchrt <em>(dazu 9.)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>4. Zutreffend ist das LSG davon ausgegangen, dass die Alg II-Bewilligungen f\u00fcr den streitbefangenen Zeitraum bei Erlass mangels Hilfebed\u00fcrftigkeit des Kl\u00e4gers objektiv rechtswidrig waren.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Rechtsgrundlage des dem Kl\u00e4ger zuerkannten Alg II ist \u00a7 19 ff iVm \u00a7\u00a7 7, 9, 11, 20 ff SGB II in der im Bezugszeitraum jeweils geltenden Fassung; denn in Rechtsstreitigkeiten \u00fcber schon abgeschlossene Bewilligungsabschnitte ist das zum damaligen Zeitpunkt geltende Recht anzuwenden <em>(Geltungszeitraumprinzip, vgl BSG vom 19.10.2016 &#8212; B 14 AS 53\/15 R &#8212; SozR 4-4200 \u00a7 11 Nr 78 RdNr 15 mwN)<\/em>. Ma\u00dfgebend f\u00fcr die Hilfebed\u00fcrftigkeit des Kl\u00e4gers &#8212; der nach dem Gesamtzusammenhang der Feststellungen des LSG die Grundvoraussetzungen des \u00a7 7 Abs 1 Satz 1 SGB II, aber keinen Ausschlusstatbestand erf\u00fcllte &#8212; war danach bis zum 31.12.2010 \u00a7 9 Abs 1 SGB II idF des Vierten Gesetzes f\u00fcr moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 24.12.2003<em> (BGBl I 2954) <\/em>und seither idF des Gesetzes zur Ermittlung von Regelbedarfen und zur \u00c4nderung des Zweiten und Zw\u00f6lften Buches Sozialgesetzbuch vom 24.3.2011<em> (BGBl I 453)<\/em>, wonach hilfebed\u00fcrftig ist, wer seinen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus dem zu ber\u00fccksichtigenden Einkommen oder Verm\u00f6gen sichern kann und die erforderliche Hilfe nicht von anderen, insbesondere von Angeh\u00f6rigen oder von Tr\u00e4gern anderer Sozialleistungen erh\u00e4lt<em>.<\/em>\n               <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Dem danach zu deckenden Bedarf des Kl\u00e4gers standen nach den bindenden <em>(\u00a7 163 SGG)<\/em> Feststellungen des LSG im gesamten R\u00fccknahmezeitraum zu Beginn eines jeden Monats ausreichende Verm\u00f6gensmittel gegen\u00fcber, die vorrangig zur Sicherung seines Lebensunterhalts einzusetzen waren <em>(vgl \u00a7 2 Abs 2 SGB II; zur monatsweisen Gegen\u00fcberstellung von Bedarfen und Bedarfsdeckungsm\u00f6glichkeiten vgl nur BSG vom 24.8.2017 &#8212; B 4 AS 9\/16 R &#8212; SozR 4-4200 \u00a7 11b Nr 10 RdNr 31 mwN)<\/em>, ohne dass es auf zeitweilig erzieltes Einkommen <em>(\u00a7 11 SGB II)<\/em> und auf die vom LSG nicht festgestellte H\u00f6he der Bedarfe des Kl\u00e4gers f\u00fcr Unterkunft und Heizung sowie (ab 2011) des Mehrbedarfs wegen dezentraler Warmwassererzeugung im streitbefangenen Zeitraum zus\u00e4tzlich zu der vom Kl\u00e4ger zu beanspruchenden Regelleistung bzw dem Regelbedarf ankommt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) Als Verm\u00f6gen zu ber\u00fccksichtigen sind nach \u00a7 12 Abs 1 SGB II <em>(in der seit dem 1.1.2005 unver\u00e4ndert geltenden Fassung des Vierten Gesetzes f\u00fcr moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 24.12.2003, BGBl I 2954) <\/em>alle verwertbaren Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde abz\u00fcglich der nach \u00a7 12 Abs 2 SGB II abzusetzenden Betr\u00e4ge, soweit sie nicht nach \u00a7 12 Abs 3 SGB II von der Ber\u00fccksichtigung ausgenommen sind. Abzusetzen sind danach hier gem\u00e4\u00df \u00a7 12 Abs 2 Nr 1 Halbsatz 1 SGB II <em>(vom 1.1.2005 bis 31.7.2006 idF des Vierten Gesetzes f\u00fcr moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 24.12.2003, BGBl I 2954; seit dem 1.8.2006 in der insoweit seither unver\u00e4ndert geltenden Fassung des Gesetzes zur Fortentwicklung der Grundsicherung f\u00fcr Arbeitsuchende vom 20.7.2006, BGBl I 1706)<\/em> der Grundfreibetrag in H\u00f6he von 200 Euro bzw 150 Euro je vollendetem Lebensjahr des vollj\u00e4hrigen Hilfebed\u00fcrftigen bzw (seit dem 1.4.2011) der in der Bedarfsgemeinschaft lebenden vollj\u00e4hrigen Person sowie nach \u00a7 12 Abs 1 Nr 4 SGB II <em>(in der insoweit seit dem 1.1.2005 unver\u00e4ndert geltenden Fassung des Vierten Gesetzes f\u00fcr moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 24.12.2003, BGBl I 2954) <\/em>der Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen in H\u00f6he von 750 Euro f\u00fcr jeden in der Bedarfsgemeinschaft lebenden Hilfebed\u00fcrftigen bzw Leistungsberechtigten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>d) Hiernach verf\u00fcgte der Kl\u00e4ger gem\u00e4\u00df den Feststellungen des LSG im streitbefangenen Zeitraum \u00fcber zu ber\u00fccksichtigendes und seinen monatlichen Bedarf ungeachtet der fehlenden Feststellungen zu dessen H\u00f6he offensichtlich \u00fcbersteigendes Verm\u00f6gen wie folgt: 4143 Euro zum 1.5.2006<em> (12 693 Euro Guthaben &#8212; 7800 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 6641 Euro zum 1.8.2006 <em>(13 241 Euro Guthaben &#8212; 5850 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 7135 Euro zum 1.2.2007 <em>(13 735<\/em> Euro<em> Guthaben &#8212; 5850 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 7395 Euro zum 1.5.2007 <em>(14 145 Euro Guthaben &#8212; 6000 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 7654 Euro zum 1.8.2007 <em>(14 404 Euro Guthaben &#8212; 6000 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 7755 Euro zum 1.11.2007 <em>(14 505 Euro Guthaben &#8212; 6000 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen), <\/em>8108 Euro zum 1.1.2008 <em>(14 858 Euro Guthaben &#8212; 6000 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 8136 Euro zum 1.2.2008 <em>(14 886 Euro Guthaben &#8212; 6000 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 8284 Euro zum 1.5.2008 <em>(15 184 Euro Guthaben &#8212; 6150 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 7818 Euro am 1.8.2008 <em>(14 718 Euro Guthaben &#8212; 6150 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 7894 Euro am 1.11.2008 <em>(14 794 Euro Guthaben &#8212; 6150 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 8628 Euro zum 1.2.2009 <em>(15 528 Euro Guthaben &#8212; 6150 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 8959 Euro zum 1.5.2009 <em>(16 009<\/em> Euro<em> Guthaben &#8212; 6300 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 8560 Euro zum 1.8.2009 <em>(15 610 Euro Guthaben &#8212; 6300 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 9513 Euro zum 1.11.2009 <em>(16 563<\/em> Euro<em> Guthaben &#8212; 6300 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 9146 Euro zum 1.2.2010 <em>(16 196 Euro Guthaben &#8212; 6300 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 9920 Euro zum 1.5.2010 <em>(17 120 Euro Guthaben &#8212; 6450 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 9706 Euro zum 1.8.2010 <em>(16 906 Euro Guthaben &#8212; 6450 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 9872 Euro zum 1.11.2010 <em>(17 072 Euro Guthaben &#8212; 6450 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 10 249 Euro zum 1.2.2011 <em>(17 449 Euro Guthaben &#8212; 6450 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 10 695 Euro zum 1.5.2011 <em>(18 045 Euro Guthaben &#8212; 6600 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 11 254 Euro zum 1.8.2011 <em>(18 604 Euro Guthaben &#8212; 6600 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 11 495 Euro am 1.11.2011 <em>(18 845 Euro Guthaben &#8212; 6600 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 9544 Euro zum 1.2.2012 <em>(16 894 Euro Guthaben &#8212; 6600 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 9442 Euro zum 1.5.2012 <em>(16 942 Euro Guthaben &#8212; 6750 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 9958 Euro zum 1.8.2012 <em>(17 458 Euro Guthaben &#8212; 6750 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 10 119 Euro zum 1.11.2012 <em>(17 619 Euro Guthaben &#8212; 6750 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 11 393 Euro zum 1.2.2013 <em>(18 893 Euro Guthaben &#8212; 6750 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>, 10 056 Euro zum 1.5.2013 <em>(17 706 Euro Guthaben &#8212; 6900 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em> sowie 10 841 Euro zum 1.8.2013 <em>(18 491 Euro Guthaben &#8212; 6900 Euro Grundfreibetrag &#8212; 750 Euro Freibetrag f\u00fcr notwendige Anschaffungen)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>d) Dass dieses Verm\u00f6gen nicht verwertbar gewesen w\u00e4re, ist nicht erkennbar <em>(vgl dazu nur BSG vom 20.2.2014 &#8212; B 14 AS 10\/13 R &#8212; BSGE 115, 148 = SozR 4-4200 \u00a7 12 Nr 23, RdNr 22 mwN)<\/em>. Ebenso spricht nichts daf\u00fcr, dass bezogen auf die Umst\u00e4nde w\u00e4hrend des Leistungsbezugs einer der die Ber\u00fccksichtigung von Verm\u00f6gen ausschlie\u00dfenden Tatbest\u00e4nde des \u00a7 12 Abs 3 Satz 1 SGB II vorgelegen h\u00e4tte. Schlie\u00dflich sind keine Umst\u00e4nde festgestellt, die ausnahmsweise eine Ber\u00fccksichtigung von Verbindlichkeiten bei der Feststellung der vorhandenen Verm\u00f6genswerte nach \u00a7 12 SGB II gebieten k\u00f6nnten <em>(vgl dazu zuletzt etwa BSG ebenda RdNr 29 mwN)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>5. Ob dieses Verm\u00f6gen zur Deckung der Bedarfe des Kl\u00e4gers \u00fcber den gesamten R\u00fccknahmezeitraum ausgereicht h\u00e4tte &#8212; wie er in Zweifel zieht -, ist f\u00fcr die anf\u00e4ngliche Rechtswidrigkeit der zur\u00fcckgenommenen Alg II-Bewilligungen unbeachtlich.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Rechtswidrigkeit der zur\u00fcckgenommenen Bewilligungen als Voraussetzung f\u00fcr deren R\u00fccknahme nach \u00a7 45 SGB X ist die Situation bei ihrem Erlass <em>(vgl nur Steinwedel in Kasseler Komm, \u00a7 45 SGB X RdNr 24, Stand M\u00e4rz 2018)<\/em>. In der Situation der Leistungsbewilligung <em>(zur Unterscheidung zwischen Bewilligungs- und R\u00fcckabwicklungsperspektive vgl Berlit, info also 2011, 225 f)<\/em> ist vorhandenes, zu verwertendes und verwertbares Verm\u00f6gen in den Existenzsicherungssystemen des SGB II und SGB XII indes so lange zu ber\u00fccksichtigen, wie es tats\u00e4chlich vorhanden ist<em> (zum SGB II vgl bereits BSG vom 30.7.2008 &#8212; B 14 AS 14\/08 B &#8212; juris RdNr 5; zum SGB XII vgl nur BSG vom 20.9.2012 &#8212; B 8 SO 20\/11 R &#8212; SozR 4-3500 \u00a7 19 Nr 4 RdNr 14 f mwN; zur Rechtslage nach dem BSHG ebenso BVerwG vom 19.12.1997 &#8212; 5 C 7.96 &#8212; BVerwGE 106, 105, 110 f)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_20\">20<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das belegt insbesondere die historische Entwicklung im bis zur Einf\u00fchrung des SGB II geltenden Recht der Arbeitslosenhilfe, an die die verm\u00f6gensbezogenen Regelungen des \u00a7 12 SGB II im Wesentlichen ankn\u00fcpfen <em>(vgl BT-Drucks 15\/1516 S 53)<\/em>. F\u00fcr sie galt nach \u00a7 9 Arbeitslosenhilfe-Verordnung (AlhiV) vom 7.8.1974 <em>(BGBl I 1929)<\/em>, dass Bed\u00fcrftigkeit nicht f\u00fcr die Zeit voller Wochen bestand, die sich aus der Teilung des zu ber\u00fccksichtigenden Verm\u00f6gens durch das Arbeitsentgelt ergab, nach dem sich die Arbeitslosenhilfe richtete. Diese Regelung war mit Wirkung zum 1.1.2002 ersatzlos gestrichen <em>(vgl AlhiV 2002 vom 13.12.2001, BGBl I 3734) <\/em>und damit der Rechtsprechung des BSG <em>(vom 9.8.2001 &#8212; B 11 AL 11\/01 R &#8212; BSGE 88, 252 = SozR 3-4300 \u00a7 193 Nr 2)<\/em> die Grundlage entzogen worden, dass der Arbeitslose im Rahmen der Arbeitslosenhilfe nur einmal auf das gleiche Verm\u00f6gen verwiesen werden k\u00f6nne <em>(vgl n\u00e4her Spellbrink in Spellbrink\/Eicher, Kasseler Handbuch des Arbeitsf\u00f6rderungsrechts, 2003, \u00a7 13 RdNr 189 ff)<\/em>. Dass die fr\u00fchere Regelung des \u00a7 9 AlhiV bei Einf\u00fchrung des SGB II nicht wieder aufgegriffen worden ist, belegt deutlich, dass tats\u00e4chlich vorhandenes und zu ber\u00fccksichtigendes Verm\u00f6gen einem Anspruch auf existenzsichernde Leistungen ggf auch mehrfach entgegenzuhalten ist, von einem fiktiven Verm\u00f6gensverbrauch also nicht ausgegangen werden kann <em>(zum SGB II vgl BSG vom 30.7.2008 &#8212; B 14 AS 14\/08 B &#8212; juris RdNr 5; zum SGB XII vgl nur BSG vom 20.9.2012 &#8212; B 8 SO 20\/11 R &#8212; SozR 4-3500 \u00a7 19 Nr 4 RdNr 15 mwN; ebenso Berlit, info also 2011, 225; Geiger in LPK-SGB II, 6. Aufl 2017, \u00a7 12 RdNr 7; Hengelhaupt in Hauck\/Noftz, SGB II, K \u00a7 12 RdNr 223 f, Stand Januar 2016; Lange in Eicher\/Luik, SGB II, 4. Aufl 2017, \u00a7 12 RdNr 30; Rad\u00fcge in jurisPK-SGB II, 4. Aufl 2015, \u00a7 12 RdNr 36; Striebinger in Gagel, SGB II\/SGB III, \u00a7 12 SGB II RdNr 16 und 21, Stand Dezember 2017)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_21\">21<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>6. Die Voraussetzungen f\u00fcr die zwingende R\u00fccknahme der Leistungsbewilligungen mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit nach \u00a7 40 Abs 2 Nr 3 SGB II iVm \u00a7 330 Abs 2 SGB III sind auch insoweit gegeben, als die Bewilligungen auf zumindest grob fahrl\u00e4ssig unrichtigen bzw unvollst\u00e4ndigen Angaben des Kl\u00e4gers iS des \u00a7 45 Abs 2 Satz 3 Nr 2 SGB X beruhten. Wie das LSG beanstandungsfrei angenommen hat, kann sich der Kl\u00e4ger auf Vertrauensschutz nicht berufen, weil er im Rahmen des Erstantrags die ausdr\u00fcckliche Nachfrage, ob er \u00fcber Verm\u00f6gen im Wert von \u00fcber 4850 Euro verf\u00fcge, zumindest grob fahrl\u00e4ssig verneint hat. Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass das LSG dabei den revisionsrechtlich nur eingeschr\u00e4nkt \u00fcberpr\u00fcfbaren Spielraum bei der Feststellung der groben Fahrl\u00e4ssigkeit \u00fcberschritten hat <em>(zu den dabei zu beachtenden Ma\u00dfst\u00e4ben vgl letztens etwa BSG vom 4.4.2017 &#8212; B 11 AL 19\/16 R &#8212; SozR 4-4300 \u00a7 144 Nr 25 RdNr 41 mwN)<\/em>, sind nicht ersichtlich.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_22\">22<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>7. Ist die R\u00fccknahme einer Alg II-Bewilligung wegen verschwiegenen Verm\u00f6gens vom Beg\u00fcnstigten zu vertreten, kommt es auf das Verh\u00e4ltnis zwischen dem zu erstattenden Betrag und dem urspr\u00fcnglich einzusetzenden Verm\u00f6genswert nicht an.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_23\">23<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Soweit nach dem allgemeinen Verfahrensrecht des SGB X im Rahmen der Ermessensaus\u00fcbung nach \u00a7 45 Abs 2 Satz 1 SGB X auch bei fehlendem Vertrauensschutz besonderen H\u00e4rten Rechnung zu tragen sein kann <em>(vgl etwa BSG vom 31.10.1991 &#8212; 7 RAr 60\/89 &#8212; SozR 3-1300 \u00a7 45 Nr 10 S 29, 34; <\/em><br \/>\n                  <em>zur Rechtsprechungsentwicklung vgl nur Steinwedel in Kasseler Komm, \u00a7 45 SGB X RdNr 61, Stand M\u00e4rz 2018)<\/em>, ist dies f\u00fcr das Verfahrensrecht des SGB II durch den Verweis auf \u00a7 330 Abs 2 SGB III ausgeschlossen. Liegen die in \u00a7 45 Abs 2 Satz 3 SGB X genannten Voraussetzungen f\u00fcr die R\u00fccknahme eines rechtswidrigen beg\u00fcnstigenden Verwaltungsakts vor, so &#171;ist&#187; dieser danach auch mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit zur\u00fcckzunehmen. Abweichend vom allgemeinen Verfahrensrecht ergeht die R\u00fccknahme von rechtswidrigen beg\u00fcnstigenden Verwaltungsakten bei B\u00f6sgl\u00e4ubigkeit des Beg\u00fcnstigten im Anwendungsbereich des \u00a7 330 Abs 2 SGB III mithin nicht als Ermessensentscheidung, sondern als gebundene Entscheidung <em>(stRspr; <\/em><br \/>\n                  <em>vgl zu \u00a7 330 SGB III nur BSG vom 29.6.2000 &#8212; B 11 AL 85\/99 R &#8212; BSGE 87, 8, 10 = SozR 3-4100 \u00a7 152 Nr 9 S 28; zum SGB II vgl nur BSG vom 22.8.2012 &#8212; B 14 AS 165\/11 R &#8212; SozR 4-1300 \u00a7 50 Nr 3 RdNr 29 ff)<\/em>. Raum f\u00fcr eine Abw\u00e4gung der ber\u00fchrten \u00f6ffentlichen und privaten Interessen unter Ber\u00fccksichtigung der R\u00fccknahmefolgen f\u00fcr den Erstattungspflichtigen und seiner wirtschaftlichen Lage bei rechtm\u00e4\u00dfigem Verhalten im Ermessenswege bietet daher in Angelegenheiten der Grundsicherung f\u00fcr Arbeitsuchende unter den Voraussetzungen des \u00a7 45 Abs 2 Satz 3 SGB X erst das Erlassverfahren nach \u00a7 44 SGB II <em>(dazu 9.)<\/em> und nicht schon das R\u00fccknahmeverfahren nach \u00a7 40 Abs 1 Satz 1 SGB II, \u00a7 45 SGB X.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_24\">24<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Anders verh\u00e4lt es sich entgegen einer in der Literatur vertretenen Auffassung nicht deshalb, weil die Ber\u00fccksichtigung des im R\u00fccknahmezeitraum (tats\u00e4chlich vorhandenen) Verm\u00f6gens im R\u00fcckabwicklungsverh\u00e4ltnis eine besondere H\u00e4rte iS von \u00a7 12 Abs 3 Satz 1 Nr 6 Alternative 2 SGB II bedeuten w\u00fcrde <em>(so Berlit, info also 2011, 225 f; dies aufgreifend Geiger in LPK-SGB II, 6. Aufl 2017, \u00a7 12 RdNr 105)<\/em>. Ob der Verm\u00f6genseinsatz eine besondere H\u00e4rte in diesem Sinne bedeuten w\u00fcrde, kann in der R\u00fccknahmeperspektive nicht anders als auch sonst im Rahmen von \u00a7 45 Abs 1 SGB X nur mit Blick auf die Umst\u00e4nde bei Bekanntgabe des zu \u00fcberpr\u00fcfenden Bescheids, also in der Bewilligungssituation beurteilt werden. Nur aus dieser Perspektive l\u00e4sst sich bewerten, ob der Verm\u00f6genseinsatz eine atypische Sonderlage im Sinne der Rechtsprechung zu \u00a7 12 Abs 3 Satz 1 Nr 6 Alternative 2 SGB II darstellt. Das setzt au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde des Einzelfalls voraus, die dem Betroffenen ein eindeutig gr\u00f6\u00dferes Opfer abverlangen als eine einfache H\u00e4rte und erst recht als die mit der Verm\u00f6gensverwertung stets verbundenen Einschnitte <em>(stRspr; vgl zuletzt etwa BSG vom 24.5.2017 &#8212; B 14 AS 16\/16 R &#8212; vorgesehen f\u00fcr BSGE sowie SozR 4-4200 \u00a7 9 Nr 16, juris RdNr 30 mwN)<\/em>. Ob es sich so verh\u00e4lt, kann sich nur bei einem Vergleich mit anderen Betroffenen in vergleichbarer Bewilligungslage und nicht nachtr\u00e4glich aus der R\u00fcckabwicklungsperspektive ergeben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_25\">25<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>8. Nicht anders liegt es bei dem auf \u00a7 40 Abs 1 Satz 1, Abs 2 Nr 5 SGB II iVm \u00a7 50 Abs 1 Satz 1 SGB X sowie \u00a7 335 Abs 1, 2 und 5 SGB III gest\u00fctzten Erstattungsverwaltungsakt, der ebenfalls rechtm\u00e4\u00dfig ist. Ma\u00dfgebend f\u00fcr die Erstattung des gezahlten Alg II ist danach nur die Aufhebung der zu Grunde liegenden Bewilligungen (&#171;Soweit ein Verwaltungsakt aufgehoben worden ist, sind bereits erbrachte Leistungen zu erstatten&#187;), ohne dass Raum w\u00e4re f\u00fcr eine Begrenzung unter H\u00e4rtefallgesichtspunkten. Das best\u00e4tigt auch die nunmehr aufgehobene Sonderregelung des \u00a7 40 Abs 9 SGB II <em>(idF des Neunten Gesetzes zur \u00c4nderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch &#8212; Rechtsvereinfachung &#8212; sowie zur vor\u00fcbergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht vom 26.7.2016, BGBl I 1824, zuvor \u00a7 40 Abs 4 SGB II bzw \u00a7 40 Abs 2 Satz 1 SGB II; dazu BSG vom 2.12.2014 &#8212; B 14 AS 56\/13 R &#8212; SozR 4-4200 \u00a7 40 Nr 8)<\/em>, deren Erstattungsbegrenzung in F\u00e4llen des \u00a7 45 Abs 2 Satz 3 SGB X gerade ausgeschlossen war <em>(vgl \u00a7 40 Abs 9 Satz 2 SGB II)<\/em>. Dass die Berechnung der Erstattungsforderung fehlerhaft ist &#8212; sowohl was das aufgehobene Alg II als auch die Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung betrifft -, lassen weder die Feststellungen des LSG noch das Vorbringen des Kl\u00e4gers erkennen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_26\">26<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>9. Dass der Beklagte einen Forderungserlass zur Vermeidung unbilliger H\u00e4rten bislang nicht gepr\u00fcft hat, ber\u00fchrt die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der R\u00fccknahme und der Erstattungsforderung nicht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_27\">27<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Nach \u00a7 44 SGB II d\u00fcrfen die Tr\u00e4ger von Leistungen nach dem SGB II Anspr\u00fcche erlassen, wenn deren Einziehung nach Lage des einzelnen Falles unbillig w\u00e4re. Diese \u00a7 76 Abs 2 Nr 3 SGB IV nachgebildete Regelung <em>(vgl BT-Drucks 15\/1516 S 63)<\/em> er\u00f6ffnet nicht nur die M\u00f6glichkeit, bei den R\u00fccknahmefolgen besonderen pers\u00f6nlichen Umst\u00e4nden Rechnung zu tragen <em>(Erlass wegen pers\u00f6nlicher Unbilligkeit; vgl zur entsprechenden Vorschrift des \u00a7 227 AO dazu letztens etwa BFH vom 7.9.2017 &#8212; X B 52\/17 &#8212; juris RdNr 30 ff mwN; zu \u00a7 44 SGB II vgl Kemper in Eicher\/Luik, SGB II, 4. Aufl 2017, \u00a7 44 RdNr 10; Wendtland in Gagel, SGB II\/SGB III, \u00a7 44 SGB II RdNr 8, Stand Dezember 2017)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_28\">28<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Vielmehr kann eine Billigkeitsma\u00dfnahme auch angezeigt sein, wenn die Anwendung einer in ihren generalisierenden Wirkungen verfassungsm\u00e4\u00dfigen Regelung im Einzelfall zu Grundrechtsverst\u00f6\u00dfen f\u00fchrt, solange nicht die Geltung des Gesetzes unterlaufen wird <em>(Erlass wegen sachlicher Unbilligkeit; grundlegend BVerfG vom 5.4.1978 &#8212; 1 BvR 117\/73 &#8212; BVerfGE 48, 102, 116; letztens etwa BVerfG &lt;Kammer&gt; vom 28.2.2017 &#8212; 1 BvR 1103\/15 &#8212; juris RdNr 9 mwN; zu \u00a7 44 SGB II eingehend Kemper in Eicher\/Luik, SGB II, 4. Aufl 2017, \u00a7 44 RdNr 12 ff; Merten in Beck&#8217;scher Online-Komm, \u00a7 44 SGB II RdNr 7 ff, Stand M\u00e4rz 2018; zu \u00a7 227 AO vgl nur Loose in Tipke\/Kruse, AO\/FGO, \u00a7 227 AO RdNr 77 ff mwN, Stand Juli 2017)<\/em>. Davon ist nach der Rechtsprechung zu \u00a7 227 AO vor allem auszugehen, wenn die Geltendmachung eines Anspruchs im Einzelfall zwar dem Wortlaut einer Vorschrift entspricht, sie aber nach dem Zweck des zugrunde liegenden Gesetzes nicht zu rechtfertigen ist und dessen Wertungen zuwiderl\u00e4uft <em>(vgl zuletzt etwa BFH vom 9.11.2017 &#8212; III R 10\/16 &#8212; BFHE 260, 9, juris RdNr 54 mwN; zu \u00a7 76 Abs 2 Nr 3 SGB IV dies aufgreifend BSG vom 4.3.1999 &#8212; B 11\/10 AL 5\/98 R &#8212; BSGE 83, 292, 296 = SozR 3-2400 \u00a7 76 Nr 2 S 11)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_29\">29<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Zu ber\u00fccksichtigen ist danach hier, dass die eine Ermessensbet\u00e4tigung in den F\u00e4llen des \u00a7 45 Abs 2 Satz 3 SGB X ausschlie\u00dfende Vorschrift des \u00a7 330 Abs 2 SGB III nach Entstehungsgeschichte und Systematik allein der Verfahrens\u00f6konomie dient <em>(ebenso Groth in Hohm, GK-SGB II, VI-\u00a7 44 RdNr 45, Stand Oktober 2009)<\/em>, nicht aber jeden \u00dcberma\u00dfeinwand bei der R\u00fccknahme anf\u00e4nglich rechtswidriger beg\u00fcnstigender Leistungsbewilligungen ausschlie\u00dfen soll. Die auf \u00a7 152 Abs 2 AFG zur\u00fcckgehende Regelung ist aus der Erw\u00e4gung heraus eingef\u00fchrt worden, dass die meisten Leistungen nach Arbeitsf\u00f6rderungsrecht kurzfristig zu erbringen und \u00dcberzahlungen praktisch nicht zu vermeiden seien, weshalb im Jahr vor ihrer Einf\u00fchrung in \u00fcber 1,85 Millionen F\u00e4llen \u00fcber die Erstattung \u00fcberzahlter Leistungen zu entscheiden gewesen sei. Dem Rechnung tragend solle ua in den Fallgestaltungen nach \u00a7 45 Abs 2 Satz 3 SGB X anstelle einer Ermessensentscheidung eine gebundene Entscheidung treten <em>(vgl BT-Drucks 12\/5502 S 37)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_30\">30<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das rechtfertigt sich typisierend vor der Annahme, dass in diesen F\u00e4llen Vertrauensschutz regelm\u00e4\u00dfig ausscheidet &#8212; was von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden ist <em>(zu einer vergleichbaren Bewertung vgl nur BVerfG vom 2.12.1969 &#8212; 2 BvR 560\/65 &#8212; BVerfGE 27, 231, 238 f)<\/em> &#8212; und deshalb f\u00fcr eine Ermessensentscheidung \u00fcberwiegend kein Anlass gegeben ist. Indes besteht weder ein Anhaltspunkt daf\u00fcr noch w\u00e4re es vereinbar mit verfassungsrechtlichen Vorgaben, dass hierdurch die Ber\u00fccksichtigung auch jeglicher atypischer Besonderheiten ausgeschlossen sein sollte, denen ansonsten im Rahmen der Ermessensbet\u00e4tigung nach \u00a7 45 Abs 2 Satz 1 SGB X auch bei fehlendem Vertrauensschutz Rechnung zu tragen sein kann <em>(\u00e4hnlich Groth in Hohm, GK-SGB II, VI-\u00a7 44 RdNr 45, Stand Oktober 2009: mindestens beim Hinzutreten pers\u00f6nlicher Billigkeitsumst\u00e4nde ist es gerechtfertigt, Sachverhalte in die Billigkeitsentscheidung einzubeziehen, die eigentlich im Rahmen der Ermessensentscheidung ua nach \u00a7 45 SGB X zu ber\u00fccksichtigen w\u00e4ren; aA wohl Merten in Beck&#8217;scher Online-Komm, \u00a7 44 SGB II RdNr 7 ff, Stand M\u00e4rz 2018: Ausgestaltung als gebundene Entscheidung bewusste Wertentscheidung des Gesetzgebers)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_31\">31<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) In diesem regelungssystematischen Gef\u00fcge vermittelt \u00a7 44 SGB II einen Anspruch auf ermessensfehlerfreie Entscheidung \u00fcber einen Forderungserlass. Das hat das BSG zu \u00a7 76 Abs 2 Nr 3 SGB IV bereits aus dessen Entstehungsgeschichte und der Parallele zu \u00a7 59 BHO abgeleitet <em>(BSG vom 13.6.1989 &#8212; 2 RU 32\/88 &#8212; BSGE 65, 133, 137 = SozR 2100 \u00a7 76 Nr 2 S 8; BSG vom 29.10.1991 &#8212; 13\/5 RJ 36\/90 &#8212; BSGE 69, 301, 306 = SozR 3-2400 \u00a7 76 Nr 1 S 6; in diesem Sinne auch BVerfG &lt;Kammer&gt; vom 13.8.1998 &#8212; 1 BvL 25\/96 &#8212; NJW 1998, 3557, 3558)<\/em>. F\u00fcr \u00a7 44 SGB II gilt Anderes schon deshalb nicht, weil die Vorschrift nach den Gesetzesmaterialien einen Gleichklang mit \u00a7 76 Abs 2 Nr 3 SGB IV herstellen soll <em>(vgl BT-Drucks 15\/1516 S 63)<\/em>. Auch die aufgezeigte &#171;Ausgleichsfunktion&#187; in den F\u00e4llen der zwingenden R\u00fccknahme verlangt, dass Vorbringen zu einer atypischen H\u00e4rte gepr\u00fcft und hier\u00fcber entschieden wird. Demgem\u00e4\u00df vermittelt das durch \u00a7 44 SGB II er\u00f6ffnete Ermessen (&#171;Die Tr\u00e4ger &#8230; d\u00fcrfen Anspr\u00fcche erlassen&#187;) entsprechend \u00a7 39 SGB I, \u00a7 54 Abs 2 Satz 2 SGG einen verfahrensrechtlichen Anspruch auf ermessensfehlerfreie Entscheidung \u00fcber den Erlass eines Erstattungsanspruchs <em>(vgl eingehend dazu und zu weiteren Instrumenten zur &#171;Ver\u00e4nderung von Anspr\u00fcchen&#187; j\u00fcngst Becker, SGb 2018, 129, 131 ff; ebenso Hengelhaupt in Hauck\/Noftz, SGB II, K \u00a7 44 RdNr 35, Stand November 2004)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_32\">32<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>d) Dass der Beklagte eine Pr\u00fcfung nach \u00a7 44 SGB II noch nicht vorgenommen hat, ber\u00fchrt die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des R\u00fccknahme- und Erstattungsbescheids indes nicht. Zwar schlie\u00dft dessen fehlende Bestandskraft die Pr\u00fcfung nach \u00a7 44 SGB II nicht aus <em>(vgl nur BSG vom 29.10.1991 &#8212; 13\/5 RJ 36\/90 &#8212; BSGE 69, 301, 306 = SozR 3-2400 \u00a7 76 Nr 1 S 6 zu \u00a7 76 Abs 2 Nr 3 SGB IV)<\/em>. Auch konnte der Einwand des Kl\u00e4gers im Klageverfahren &#8212; das zu ber\u00fccksichtigende Verm\u00f6gen h\u00e4tte nur \u00fcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Monaten und nicht f\u00fcr 90 Monate zur Bedarfsdeckung gereicht &#8212; dem Beklagten Anlass zu einer entsprechenden Pr\u00fcfung mindestens von Amts wegen geben, wenn darin nicht schon ein Antrag nach \u00a7 44 SGB II zu sehen war <em>(vgl BSG vom 29.10.1991 &#8212; 13\/5 RJ 36\/90 &#8212; BSGE 69, 301, 306 = SozR 3-2400 \u00a7 76 Nr 1 S 6)<\/em>. Ist eine &#8212; durch Verwaltungsakt zu treffende <em>(vgl BSG vom 29.10.1991 &#8212; 13\/5 RJ 36\/90 &#8212; BSGE 69, 301, 306 = SozR 3-2400 \u00a7 76 Nr 1 S 6) <\/em>&#8212; Entscheidung im Verfahren nach \u00a7 44 SGB II noch nicht ergangen, ist insoweit f\u00fcr eine gerichtliche \u00dcberpr\u00fcfung indes kein Raum; der Streitgegenstand des Verfahrens hier bleibt davon unber\u00fchrt <em>(vgl nur BSG vom 29.10.1991 &#8212; 13\/5 RJ 36\/90 &#8212; BSGE 69, 301, 306 f = SozR 3-2400 \u00a7 76 Nr 1 S 6)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_33\">33<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7 193 SGG.\n               <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KSRE129140219&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BSG_B_4_AS_29-17_R_KSRE129140219.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tenor Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 29. 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