{"id":792151,"date":"2026-05-01T00:56:22","date_gmt":"2026-04-30T22:56:22","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-5-zivilsenat-urteil-2018-04-20-v-zr-169-17\/"},"modified":"2026-05-01T00:56:22","modified_gmt":"2026-04-30T22:56:22","slug":"bundesgerichtshof-5-zivilsenat-urteil-2018-04-20-v-zr-169-17","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-5-zivilsenat-urteil-2018-04-20-v-zr-169-17\/","title":{"rendered":"Bundesgerichtshof, 5. Zivilsenat, Urteil, 2018-04-20, V ZR 169\/17"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Leitsatz<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Verkauft eine Gemeinde im Rahmen eines st\u00e4dtebaulichen Vertrages ein von dem Erwerber mit einem Eigenheim zu bebauendes Grundst\u00fcck zum Verkehrswert, verst\u00f6\u00dft eine Regelung, die dem Erwerber eine von einer Verkehrswertsteigerung des Grundst\u00fccks unabh\u00e4ngige Zuzahlung bei dessen Weiterverkauf innerhalb von acht Jahren nach Errichtung des Eigenheims auferlegt, gegen das Gebot angemessener Vertragsgestaltung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Die Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts M\u00fcnchen &#8212; 21. Zivilsenat &#8212; vom 22. Mai 2017 wird auf Kosten der Beklagten zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Von Rechts wegen<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tatbestand<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Mit notariellem Vertrag vom 28. Juli 2009 kauften der Kl\u00e4ger und seine damalige Ehefrau, die beide in einer Nachbargemeinde wohnten, von der beklagten Gemeinde zwei Grundst\u00fccke mit einer Gesamtfl\u00e4che von 857 qm zu einem Quadratmeterpreis von 106,75 \u20ac einschlie\u00dflich Erschlie\u00dfungskosten. Insgesamt betrug der Kaufpreis 91.482,07 \u20ac, was &#8212; wie in dem Vertrag ausdr\u00fccklich festgehalten ist &#8212; dem Marktwert der Grundst\u00fccke entsprach. Die Grundst\u00fccke befinden sich in einem Baugebiet der beklagten Gemeinde.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>In Ziffer VII.5.e des notariellen Kaufvertrages verpflichteten sich die K\u00e4ufer, innerhalb von acht Jahren nach Vertragsschluss auf den Grundst\u00fccken ein bezugsfertiges Wohnhaus zu errichten, dieses ab Bezugsfertigkeit acht Jahre lang selbst zu bewohnen und w\u00e4hrend dieser Zeit nicht zu ver\u00e4u\u00dfern. F\u00fcr den Fall des Versto\u00dfes gegen die Bauverpflichtung wurde der beklagten Gemeinde das Recht einger\u00e4umt, die Grundst\u00fccke gegen R\u00fcckerstattung des Kaufpreises zur\u00fcck zu erwerben. F\u00fcr den Fall des Versto\u00dfes gegen die Selbstnutzungspflicht verpflichteten sich die K\u00e4ufer zu einer Zahlung von 5 \u20ac pro Quadratmeter und f\u00fcr den Fall der Ver\u00e4u\u00dferung der Grundst\u00fccke vor Ablauf von acht Jahren ab Bezugsfertigkeit an Dritte, bei denen es sich nicht um seit mindestens drei Jahren auf dem Gebiet der beklagten Gemeinde wohnhafte n\u00e4her bestimmte Verwandte oder den Ehegatten handelt, zu einer Zahlung von 25 \u20ac pro Quadratmeter. Entsprechende Klauseln wurden von der beklagten Gemeinde bei zahlreichen Verk\u00e4ufen in dem Baugebiet verwendet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger und seine damalige Ehefrau errichteten auf den erworbenen Grundst\u00fccken ein Wohnhaus, das sie bis zu ihrer Trennung im Jahr 2011 gemeinsam bewohnten. Nach der Scheidung ihrer Ehe ver\u00e4u\u00dferten sie das Grundst\u00fcck im September 2013. Daraufhin verlangte die beklagte Gemeinde vom Kl\u00e4ger und seiner fr\u00fcheren Ehefrau einen Betrag von insgesamt 21.425 \u20ac, den diese unter dem Vorbehalt der R\u00fcckforderung bezahlten. Der geforderte Betrag \u00fcberstieg die Wertsteigerung der Grundst\u00fccke seit deren Erwerb im Juli 2009.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Mit der Klage verlangt der Kl\u00e4ger von der beklagten Gemeinde die R\u00fcckzahlung des von ihm getragenen h\u00e4lftigen Anteils von 10.712,50 \u20ac nebst Zinsen und die Erstattung au\u00dfergerichtlicher Rechtsanwaltskosten. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen, das Oberlandesgericht hat ihr &#8212; bis auf einen geringen Anteil an den geforderten Zinsen &#8212; stattgegeben. Mit der von dem Oberlandesgericht zugelassenen Revision, deren Zur\u00fcckweisung der Kl\u00e4ger beantragt, m\u00f6chte die beklagte Gemeinde die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils erreichen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>I.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nach Ansicht des Berufungsgerichts steht dem Kl\u00e4ger ein R\u00fcckzahlungsanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB zu. Die Regelung in Ziffer VII.5.e des Kaufvertrages \u00fcber die Nachzahlungsverpflichtung sei unwirksam. Als Allgemeine Gesch\u00e4ftsbedingung m\u00fcsse sich die Klausel an \u00a7 307 BGB und als Regelung, mit der die Beklagte st\u00e4dtebauliche Ziele verfolge, auch an \u00a7 11 Abs. 2 Satz 1 BauGB messen lassen. Aus beiden Normen folge die Unwirksamkeit. Da den K\u00e4ufern kein Preisvorteil einger\u00e4umt worden sei, diene die Klausel nicht der Absch\u00f6pfung einer gew\u00e4hrten Subvention, sondern behindere eine Weiterver\u00e4u\u00dferung vor Ablauf der vereinbarten Frist durch eine von einer Verkehrswertsteigerung unabh\u00e4ngigen Nachzahlungspflicht. Diese Benachteiligung der K\u00e4ufer k\u00f6nne nicht mit der von der Beklagten geltend gemachten Abwehr von Spekulationsgesch\u00e4ften gerechtfertigt werden. Hierf\u00fcr reiche eine Klausel aus, die der Gemeinde das Recht einr\u00e4ume, die tats\u00e4chlich eingetretene Bodenwertsteigerung abzusch\u00f6pfen, anstatt pauschal eine Nachzahlungspflicht in einer erheblichen Gr\u00f6\u00dfenordnung zu regeln, die sich hier &#8212; je nach Berechnungsweise &#8212; auf knapp 29 % bzw. 23,4 % des Kaufpreises belaufe. Die Klausel ber\u00fccksichtige ausschlie\u00dflich das Interesse der Beklagten, die sich im Gegenzug lediglich bereit erkl\u00e4rt habe, \u00fcberhaupt ein Grundst\u00fcck an die Erwerber zu verkaufen. Zudem enthalte die Regelung keinerlei Abstufungen, um den Umst\u00e4nden des Einzelfalls gerecht zu werden und unzumutbare H\u00e4rten f\u00fcr die Erwerber zu vermeiden. Selbst wenn die Klausel wirksam sei, habe die Beklagte ihr Ermessen hinsichtlich der Nachzahlungsforderung nicht ordnungsgem\u00e4\u00df ausge\u00fcbt, weil der Verkauf keinen spekulativen Hintergrund gehabt, sondern auf der Scheidung der Eheleute und der damit verbundenen finanziellen Zw\u00e4nge beruht habe.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>II.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das h\u00e4lt revisionsrechtlicher Nachpr\u00fcfung stand.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Berufungsgericht kommt rechtsfehlerfrei zu dem Ergebnis, dass dem Kl\u00e4ger gem\u00e4\u00df \u00a7 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB ein Anspruch auf R\u00fcckzahlung des unter Vorbehalt an die beklagte Gemeinde gezahlten Betrages von 10.712,50 \u20ac nebst Zinsen und vorgerichtlicher Rechtsanwaltskosten zusteht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Die in Ziffer VII.5.e des notariellen Kaufvertrages vereinbarte Nachzahlungsverpflichtung verst\u00f6\u00dft gegen das Gebot angemessener Vertragsgestaltung im Sinne des \u00a7 11 Abs. 2 Satz 1 BauGB und ist unwirksam. Auf die Frage, ob die Klausel einer Inhaltskontrolle nach den \u00a7\u00a7 307 ff. BGB standhielte, kommt es daher nicht an (bisher offengelassen, vgl. Senat, Urteil vom 16. April 2010 &#8212; V ZR 175\/09, NJW 2010, 3505 Rn. 9 mwN).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Der notarielle Kaufvertrag vom 28. Juli 2009 ist ein st\u00e4dtebaulicher Vertrag im Sinne des \u00a7 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 BauGB. Der f\u00fcr einen st\u00e4dtebaulichen Vertrag erforderliche Zusammenhang mit der gemeindlichen Bauleitplanung ergibt sich daraus, dass die beklagte Gemeinde dem Kl\u00e4ger und seiner damaligen Ehefrau die Grundst\u00fccke als Bauplatz verkauft und ihnen in Ziffer VII.5.e des Vertrages eine binnen einer bestimmten Frist zu erf\u00fcllende Verpflichtung zum Bau eines Wohnhauses (vgl. \u00a7 176 BauGB) auferlegt hat (vgl. Senat, Urteil vom 26. Juni 2015 &#8212; V ZR 271\/14, NJW 2015, 3169 Rn. 8 mwN), um das Bauland zeitnah einer durch die Bauleitplanung zugelassenen Bebauung zuzuf\u00fchren (vgl. Bank, in Br\u00fcgelmann, BauGB, Stand Februar 2014, \u00a7 11 Rn. 53 f.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Die Nachzahlungsverpflichtung verst\u00f6\u00dft gegen das Gebot angemessener Vertragsgestaltung im Sinne des \u00a7 11 Abs. 2 Satz 1 BauGB. Nach dieser Vorschrift m\u00fcssen die in einem st\u00e4dtebaulichen Vertrag vereinbarten Leistungen den gesamten Umst\u00e4nden nach angemessen sein. Das Gebot angemessener Vertragsgestaltung verlangt, dass bei wirtschaftlicher Betrachtung des Gesamtvorgangs die Gegenleistung nicht au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu der Bedeutung und dem Wert der von der Beh\u00f6rde erbrachten oder zu erbringenden Leistung steht und dass die vertragliche \u00dcbernahme von Pflichten auch ansonsten zu keiner unzumutbaren Belastung f\u00fcr den Vertragspartner der Beh\u00f6rde f\u00fchrt (Senat, Urteil vom 26. Juni 2015 &#8212; V ZR 144\/14, BGHZ 206, 120 Rn. 19 mwN). Die vorliegende Vertragsgestaltung ist hiermit nicht vereinbar.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>aa) F\u00fcr eine Vertragsgestaltung im so genannten \u201eEinheimischenmodell\u201c (zu den dabei zu beachtenden europarechtlichen Vorgaben vgl. EuGH, Urteil vom 8. Mai 2013. Rs C-197\/11 und Rs C-203\/11, Libert u.a. und All Projects &amp; Development NV, EU:C:2013:288 Rn. 39 ff., 49 ff. sowie Senat, Urteil vom 26. Juni 2015 &#8212; V ZR 144\/14, BGHZ 206, 120 Rn. 33), bei dem der Verkauf &#8212; anders als im vorliegenden Fall &#8212; zu einem unter dem Verkehrswert liegenden Preis erfolgt war, hat der Senat entschieden, dass eine Nachforderung im Umfang des einger\u00e4umten Preisvorteils grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich ist. Sie stellt keine Vertragsstrafe dar, sondern bedeutet den Widerruf der in der Kaufpreisverbilligung liegenden, an bestimmte Bedingungen gekn\u00fcpften Subvention. Auch etwaige Bodenwertsteigerungen m\u00fcssen, wenn der Subventionszweck verfehlt wird, nicht stets dem K\u00e4ufer verbleiben. Allerdings ist eine Nachzahlungsklausel, die neben der Kaufpreisverbilligung auch k\u00fcnftige Bodenwertsteigerungen einbezieht, nur angemessen, wenn sie die M\u00f6glichkeit stagnierender oder sinkender Bodenpreise ber\u00fccksichtigt und die Nachzahlung auf den tats\u00e4chlich eingetretenen Vorteil begrenzt (Senat, Urteil vom 16. April 2010 &#8212; V ZR 175\/09, NJW 2010, 3505 Rn. 21). In einem Fall eines nicht subventionierten Grundst\u00fccksverkaufs hat der Senat eine Klausel f\u00fcr angemessen erachtet, die dem K\u00e4ufer, wenn er das Grundst\u00fccks in unbebautem Zustand innerhalb von f\u00fcnf Jahren ab Vertragsschluss weiterverkauft, die Verpflichtung zur Abf\u00fchrung des erzielten Mehrerl\u00f6ses auferlegt (Senat, Urteil vom 16. M\u00e4rz 2018 &#8212; V ZR 306\/16, juris).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>bb) Die von der beklagten Gemeinde verwendete Zuzahlungsklausel ist hingegen unangemessen, weil sie dem Kl\u00e4ger und seiner Ehefrau eine Zuzahlungsverpflichtung auferlegt, die unabh\u00e4ngig von einer Verkehrswertsteigerung des Grundst\u00fccks und damit unabh\u00e4ngig von einem tats\u00e4chlichen Vorteil der Erwerber ist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(1) Eine vorteilsunabh\u00e4ngige Nachzahlungsklausel l\u00e4sst sich nicht mit dem Zweck der Verhinderung von Bodenspekulationen rechtfertigen. Beschr\u00e4nkungen, die die \u00f6ffentliche Hand dem K\u00e4ufer auferlegt, entsprechen nur dann dem Gebot angemessener Vertragsgestaltung, wenn sie geeignet und erforderlich sind, um das Erreichen der zul\u00e4ssigerweise verfolgten Zwecke im Bereich der Wohnungsbau-, Siedlungs- oder Familienpolitik f\u00fcr einen angemessenen Zeitraum sicherzustellen (vgl. Senat, Urteil vom 16. April 2010 &#8212; V ZR 175\/09, NJW 2010, 3505 Rn. 14). Die Abwehr von Grundst\u00fccksspekulationsgesch\u00e4ften stellt zwar ein anerkennenswertes st\u00e4dtebauliches Ziel dar (Senat, Urteil vom 16. M\u00e4rz 2018 &#8212; V ZR 306\/16, juris). Um Bodenspekulationen zu verhindern, ist es aber nicht erforderlich, dem K\u00e4ufer f\u00fcr den Fall des Weiterverkaufs des Grundst\u00fccks eine vorteilsunabh\u00e4ngige Zuzahlungspflicht aufzuerlegen. Das Ziel der Spekulationsbek\u00e4mpfung kann erreicht werden, indem sich der Zuzahlungsbetrag nach der tats\u00e4chlichen Bodenwertsteigerung bemisst. Der Pflicht zur Zahlung eines hiervon unabh\u00e4ngigen Betrages kommt dagegen ein straf\u00e4hnlicher Charakter zu (vgl. Kr\u00fcger, ZNotP 2010, 450, 454) und geht damit \u00fcber das verfolgte Ziel hinaus.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(2) Ebenso wenig vermag ein Interesse der beklagten Gemeinde an einer Selbstnutzung der Immobilie durch den K\u00e4ufer die Nachzahlungsklausel zu rechtfertigen. Da eine Selbstnutzungsverpflichtung nicht eine zwangsweise durchsetzbare Prim\u00e4rverpflichtung des K\u00e4ufers, sondern lediglich eine Obliegenheit begr\u00fcndet (vgl. Senat, Urteil vom 16. April 2010 &#8212; V ZR 175\/09, NJW 2010, 3505, Rn. 11), ist die Auferlegung einer &#8212; \u00fcber die Absch\u00f6pfung einer gew\u00e4hrten Subvention hinausgehenden &#8212; Zuzahlungspflicht schon nicht geeignet, die angestrebte Selbstnutzung durch den K\u00e4ufer zu erreichen. Will die Gemeinde langfristig Einfluss auf die Nutzerstruktur nehmen, k\u00f6nnte sie dies beispielsweise dadurch erreichen, dass sie mit ihrem Vertragspartner ein Wiederkaufsrecht f\u00fcr den Fall der vorzeitigen Ver\u00e4u\u00dferung der Immobilie vereinbart.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(3) Entgegen der Ansicht der Revision ergibt sich die Angemessenheit der Zuzahlungsklausel nicht daraus, dass nach Ziffer VII.5.e des Vertrages dann keine Zuzahlung zu leisten ist, wenn der Erwerber das Grundst\u00fcck an seine mindestens seit drei Jahren in der Gemeinde wohnhaften Kinder, Geschwister, Verwandte in gerade Linie oder den Ehegatten verkauft. Eine Ausnahmeregelung, die angesichts ihres stark begrenzten Anwendungsbereiches in den \u00fcberwiegenden F\u00e4llen gar nicht zum Tragen kommen kann, vermag an der Unangemessenheit der Nachzahlungsklausel nichts zu \u00e4ndern. Das gilt auch dann, wenn eine solche Regelung &#8212; wie die Revision meint &#8212; den Zweck hat, der Versorgung der einheimischen Bev\u00f6lkerung mit bezahlbarem Wohneigentum zu dienen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>cc) Die f\u00fcr sich genommen unangemessene Klausel wird nicht durch f\u00fcr den Kl\u00e4ger und seine Ehefrau vorteilhafte Bestimmungen im \u00fcbrigen Vertrag kompensiert (vgl. dazu Senat, Urteil vom 29. November 2002 &#8212; V ZR 105\/02, BGHZ 153, 93, 102). Das Berufungsgericht weist zu Recht darauf hin, dass der einzige Vorteil der Erwerber darin liegt, dass die beklagte Gemeinde bereit war, ihnen die beiden gemeindlichen Grundst\u00fccke zum Marktwert zu verkaufen. Der Hinweis der Revision, dem Vertrag seien \u201eerhebliche wirtschaftliche Vorteile immanent\u201c gewesen, f\u00fchrt zu keiner anderen Beurteilung. Ma\u00dfgeblich ist, ob der Vertrag konkrete, f\u00fcr den Erwerber vorteilhafte Bestimmungen enth\u00e4lt, nicht dagegen ob sich der Grundst\u00fcckskauf in ungewisser Zukunft m\u00f6glicherweise als wirtschaftlich g\u00fcnstig erweisen k\u00f6nnte. Auch der von der Revision angef\u00fchrte Nachlass bei den Kanalgeb\u00fchren von 647,38 \u20ac stellt angesichts der H\u00f6he des Nachzahlungsbetrages, der den gew\u00e4hrten Nachlass um ein Vielfaches \u00fcberschreitet, keinen Ausgleich des gest\u00f6rten \u00c4quivalenzverh\u00e4ltnisses dar.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) Entgegen der Auffassung der Revision ist die unwirksame Regelung \u00fcber die Nachzahlungsverpflichtung nicht im Wege erg\u00e4nzender Vertragsauslegung dahingehend zu ersetzen, dass die beklagte Gemeinde berechtigt sein soll, jedenfalls eine etwaige Bodenpreissteigerung abzusch\u00f6pfen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Entsprechend dem der Vorschrift des \u00a7 306 Abs. 3 BGB zugrunde liegenden Rechtsgedanken setzt eine erg\u00e4nzende Vertragsauslegung bei Unwirksamkeit einer Vertragsklausel in einem &#8212; wie hier &#8212; privatrechtlich ausgestalteten st\u00e4dtebaulichen Vertrag (vgl. dazu Senat, Urteil vom 29. November 2002 &#8212; V ZR 105\/02, BGHZ 153, 93, 96 f.) wegen Versto\u00dfes gegen \u00a7 11 Abs. 2 Satz 1 BauGB voraus, dass es f\u00fcr die Gemeinde unzumutbar ist, an dem l\u00fcckenhaften Vertrag festgehalten zu werden (vgl. BGH, Urteil vom 22. Januar 1992 &#8212; IV ZR 59\/91, BGHZ 117, 92, 99). Das ist hier zu verneinen. Anders als in den F\u00e4llen, in denen die Gemeinde dem K\u00e4ufer eine Subvention in Form eines Preisvorteils gew\u00e4hrt hatte und die Regelung \u00fcber deren Widerruf ein wesentliches Element des Vertragsgef\u00fcges bildete (vgl. Senat, Urteil vom 16. April 2010 &#8212; V ZR 175\/09, NJW 2010, 3505 Rn. 24), stellt die Klausel \u00fcber die Nachzahlungsverpflichtung in dem zwischen der beklagten Gemeinde und den Eheleuten geschlossenen Vertrag keine Regelung innerhalb der getroffenen Vereinbarungen dar, deren Wegfall unter Aufrechterhaltung des Vertrages f\u00fcr die Gemeinde zu einem unzumutbaren Ergebnis f\u00fchrt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Hinsichtlich der Nebenforderungen sind Rechtsfehler nicht ersichtlich und werden von der Revision auch nicht geltend gemacht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>III.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_20\">20<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7 97 Abs. 1 ZPO.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Stresemann\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Schmidt-R\u00e4ntsch\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Weinland<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">G\u00f6bel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Haberkamp\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KORE301672018&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BGH_V_ZR_169-17_KORE301672018.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verkauft eine Gemeinde im Rahmen eines st\u00e4dtebaulichen Vertrages ein von dem Erwerber mit einem Eigenheim zu bebauendes Grundst\u00fcck zum Verkehrswert, verst\u00f6\u00dft eine Regelung, die dem Erwerber eine von einer Verkehrswertsteigerung des Grundst\u00fccks unabh\u00e4ngige Zuzahlung bei dessen Weiterverkauf innerhalb von acht Jahren nach Errichtung des Eigenheims auferlegt, gegen das Gebot angemessener Vertragsgestaltung.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_crdt_document":""},"kji_country":[7802],"kji_court":[7803],"kji_chamber":[8216],"kji_year":[47917],"kji_subject":[7724],"kji_keyword":[7806,8215,8017,7807],"kji_language":[7805],"class_list":["post-792151","kji_decision","type-kji_decision","status-publish","hentry","kji_country-allemagne","kji_court-bundesgerichtshof","kji_chamber-5-zivilsenat","kji_year-47917","kji_subject-civil","kji_keyword-bundesgerichtshof","kji_keyword-leitsatz","kji_keyword-urteil","kji_keyword-zivilsenat","kji_language-allemand"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.5 (Yoast SEO v27.5) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Bundesgerichtshof, 5. 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