{"id":563898,"date":"2026-04-15T02:50:24","date_gmt":"2026-04-15T00:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-6a-zivilsenat-urteil-2026-02-18-via-zr-1391-22\/"},"modified":"2026-04-15T02:50:24","modified_gmt":"2026-04-15T00:50:24","slug":"bundesgerichtshof-6a-zivilsenat-urteil-2026-02-18-via-zr-1391-22","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/zh-hans\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-6a-zivilsenat-urteil-2026-02-18-via-zr-1391-22\/","title":{"rendered":"Bundesgerichtshof, 6a. Zivilsenat, Urteil, 2026-02-18, VIa ZR 1391\/22"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird der Beschluss des 10.\u00a0Zivilsenats des Oberlandesgerichts Bamberg vom 5. September 2022 aufgehoben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch \u00fcber die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Der Streitwert f\u00fcr das Revisionsverfahren wird auf bis 65.000 \u20ac festgesetzt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: center\">Von Rechts wegen<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tatbestand<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Kl\u00e4ger nimmt die Beklagte wegen der Verwendung unzul\u00e4ssiger Abschalteinrichtungen in einem Kraftfahrzeug auf Schadensersatz in Anspruch. Der Kl\u00e4ger erwarb im Januar 2018 <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">von einem Dritten ein Wohnmobil Laika Caravans Ecovip 305. Das von der<\/span> Beklagten hergestellte Basisfahrzeug ist mit einem von einem Dritten hergestellten und von der Beklagten eingebauten 2,3 l-Dieselmotor (Schadstoffklasse Euro\u00a06) ausger\u00fcstet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Der Kl\u00e4ger hat mit seiner in beiden Instanzen erfolglosen Klage die Erstattung des Kaufpreises abz\u00fcglich einer Nutzungsentsch\u00e4digung nebst Zinsen Zug um Zug gegen \u00dcbergabe und \u00dcbereignung des Fahrzeugs, die Feststellung des Annahmeverzugs der Beklagten und die Zahlung vorgerichtlicher Rechtsanwaltskosten nebst Zinsen begehrt<\/span>. Mit seiner vom Senat zugelassenen Revision verfolgt der Kl\u00e4ger seine Berufungsantr\u00e4ge weiter.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers hat Erfolg.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: center\">\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">I.<\/span>\n               <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Berufungsgericht hat seine Entscheidung &#8211;\u00a0soweit f\u00fcr das Revisionsverfahren von Bedeutung\u00a0&#8211; im Wesentlichen wie folgt begr\u00fcndet:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Dem Kl\u00e4ger stehe ein deliktischer Schadensersatzanspruch nicht zu. <\/span>F\u00fcr eine sittenwidrige vors\u00e4tzliche Sch\u00e4digung durch die Beklagte fehle es an einer hinreichenden Darlegung, so dass ein Schadensersatzanspruch aus \u00a7\u00a0826 BGB nicht angenommen werden k\u00f6nne.<span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\"> Ein Schadensersatzanspruch aus \u00a7 823 Abs.\u00a02 BGB in Verbindung mit \u00a7 6 Abs. 1, \u00a7 27 Abs. 1 EG-FGV scheide aus. Die letztgenannten Vorschriften stellten keine Schutzgesetze dar, da das Interesse, nicht zur Eingehung einer ungewollten Verbindlichkeit veranlasst zu werden, nicht im Aufgabenbereich dieser Normen liege.<\/span>\n               <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: center\">II.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Diese Erw\u00e4gungen halten der \u00dcberpr\u00fcfung im Revisionsverfahren teilweise nicht stand.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Allerdings begegnet es keinen revisionsrechtlichen Bedenken, dass das<\/span><br \/>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten aus \u00a7\u00a7 826, 31 BGB verneint hat.<\/span> Die Revision erhebt insoweit auch keine konkreten Einw\u00e4nde.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Die Revision wendet sich jedoch mit Erfolg dagegen, dass das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten nach \u00a7 823 Abs. 2 BGB in Verbindung<\/span><br \/>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">mit \u00a7 6 Abs. 1, \u00a7 27 Abs. 1 EG-FGV aus Rechtsgr\u00fcnden verneint hat. Wie der Senat nach Erlass des angefochtenen Beschlusses entschieden hat, sind die Bestimmungen der \u00a7 6 Abs. 1, \u00a7 27<\/span><br \/>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Abs. 1 EG-FGV Schutzgesetze im Sinne des \u00a7 823 Abs. 2 BGB, die das Interesse des Fahrzeugk\u00e4ufers gegen\u00fcber dem Fahrzeughersteller wahren, nicht<\/span><br \/>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">durch den Kaufvertragsabschluss eine Verm\u00f6genseinbu\u00dfe im Sinne der Differenzhypothese zu erleiden, weil das Fahrzeug entgegen der \u00dcbereinstimmungsbescheinigung eine unzul\u00e4ssige Abschalteinrichtung im Sinne des Art. 5 Abs. 2 Satz 1 der Verordnung (EG) Nr. 715\/2007 aufweist (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni<\/span><br \/>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">2023 &#8211; VIa ZR 335\/21, <\/span>BGHZ 237, 245 <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Rn.\u00a029 bis 32)<\/span>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Berufungsgericht hat daher zwar im Ergebnis zu Recht einen Anspruch des Kl\u00e4gers auf die Gew\u00e4hrung sogenannten &#8220;gro\u00dfen&#8221; Schadensersatzes verneint (vgl. BGH, Urteil vom 26.\u00a0Juni 2023 &#8211; VIa ZR 335\/21, BGHZ 237, 245 Rn.\u00a022 bis 27). Es hat jedoch nicht ber\u00fccksichtigt, dass dem Kl\u00e4ger nach \u00a7\u00a0823 Abs.\u00a02 BGB in Verbindung mit \u00a7\u00a06 Abs.\u00a01, \u00a7\u00a027 Abs.\u00a01 EG-FGV ein Anspruch auf Ersatz eines erlittenen Differenzschadens zustehen kann (vgl. BGH, Urteil vom 26.\u00a0Juni 2023, aaO, Rn.\u00a028 bis 32; ebenso BGH, Urteile vom 20.\u00a0Juli 2023 &#8211;\u00a0III\u00a0ZR\u00a0267\/20, WM 2023, 1839 Rn.\u00a021\u00a0ff.; &#8211;\u00a0III\u00a0ZR\u00a0303\/20, juris Rn.\u00a016\u00a0f.; Urteil vom 12. Oktober 2023 &#8211; VII ZR 412\/21, juris Rn. 20). Demzufolge hat das Berufungsgericht &#8211;\u00a0von seinem Rechtsstandpunkt aus folgerichtig\u00a0&#8211; weder dem Kl\u00e4ger Gelegenheit zur Darlegung eines solchen Schadens gegeben, noch hat es Feststellungen zu einer deliktischen Haftung der Beklagten wegen des zumindest fahrl\u00e4ssigen Einbaus einer unzul\u00e4ssigen Abschalteinrichtung getroffen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: center\">III.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der angefochtene Beschluss ist aufzuheben (\u00a7\u00a0562 Abs.\u00a01 ZPO), weil er sich auch nicht aus anderen Gr\u00fcnden als richtig darstellt (\u00a7\u00a0561 ZPO). Der Senat kann nicht in der Sache selbst entscheiden, weil diese nicht zur Endentscheidung reif ist, \u00a7\u00a0563 Abs.\u00a03 ZPO. Die Sache ist zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zur\u00fcckzuverweisen (\u00a7\u00a0563 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 ZPO).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Berufungsgericht wird auf der Grundlage der mit Urteil des Senats vom 26.\u00a0Juni 2023 in der Sache VIa\u00a0ZR\u00a0335\/21 aufgestellten Grunds\u00e4tze die <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">erforderlichen Feststellungen zu der Verwendung einer unzul\u00e4ssigen Abschalteinrichtung<\/span><br \/>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">sowie gegebenenfalls zu den weiteren Voraussetzungen und zum Umfang einer<\/span><br \/>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Haftung der Beklagten nach \u00a7 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit \u00a7 6 Abs. 1, \u00a7 27<\/span><br \/>\n                  <span style=\"color: rgb(0, 0, 0)\">Abs. 1 EG-FGV zu treffen haben<\/span>, nachdem es dem Kl\u00e4ger Gelegenheit gegeben hat, den Differenzschaden zu berechnen und dazu vorzutragen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: left\">C.\u00a0Fischer\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Messing\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0F. Schmidt<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align: left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Ostwaldt\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Pastohr<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KORE703492026&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BGH_6a__Zivilsenat_VIa_ZR_1391-22_KORE703492026.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tenor Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird der Beschluss des 10. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Bamberg vom 5. September 2022 aufgehoben. Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch \u00fcber die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zur\u00fcckverwiesen. Der Streitwert f\u00fcr das Revisionsverfahren wird auf bis 65.000 \u20ac festgesetzt. 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Zivilsenat, Urteil, 2026-02-18, VIa ZR 1391\/22 - Ma\u00eetre Hassan Kohen, avocat en droit p\u00e9nal \u00e0 Paris<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kohenavocats.com\/zh-hans\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-6a-zivilsenat-urteil-2026-02-18-via-zr-1391-22\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"zh_CN\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bundesgerichtshof, 6a. Zivilsenat, Urteil, 2026-02-18, VIa ZR 1391\/22\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Tenor Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird der Beschluss des 10. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Bamberg vom 5. September 2022 aufgehoben. Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch \u00fcber die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zur\u00fcckverwiesen. 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