{"id":813812,"date":"2026-05-02T06:43:38","date_gmt":"2026-05-02T04:43:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-1-zivilsenat-eugh-vorlage-2017-07-13-i-zr-135-16\/"},"modified":"2026-05-02T06:43:38","modified_gmt":"2026-05-02T04:43:38","slug":"bundesgerichtshof-1-zivilsenat-eugh-vorlage-2017-07-13-i-zr-135-16","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-1-zivilsenat-eugh-vorlage-2017-07-13-i-zr-135-16\/","title":{"rendered":"Bundesgerichtshof, 1. Zivilsenat, EuGH-Vorlage, 2017-07-13, I ZR 135\/16"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Leitsatz<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Gr\u00fcne Woche II<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Dem Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union werden zur Auslegung von Art. 2 Nr. 9 der Richtlinie 2011\/83\/EU des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 \u00fcber die Rechte der Verbraucher, zur Ab\u00e4nderung der Richtlinie 93\/13\/EWG des Rates und der Richtlinie 1999\/44\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates sowie zur Aufhebung der Richtlinie 85\/577\/EWG des Rates und der Richtlinie 97\/7\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates (ABl. Nr. L 304 vom 22. November 2011, S. 64) folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:18pt\">1. Handelt es sich bei einem Messestand in einer Halle, den ein Unternehmer w\u00e4hrend einer f\u00fcr wenige Tage im Jahr stattfindenden Messe zum Zweck des Verkaufs seiner Produkte nutzt, um einen unbeweglichen Gewerberaum im Sinne von Art. 2 Nr. 9 Buchst. a der Richtlinie 2011\/83\/EU oder um einen beweglichen Gewerberaum im Sinne von Art. 2 Nr. 9 Buchst. b der Richtlinie 2011\/83\/EU?<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:18pt\">2. F\u00fcr den Fall, dass es sich um einen beweglichen Gewerberaum handelt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:18pt\">Ist die Frage, ob ein Unternehmer seine T\u00e4tigkeit &#171;f\u00fcr gew\u00f6hnlich&#187; auf Messest\u00e4nden aus\u00fcbt, danach zu beantworten,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">a) wie der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit organisiert oder<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">b) ob der Verbraucher mit dem Vertragsschluss \u00fcber die in Rede stehenden Waren auf der konkreten Messe rechnen muss?<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:18pt\">3. F\u00fcr den Fall, dass es bei der Antwort auf die zweite Frage auf die Sicht des Verbrauchers ankommt (Frage 2 b):<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Ist bei der Frage, ob der Verbraucher mit dem Vertragsschluss \u00fcber die konkreten Waren auf der in Rede stehenden Messe rechnen muss, darauf abzustellen, wie die Messe in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert wird, oder darauf, wie die Messe sich dem Verbraucher bei Abgabe der Vertragserkl\u00e4rung tats\u00e4chlich darstellt?<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>I. Das Verfahren wird ausgesetzt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>II. Dem Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union werden zur Auslegung von Art. 2 Nr. 9 der Richtlinie 2011\/83\/EU des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 \u00fcber die Rechte der Verbraucher, zur Ab\u00e4nderung der Richtlinie 93\/13\/EWG des Rates und der Richtlinie 1999\/44\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates sowie zur Aufhebung der Richtlinie 85\/577\/EWG des Rates und der Richtlinie 97\/7\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates (ABl. Nr. L 304 vom 22. November 2011, S. 64) folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">1. Handelt es sich bei einem Messestand in einer Halle, den ein Unternehmer w\u00e4hrend einer f\u00fcr wenige Tage im Jahr stattfindenden Messe zum Zweck des Verkaufs seiner Produkte nutzt, um einen unbeweglichen Gewerberaum im Sinne von Art. 2 Nr. 9 Buchst. a der Richtlinie 2011\/83\/EU oder um einen beweglichen Gewerberaum im Sinne von Art. 2 Nr. 9 Buchst. b der Richtlinie 2011\/83\/EU?<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">2. F\u00fcr den Fall, dass es sich um einen beweglichen Gewerberaum handelt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">Ist die Frage, ob ein Unternehmer seine T\u00e4tigkeit &#171;f\u00fcr gew\u00f6hnlich&#187; auf Messest\u00e4nden aus\u00fcbt, danach zu beantworten,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:54pt\">a) wie der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit organisiert oder<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:54pt\">b) ob der Verbraucher mit dem Vertragsschluss \u00fcber die in Rede stehenden Waren auf der konkreten Messe rechnen muss?<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">3. F\u00fcr den Fall, dass es bei der Antwort auf die zweite Frage auf die Sicht des Verbrauchers ankommt (Frage 2 b):<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">Ist bei der Frage, ob der Verbraucher mit dem Vertragsschluss \u00fcber die konkreten Waren auf der in Rede stehenden Messe rechnen muss, darauf abzustellen, wie die Messe in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert wird, oder darauf, wie die Messe sich dem Verbraucher bei Abgabe der Vertragserkl\u00e4rung tats\u00e4chlich darstellt?<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Gr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>I. Die Kl\u00e4gerin ist die in die Liste nach \u00a7 4 Abs. 1 Satz 1 UKlaG eingetragene Verbraucherzentrale Berlin. Die Beklagte ist eine Vertriebsgesellschaft, die auf der in Berlin stattfindenden Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; Produkte ausstellt. Nach ihrer Behauptung vertreibt sie ihre Produkte ausschlie\u00dflich auf Messen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Am 22. Januar 2015 bestellte ein Kunde am Ausstellungsstand der Beklagten auf der Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; einen Dampfstaubsauger zum Preis von 1.600 \u20ac. Die Beklagte belehrte ihn nicht \u00fcber ein Widerrufsrecht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Kl\u00e4gerin ist der Ansicht, die Beklagte habe den Kunden \u00fcber ein Widerrufsrecht informieren m\u00fcssen, weil dieser den Kaufvertrag au\u00dferhalb von Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen abgeschlossen habe.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Kl\u00e4gerin hat beantragt,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">die Beklagte unter Androhung n\u00e4her bezeichneter Ordnungsmittel zu verurteilen, es zu unterlassen,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">im Rahmen gesch\u00e4ftlicher Handlungen mit Verbrauchern auf der Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; in Berlin Kaufvertr\u00e4ge \u00fcber die Lieferung von Dampfstaubsaugern abzuschlie\u00dfen, ohne \u00fcber das Widerrufsrecht nach \u00a7\u00a7 312g, 355 BGB und das Musterwiderrufsformular zu informieren.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Au\u00dferdem hat sie die Beklagte auf Erstattung vorgerichtlicher Abmahnkosten in H\u00f6he von 214,20 \u20ac nebst Zinsen in Anspruch genommen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Landgericht hat die Klage abgewiesen (LG Freiburg, BB 2015, 2900). Die Berufung der Kl\u00e4gerin ist ohne Erfolg geblieben (OLG Karlsruhe, WRP 2016, 1026). Mit ihrer vom Berufungsgericht zugelassenen Revision, deren Zur\u00fcckweisung die Beklagte beantragt, verfolgt die Kl\u00e4gerin ihre Klage weiter.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>II. Die Entscheidung im vorliegenden Rechtsstreit h\u00e4ngt von der Auslegung des Art. 2 Nr. 9 der Richtlinie 2011\/83\/EU ab. Vor einer Entscheidung \u00fcber die Revision der Kl\u00e4gerin ist deshalb das Verfahren auszusetzen und gem\u00e4\u00df Art. 267 Abs. 1 Buchst. b und Abs. 3 AEUV eine Vorabentscheidung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union einzuholen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Das Berufungsgericht hat angenommen, der Kl\u00e4gerin stehe ein Unterlassungsanspruch weder aus \u00a7 8 Abs. 1 und 3 Nr. 3, \u00a7 3 Abs. 1, \u00a7 3a UWG, \u00a7 4 Nr. 11 UWG aF in Verbindung mit \u00a7 312d BGB und Art. 246a EGBGB noch aus \u00a7 2 Abs. 1, \u00a7 3 UKlaG zu. Zur Begr\u00fcndung hat es ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Beklagte sei nicht verpflichtet gewesen, als Aussteller auf der Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; ihre Kunden bei Abgabe einer Bestellung \u00fcber ein Widerrufsrecht nach \u00a7 312g Abs. 1 BGB zu belehren. Sie vertreibe ihre Produkte nicht au\u00dferhalb von Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen. Bei ihrem Messestand auf der &#171;Gr\u00fcnen Woche&#187; habe es sich um einen beweglichen Gesch\u00e4ftsraum im Sinne von \u00a7 312b Abs. 2 BGB gehandelt, in dem die Beklagte ihre T\u00e4tigkeit f\u00fcr gew\u00f6hnlich aus\u00fcbe. F\u00fcr die Abgrenzung der &#171;f\u00fcr gew\u00f6hnlich&#187; betriebenen von einer ausnahmsweise ausge\u00fcbten gewerblichen T\u00e4tigkeit komme es ma\u00dfgeblich darauf an, ob der Verbraucher am Ort des Gesch\u00e4fts mit dem Auftreten des Unternehmers rechnen musste. Dies sei der Fall gewesen. Die Beklagte habe an ihrem Stand nicht \u00fcberraschend ein fachfremdes Produkt verkauft. Die Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; in Berlin sei eine Messe mit einem sehr breit gef\u00e4cherten Sortiment. Neben Produkten aus den traditionellen Bereichen Ern\u00e4hrungswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau werde Besuchern eine Vielzahl von Waren aus anderen Bereichen angeboten. Dies k\u00f6nne einem Messebesucher bei situationsad\u00e4quater Aufmerksamkeit nicht entgehen. Der Stand der Beklagten habe sich in einer Messehalle befunden, in der \u00fcber 40 verschiedene Anbieter von Haushaltsger\u00e4ten und Haustechnik ihre Produkte ausgestellt h\u00e4tten. Ein Verbraucher, der diese Halle besuche, befinde sich in derselben Situation wie eine Person, die ohne entsprechende vorherige Planung in einem Gesch\u00e4ftsviertel oder in einem Kaufhaus ein Gesch\u00e4ftslokal oder eine Abteilung aufsuche. Eines Widerrufsrechts bed\u00fcrfe der Verbraucher in dieser Situation nicht. Es k\u00f6nne offen bleiben, ob die Beklagte ihre Produkte ohne eigenes Gesch\u00e4ftslokal ausschlie\u00dflich auf Messen direkt verkaufe und ob sie regelm\u00e4\u00dfig einen Stand auf der &#171;Gr\u00fcnen Woche&#187; unterhalte. Auf derartige Voraussetzungen in der Person der Beklagten komme es nicht an.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Ohne Beantwortung der Vorlagefragen kann nicht beurteilt werden, ob die Beklagte bei dem Verkauf eines Dampfstaubsaugers auf der Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; in Berlin am 22. Januar 2015 Unterrichtungspflichten nach \u00a7 312d Abs. 1 Satz 1 BGB in Verbindung mit Art. 246a EGBGB verletzt hat und der Kl\u00e4gerin der geltend gemachte Unterlassungsanspruch und der Anspruch auf Erstattung der Abmahnkosten zusteht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Die Informationspflichten der Beklagten h\u00e4ngen zun\u00e4chst davon ab, ob sie ihre T\u00e4tigkeit in unbeweglichen oder in beweglichen Gewerber\u00e4umen aus\u00fcbt. Hierauf zielt die erste Vorlagefrage.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>aa) Gem\u00e4\u00df \u00a7 312d Abs. 1 Satz 1 BGB in Verbindung mit Art. 246a \u00a7 1 Abs. 2 EGBGB hat der Unternehmer, wenn dem Verbraucher bei au\u00dferhalb von Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen geschlossenen Vertr\u00e4gen und bei Fernabsatzvertr\u00e4gen ein Widerrufsrecht nach \u00a7 312g Abs. 1 BGB zusteht, diesen \u00fcber sein Widerrufsrecht nach \u00a7 355 Abs. 1 BGB sowie das Muster-Widerrufsformular zu informieren. Nach der Legaldefinition in \u00a7 312b Abs. 1 Nr. 1 BGB handelt es sich bei au\u00dferhalb von Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen geschlossenen Vertr\u00e4gen um solche, die bei gleichzeitiger k\u00f6rperlicher Anwesenheit des Verbrauchers und des Unternehmers an einem Ort geschlossen werden, der kein Gesch\u00e4ftsraum des Unternehmers ist. Nach \u00a7 312b Abs. 2 Satz 1 BGB sind Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume im Sinne des \u00a7 312b Abs. 1 BGB unbewegliche Gewerber\u00e4ume, in denen der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit dauerhaft aus\u00fcbt, und bewegliche Gewerber\u00e4ume, in denen der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr gew\u00f6hnlich aus\u00fcbt. Die Bestimmungen der \u00a7\u00a7 312b und 312g BGB dienen der Umsetzung der Richtlinie 2011\/83\/EU. Der deutsche Gesetzgeber hat in \u00a7 312b Abs. 2 Satz 1 BGB die Begriffsbestimmung der Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume in Art. 2 Nr. 9 der Richtlinie 2011\/83\/EU w\u00f6rtlich \u00fcbernommen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>bb) Mit der Richtlinie 2011\/83\/EU werden die Richtlinien 85\/577\/EWG betreffend den Verbraucherschutz im Falle von au\u00dferhalb von Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen geschlossenen Vertr\u00e4gen und die Richtlinie 97\/7\/EG \u00fcber den Verbraucherschutz bei Vertragsabschl\u00fcssen im Fernabsatz durch eine einzige Richtlinie ersetzt (Erw\u00e4gungsgrund 2). Dabei wurde der diesen \u00e4lteren Richtlinien zugrunde liegende Mindestharmonisierungsansatz aufgegeben und stattdessen im Grundsatz eine Vollharmonisierung angestrebt (Art. 4 der Richtlinie 2011\/83\/EU). Der durch die Richtlinie 2011\/83\/EU f\u00fcr Verbraucher bei au\u00dferhalb von Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen geschlossenen Vertr\u00e4gen vorgesehene Schutz in Form eines Widerrufsrechts tr\u00e4gt dem Umstand Rechnung, dass bei derartigen Vertr\u00e4gen der Verbraucher m\u00f6glicherweise psychisch unter Druck steht oder einem \u00dcberraschungsmoment ausgesetzt ist (Erw\u00e4gungsgr\u00fcnde 21 und 37). In Erw\u00e4gungsgrund 22 der Richtlinie 2011\/83\/EU hei\u00dft es hierzu, dass als Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume alle Arten von R\u00e4umlichkeiten (wie Gesch\u00e4fte, St\u00e4nde oder Lastwagen) gelten, an denen der Unternehmer sein Gewerbe st\u00e4ndig oder gew\u00f6hnlich aus\u00fcbt. Markt- und Messest\u00e4nde sollten als Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume behandelt werden, wenn sie diese Bedingung erf\u00fcllen. Verkaufsst\u00e4tten, in denen der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit saisonal aus\u00fcbt, beispielsweise w\u00e4hrend der Fremdenverkehrssaison an einem Skiort oder Seebadeort, sollten als Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume angesehen werden, wenn der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit in diesen Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen f\u00fcr gew\u00f6hnlich aus\u00fcbt. Der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4ngliche Orte wie Stra\u00dfen, Einkaufszentren, Str\u00e4nde, Sportanlagen und \u00f6ffentliche Verkehrsmittel, die der Unternehmer ausnahmsweise f\u00fcr seine Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeiten nutzt, sowie Privatwohnungen oder Arbeitspl\u00e4tze sollten nicht als Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume gelten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>cc) Das Berufungsgericht ist nach Ansicht des Senats zu Recht davon ausgegangen, dass es sich bei dem Stand der Beklagten auf der Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; in Berlin nicht um einen unbeweglichen Gewerberaum im Sinne von Art. 2 Nr. 9 Buchst. a der Richtlinie 2011\/83\/EU und \u00a7 312b Abs. 2 Satz 1 Fall 1 BGB handelt, sondern um einen beweglichen Gewerberaum im Sinne von Art. 2 Nr. 9 Buchst. b der Richtlinie 2011\/83\/EU und \u00a7 312b Abs. 2 Satz 1 Fall 2 BGB. Die Richtlinie 2011\/83\/EU geht ersichtlich davon aus, dass unter den Begriff &#171;unbewegliche Gewerber\u00e4ume&#187; das herk\u00f6mmliche station\u00e4re Ladengesch\u00e4ft f\u00e4llt, in dem der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit dauerhaft aus\u00fcbt. Dagegen finden auf Dauer angelegte unternehmerische T\u00e4tigkeiten, die an wechselnden Orten f\u00fcr jeweils nur kurze Zeitr\u00e4ume au\u00dferhalb station\u00e4rer Ladengesch\u00e4fte &#8212; wie etwa auf Markt- und Messest\u00e4nden &#8212; ausge\u00fcbt werden, in &#171;beweglichen Gewerber\u00e4umen&#187; statt (OLG M\u00fcnchen, Urteil vom 15. M\u00e4rz 2017 &#8212; 3 U 3561\/16, juris Rn. 23). Die Beklagte wurde zwar auf der Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; in einer Halle t\u00e4tig; nach Ansicht des Senats ist ihre T\u00e4tigkeit jedoch &#8212; weil sie dort nicht auf Dauer ausge\u00fcbt wird &#8212; im Sinne der Richtlinie als T\u00e4tigkeit in beweglichen Gewerber\u00e4umen anzusehen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Sollte es sich bei dem Stand der Beklagten auf der Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; in Berlin um einen beweglichen Gewerberaum im Sinn des Art. 2 Nr. 9 Buchst. b der Richtlinie 2011\/83\/EU und \u00a7 312b Abs. 2 Satz 1 Fall 2 BGB handeln, stellt sich weiter die Frage, nach welchen Kriterien zu beurteilen ist, ob der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr gew\u00f6hnlich in diesen Gewerber\u00e4umen aus\u00fcbt. Dies ist Hintergrund der zweiten Vorlagefrage.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>aa) Entscheidend f\u00fcr das Erfordernis der Information des Verbrauchers \u00fcber ein Widerrufsrecht ist nach der Richtlinie 2011\/83\/EU und der sie umsetzenden deutschen Regelung des \u00a7 312b Abs. 2 Satz 1 BGB, ob der Vertragsschluss des Verbrauchers mit dem Unternehmer au\u00dferhalb von beweglichen Gewerber\u00e4umen erfolgt, in denen der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr gew\u00f6hnlich aus\u00fcbt. Die Frage, wie festgestellt wird, ob der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit am Ort des Vertragsschlusses f\u00fcr gew\u00f6hnlich aus\u00fcbt, ist den Bestimmungen der Richtlinie nicht eindeutig zu entnehmen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>bb) Es kommt in Betracht, darauf abzustellen, ob der Unternehmer eine bestimmte Vertriebsmethode f\u00fcr gew\u00f6hnlich nutzt, ob er also regelm\u00e4\u00dfig in beweglichen Gewerber\u00e4umen seine Produkte vertreibt oder ob dies nur ausnahmsweise geschieht (Strobl, NJW 2015, 721, 722; Gro\u00dfkomm.BGB\/Busch, \u00a7 312b Rn. 35 [Stand: 20. Juli 2016]; Klocke, EuZW 2016, 411). Hierf\u00fcr spricht der Wortlaut von Art. 2 Nr. 9 Buchst. b der Richtlinie 2011\/83\/EU. Der Erw\u00e4gungsgrund 22 der Richtlinie 2011\/83\/EU erw\u00e4hnt ebenfalls, dass als Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume alle Arten von R\u00e4umlichkeiten wie Gesch\u00e4fte, St\u00e4nde oder Lastwagen gelten sollen, an denen der Unternehmer sein Gewerbe st\u00e4ndig oder gew\u00f6hnlich aus\u00fcbt. Allerdings f\u00fchrt eine solche Auslegung, die sich an den Verh\u00e4ltnissen des Unternehmers orientiert, nach Auffassung des Senats nicht zu befriedigenden Ergebnissen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Bietet ein Unternehmer seine Produkte, die er im Wesentlichen in einer station\u00e4ren gewerblichen Niederlassung vertreibt, zus\u00e4tzlich auf einer Messe zum Verkauf an, w\u00e4re ein Verbraucher, der diese Produkte auf der Messe erwirbt, bei dem vorstehenden Verst\u00e4ndnis des Art. 2 Nr. 9 der Richtlinie 2011\/83\/EU zum Widerruf berechtigt, weil der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit dort f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht aus\u00fcbt. W\u00fcrde der Verbraucher dagegen am benachbarten Messestand ein vergleichbares Produkt erwerben, k\u00f6nnte es sein, dass ihm ein Widerrufsrecht deshalb nicht zusteht, weil der dort t\u00e4tige Unternehmer seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr gew\u00f6hnlich auf Messen aus\u00fcbt und kein station\u00e4res Ladengesch\u00e4ft unterh\u00e4lt. Es erscheint unter dem Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes wenig konsequent, dem Verbraucher je nach Betriebsorganisation des Unternehmers bei im \u00dcbrigen identischen \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden des Vertragsschlusses in einem Fall ein Widerrufsrecht zu gew\u00e4hren und es im anderen Fall auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Wenn die Richtlinie trotz der vorstehenden Erw\u00e4gungen dahingehend auszulegen w\u00e4re, dass es darauf ankommt, wie der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit organisiert, setzt der Erfolg der Klage im Streitfall voraus, dass die Beklagte ihre unternehmerische T\u00e4tigkeit f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht auf Messen aus\u00fcbt. Das Berufungsgericht hat zu der Unternehmensorganisation der Beklagten keine Feststellungen getroffen, so dass im Revisionsverfahren zugunsten der Kl\u00e4gerin zu unterstellen w\u00e4re, dass der Vortrag der Beklagten nicht zutrifft, sie vertreibe ihre Dampfstaubsauger seit vielen Jahren ausschlie\u00dflich \u00fcber Messen. In diesem Fall w\u00e4re das Berufungsurteil aufzuheben und die Sache an das Berufungsgericht zur\u00fcckzuverweisen, damit die notwendigen Feststellungen zur Vertriebsstruktur der Beklagten getroffen werden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_20\">20<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>cc) Nach anderer Auffassung, die sich auf das deutsche Gesetzgebungsverfahren bei der Umsetzung der Richtlinie 2011\/83\/EU st\u00fctzt (Gesetzentwurf der Bundesregierung, BT-Drucks. 17\/12637, Seite 50 zu \u00a7 312a BGB des Entwurfs), kommt es f\u00fcr die Frage, ob der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit gew\u00f6hnlich in beweglichen Gewerber\u00e4umen aus\u00fcbt, nicht darauf an, wie der Unternehmer seine Vertriebst\u00e4tigkeit organisiert, sondern auf die Sicht des Verbrauchers. Diese Ansicht beruft sich auf den Sinn und Zweck des Widerrufsrechts des Verbrauchers bei au\u00dferhalb von Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen geschlossenen Vertr\u00e4gen gem\u00e4\u00df Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 2011\/83\/EU und des diese Vorschrift in das deutsche Recht umsetzenden \u00a7 312g Abs. 1 BGB. Der Verbraucher soll vor \u00fcbereilten Vertragsabschl\u00fcssen gesch\u00fctzt werden, zu denen es in einer den Verbraucher \u00fcberraschenden Situation oder unter psychischem Druck kommt. F\u00fcr diese Auslegung sprechen die Erw\u00e4gungsgr\u00fcnde 21 und 37 der Richtlinie 2011\/83\/EU. In diesem Zusammenhang wird danach differenziert, ob auf einem Jahrmarkt oder auf einer Messe messetypische Produkte zum Kauf angeboten werden, so dass der Verbraucher mit entsprechenden Angeboten rechnen musste, oder ob es sich um fachfremde Produkte handelt, deren Angebot f\u00fcr den Verbraucher nicht zu erwarten war (Junker in Herberger\/Martinek\/R\u00fc\u00dfmann\/Weth\/W\u00fcrdinger, jurisPK-BGB, 8. Aufl., Stand: 1. Dezember 2016, \u00a7 312 Rn. 50 ff.; BeckOK BGB\/Maume, \u00a7 312b Rn. 31, 42. Edition, Stand: 1. Februar 2017; Klocke, EuZW 2016, 411, 414). Dieser Auffassung haben sich das Berufungsgericht und andere deutsche Gerichte angeschlossen (OLG M\u00fcnchen, Urteil vom 15. M\u00e4rz 2017 &#8212; 3 U 3561\/16, juris Rn. 26; LG Frankfurt [Oder], Urteil vom 26. September 2016 &#8212; 16 S 117\/15, unver\u00f6ffentlicht; AG Pinneberg, SchlHA 2016, 136; AG Bad Oeynhausen, Urteil vom 5. April 2016 &#8212; 18 C 415\/15, juris Rn. 19 ff.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_21\">21<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) Sollte bei der Frage, ob der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit in beweglichen Gewerber\u00e4umen gew\u00f6hnlich aus\u00fcbt, auf die Sicht des Verbrauchers abzustellen sein, w\u00e4re im Streitfall zu pr\u00fcfen, ob es sich bei der Messe &#171;Gr\u00fcne Woche&#187; in Berlin um eine Messe handelt, bei der der Verbraucher mit dem Angebot eines Dampfstaubsaugers rechnen muss. Dabei stellt sich die weitere Frage, wie die Verbrauchersicht zu bestimmen ist. Darauf zielt die dritte Vorlagefrage.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_22\">22<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>aa) Die Revision macht geltend, der Besucher einer Messe k\u00f6nne entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts nicht mit dem Besucher eines Gesch\u00e4ftsviertels oder eines Kaufhauses verglichen werden, also mit Besuchern station\u00e4rer Ladengesch\u00e4fte, die in unbeweglichen Gewerber\u00e4umen betrieben werden. F\u00fcr die ein \u00dcberraschungsmoment ausschlie\u00dfende Erkennbarkeit der zu erwartenden Angebote k\u00f6nne nicht auf die Situation des Verbrauchers bei seiner Ankunft auf dem Messegel\u00e4nde abgestellt werden. Vielmehr sei ma\u00dfgeblich, wie die Messe in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert werde und welche Erwartungshaltung der Verbraucher aus dem Thema der Messe gewinnen k\u00f6nne. Die &#171;Gr\u00fcne Messe&#187; in Berlin werde als &#171;Messe f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Gartenbau&#187; bezeichnet. Auf einer solchen Messe m\u00fcsse ein Verbraucher nicht mit einem Verkauf von Haushaltsger\u00e4ten rechnen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_23\">23<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>bb) Das Berufungsgericht ist demgegen\u00fcber davon ausgegangen, es komme darauf an, ob auf der in Rede stehenden Messe regelm\u00e4\u00dfig Haushaltsger\u00e4te und Haustechnik angeboten werde. Es hat festgestellt, dass dies der Fall ist und der Verbraucher deshalb mit entsprechenden Angeboten rechnen musste.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_24\">24<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>cc) F\u00fcr die Beantwortung dieser Frage kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt der Schutz des Verbrauchers einsetzen soll. Wenn auf den Zeitpunkt abgestellt wird, in dem er sich entschlie\u00dft, eine Messe zu besuchen, sind die tats\u00e4chlichen Gegebenheiten auf der Messe unerheblich. Entscheidend ist dann, welche Erwartungen der Verbraucher nach den ihm verf\u00fcgbaren Informationen \u00fcber das Waren- und Dienstleistungsangebot auf der Messe haben konnte. Wenn dagegen auf den Zeitpunkt abgestellt wird, in dem der Verbraucher seine Vertragserkl\u00e4rung abgibt, kommt es auf die tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse an Ort und Stelle an. Zu der Pr\u00e4sentation der Messe in der \u00d6ffentlichkeit und der daraus resultierenden Erwartungshaltung eines Verbrauchers bei seiner Entscheidung, die Messe zu besuchen, hat das Berufungsgericht keine Feststellungen getroffen, so dass, wenn es auf diesen Zeitpunkt ankommen sollte, das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache an das Berufungsgericht zur\u00fcckverwiesen werden m\u00fcsste, damit diese Feststellungen nachgeholt werden. Sollte es auf den Zeitpunkt der Vertragserkl\u00e4rung ankommen, sind die erforderlichen Feststellungen getroffen, nach denen der Verbraucher angesichts der \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde bei Abschluss des Vertrags \u00fcber den Kauf eines Dampfstaubsaugers mit einem entsprechenden Angebot rechnen musste.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">B\u00fcscher\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Schaffert\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Kirchhoff<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">L\u00f6ffler\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Schwonke\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KORE303592017&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BGH_I_ZR_135-16_KORE303592017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcne Woche II Dem Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union werden zur Auslegung von Art. 2 Nr. 9 der Richtlinie 2011\/83\/EU des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 \u00fcber die Rechte der Verbraucher, zur Ab\u00e4nderung der Richtlinie 93\/13\/EWG des Rates und der Richtlinie 1999\/44\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates sowie zur Aufhebung der Richtlinie 85\/577\/EWG des Rates und der Richtlinie 97\/7\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates (ABl. Nr. L 304 vom 22. November 2011, S. 64) folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt: 1. Handelt es sich bei einem Messestand in einer Halle, den ein Unternehmer w\u00e4hrend einer f\u00fcr wenige Tage im Jahr stattfindenden Messe zum Zweck des Verkaufs seiner Produkte nutzt, um einen unbeweglichen Gewerberaum im Sinne von Art. 2 Nr. 9 Buchst. a der Richtlinie 2011\/83\/EU oder um einen beweglichen Gewerberaum im Sinne von Art. 2 Nr. 9 Buchst. b der Richtlinie 2011\/83\/EU? 2. F\u00fcr den Fall, dass es sich um einen beweglichen Gewerberaum handelt: Ist die Frage, ob ein Unternehmer seine T\u00e4tigkeit &#171;f\u00fcr gew\u00f6hnlich&#187; auf Messest\u00e4nden aus\u00fcbt, danach zu beantworten, a) wie der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit organisiert oder b) ob der Verbraucher mit dem Vertragsschluss \u00fcber die in Rede stehenden Waren auf der konkreten Messe rechnen muss? 3. F\u00fcr den Fall, dass es bei der Antwort auf die zweite Frage auf die Sicht des Verbrauchers ankommt (Frage 2 b): Ist bei der Frage, ob der Verbraucher mit dem Vertragsschluss \u00fcber die konkreten Waren auf der in Rede stehenden Messe rechnen muss, darauf abzustellen, wie die Messe in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert wird, oder darauf, wie die Messe sich dem Verbraucher bei Abgabe der Vertragserkl\u00e4rung tats\u00e4chlich darstellt?<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_crdt_document":""},"kji_country":[7802],"kji_court":[7803],"kji_chamber":[8404],"kji_year":[52833],"kji_subject":[7724],"kji_keyword":[7806,9582,8215,7807],"kji_language":[7805],"class_list":["post-813812","kji_decision","type-kji_decision","status-publish","hentry","kji_country-allemagne","kji_court-bundesgerichtshof","kji_chamber-1-zivilsenat","kji_year-52833","kji_subject-civil","kji_keyword-bundesgerichtshof","kji_keyword-eugh-vorlage","kji_keyword-leitsatz","kji_keyword-zivilsenat","kji_language-allemand"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.5 (Yoast SEO v27.5) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Bundesgerichtshof, 1. Zivilsenat, EuGH-Vorlage, 2017-07-13, I ZR 135\/16 - Ma\u00eetre Hassan Kohen, avocat en droit p\u00e9nal \u00e0 Paris<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-1-zivilsenat-eugh-vorlage-2017-07-13-i-zr-135-16\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"ru_RU\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bundesgerichtshof, 1. Zivilsenat, EuGH-Vorlage, 2017-07-13, I ZR 135\/16\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Gr\u00fcne Woche II Dem Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union werden zur Auslegung von Art. 2 Nr. 9 der Richtlinie 2011\/83\/EU des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 25. 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F\u00fcr den Fall, dass es sich um einen beweglichen Gewerberaum handelt: Ist die Frage, ob ein Unternehmer seine T\u00e4tigkeit &quot;f\u00fcr gew\u00f6hnlich&quot; auf Messest\u00e4nden aus\u00fcbt, danach zu beantworten, a) wie der Unternehmer seine T\u00e4tigkeit organisiert oder b) ob der Verbraucher mit dem Vertragsschluss \u00fcber die in Rede stehenden Waren auf der konkreten Messe rechnen muss? 3. F\u00fcr den Fall, dass es bei der Antwort auf die zweite Frage auf die Sicht des Verbrauchers ankommt (Frage 2 b): Ist bei der Frage, ob der Verbraucher mit dem Vertragsschluss \u00fcber die konkreten Waren auf der in Rede stehenden Messe rechnen muss, darauf abzustellen, wie die Messe in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert wird, oder darauf, wie die Messe sich dem Verbraucher bei Abgabe der Vertragserkl\u00e4rung tats\u00e4chlich darstellt?\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kohenavocats.com\/ru\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-1-zivilsenat-eugh-vorlage-2017-07-13-i-zr-135-16\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Ma\u00eetre Hassan Kohen, avocat en droit p\u00e9nal \u00e0 Paris\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"\u041f\u0440\u0438\u043c\u0435\u0440\u043d\u043e\u0435 \u0432\u0440\u0435\u043c\u044f \u0434\u043b\u044f \u0447\u0442\u0435\u043d\u0438\u044f\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"16 \u043c\u0438\u043d\u0443\u0442\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kohenavocats.com\\\/ru\\\/jurisprudences\\\/bundesgerichtshof-1-zivilsenat-eugh-vorlage-2017-07-13-i-zr-135-16\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kohenavocats.com\\\/ru\\\/jurisprudences\\\/bundesgerichtshof-1-zivilsenat-eugh-vorlage-2017-07-13-i-zr-135-16\\\/\",\"name\":\"Bundesgerichtshof, 1. 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