{"id":565284,"date":"2026-04-15T05:59:44","date_gmt":"2026-04-15T03:59:44","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bfh-6-senat-urteil-vom-22-01-2026-vi-r-3-24\/"},"modified":"2026-04-15T05:59:44","modified_gmt":"2026-04-15T03:59:44","slug":"bfh-6-senat-urteil-vom-22-01-2026-vi-r-3-24","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/zh-hans\/jurisprudences\/bfh-6-senat-urteil-vom-22-01-2026-vi-r-3-24\/","title":{"rendered":"BFH 6. Senat, Urteil vom 22.01.2026, VI R 3\/24"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Leitsatz<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>NV: \u00a7 50d Abs. 12 des Einkommensteuergesetzes entfaltet keine verfassungsrechtlich unzul\u00e4ssige unechte R\u00fcckwirkung (&#8220;tatbestandliche R\u00fcckankn\u00fcpfung&#8221;), wenn eine Abfindung f\u00fcr den Verlust des Arbeitsplatzes nicht zum Ende des Arbeitsverh\u00e4ltnisses im September 2016, sondern auf Wunsch des Arbeitnehmers im Hinblick auf dessen geplanten Wegzug aus der Bundesrepublik Deutschland erst im Jahr 2017 ausgezahlt wird.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 21.11.2023 &#8211; 10 K 1421\/21 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Tatbestand<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align:center\">I. <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) war als leitende Angestellte bei der X-AG besch\u00e4ftigt und hatte ihren Wohnsitz bis September 2016 in A (Bundesrepublik Deutschland &#8211;Deutschland&#8211;). Mit Aufl\u00f6sungsvereinbarung vom 11.02.2016 beendeten die X-AG und die Kl\u00e4gerin das Arbeitsverh\u00e4ltnis einvernehmlich zum 30.09.2016. Als Ausgleich f\u00fcr die mit der vorzeitigen Aufl\u00f6sung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses verbundenen Nachteile vereinbarten sie eine zun\u00e4chst im letzten Monat des Arbeitsverh\u00e4ltnisses zahlbare Abfindung durch die X-AG in H\u00f6he von brutto \u2026\u00a0\u20ac.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Am 29.03.2016 kamen die Kl\u00e4gerin und die X-AG in einer Erg\u00e4nzung zur Aufl\u00f6sungsvereinbarung \u00fcberein, dass die Abfindung auf Wunsch der Kl\u00e4gerin erst mit der Gehaltsabrechnung f\u00fcr Januar 2017 zur Auszahlung gelangen sollte. In der Folge k\u00fcndigte die Kl\u00e4gerin ihre Wohnung in A zum Ablauf des Monats September 2016. Mit Mietvertrag vom 27.08.2016 mietete sie eine m\u00f6blierte Wohnung in B (Republik Malta &#8211;Malta&#8211;).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die X-AG zahlte die Abfindung unter Einbehalt von Lohnsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag vereinbarungsgem\u00e4\u00df im Januar des Streitjahres (2017) an die Kl\u00e4gerin aus.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>In ihrer Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr erkl\u00e4rte die Kl\u00e4gerin &#8211;neben im Inland nicht dem Steuerabzug unterliegendem Arbeitslohn aus einem von einem fr\u00fcheren Arbeitgeber gew\u00e4hrten geldwerten Vorteil&#8211; im Rahmen der Angaben zum Progressionsvorbehalt unter anderem dem Steuerabzug unterliegende Eink\u00fcnfte in H\u00f6he von \u2026\u00a0\u20ac (Betrag der Abfindung). Zugleich beantragte sie die Veranlagung zur Einkommensteuer nach \u00a7\u00a050 Abs.\u00a02 Satz\u00a02 Nr.\u00a04 Buchst.\u00a0b des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (EStG).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Abweichend davon ber\u00fccksichtigte der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) bei der Festsetzung der Einkommensteuer unter Anwendung des \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 EStG Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit in H\u00f6he von \u2026\u00a0\u20ac als inl\u00e4ndische Eink\u00fcnfte der Kl\u00e4gerin, von denen er \u2026\u00a0\u20ac mit Progressionsvorbehalt nach dem Grundtarif und \u2026\u00a0\u20ac (Betrag der Abfindung) nach \u00a7\u00a034 Abs.\u00a01 EStG versteuerte.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) ab. Das FG sah insbesondere keine Veranlassung, dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die Frage der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des im Streitjahr erstmals anwendbaren \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 EStG vorzulegen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Mit der Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin die Verletzung formellen und materiellen Rechts. Sie macht insbesondere geltend, die Anwendung des \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 EStG stelle im Hinblick auf ihr schutzw\u00fcrdiges Vertrauen in die bisherige Rechtslage eine unzul\u00e4ssige unechte R\u00fcckwirkung zu ihren Lasten dar und sei daher verfassungswidrig.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>das Urteil des Hessischen FG vom 21.11.2023\u00a0&#8211; 10\u00a0K\u00a01421\/21 sowie die Einspruchsentscheidung vom 07.10.2021 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2017 vom 22.06.2021 dahingehend zu \u00e4ndern, dass der Bruttoarbeitslohn um \u2026\u00a0\u20ac (Betrag der Abfindung) gemindert wird.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"text-align:center\">II. <\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und zur\u00fcckzuweisen (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a02 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Insbesondere greifen die von der Kl\u00e4gerin angef\u00fchrten verfassungsrechtlichen Einwendungen nicht durch.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Die Kl\u00e4gerin unterliegt im Streitjahr gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a01 Abs.\u00a04 EStG mit ihren inl\u00e4ndischen Eink\u00fcnften der beschr\u00e4nkten Steuerpflicht, da sie seit ihrem Wegzug aus A im September 2016 in Deutschland weder einen Wohnsitz noch ihren gew\u00f6hnlichen Aufenthalt hatte.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Nach \u00a7\u00a049 Abs.\u00a01 Nr.\u00a04 Buchst.\u00a0d EStG geh\u00f6ren zu den inl\u00e4ndischen Eink\u00fcnften auch Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit (\u00a7\u00a019 EStG), die &#8211;wie im Streitfall&#8211; als Entsch\u00e4digung im Sinne des \u00a7\u00a024 Nr.\u00a01 EStG f\u00fcr die Aufl\u00f6sung eines Dienstverh\u00e4ltnisses gezahlt werden, soweit die f\u00fcr die zuvor ausge\u00fcbte T\u00e4tigkeit bezogenen Eink\u00fcnfte der inl\u00e4ndischen Besteuerung unterlegen haben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>3. Dem Deutschland nach innerstaatlichem Recht zustehenden Besteuerungsrecht f\u00fcr die streitgegenst\u00e4ndliche Abfindungszahlung steht Art.\u00a015 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Malta zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Verm\u00f6gen vom 08.03.2001 (BGBl II 2001, 1298, BStBl I 2002, 77) i.d.F. des \u00c4nderungsprotokolls vom 17.06.2010 (BGBl II 2011, 276 i.V.m. der Bekanntmachung vom 27.05.2011, BGBl II 2011, 640, BStBl I 2011, 743) &#8211;DBA-Malta 2001&#8211; nicht entgegen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Zwar sind Abfindungen anl\u00e4sslich der Beendigung eines Dienstverh\u00e4ltnisses nach den auf Art.\u00a015 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 und 2 des OECD-Musterabkommens (OECD-MustAbk) basierenden Bestimmungen des Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, zu denen auch Art.\u00a015 Abs.\u00a01 DBA-Malta 2001 geh\u00f6rt, nicht im T\u00e4tigkeitsstaat, sondern im Ans\u00e4ssigkeitsstaat zu besteuern. Denn bei Abfindungen handelt es sich unbeschadet dessen, dass sie nach dem innerstaatlichen Recht Arbeitslohn (\u00a7\u00a019 EStG) sind, abkommensrechtlich nicht um ein zus\u00e4tzliches Entgelt f\u00fcr eine fr\u00fchere T\u00e4tigkeit im Sinne des Art.\u00a015 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 OECD-MustAbk. Sie werden nicht f\u00fcr eine konkrete im Inland oder Ausland ausge\u00fcbte T\u00e4tigkeit gezahlt, sondern gerade f\u00fcr den Verlust des Arbeitsplatzes. Ein blo\u00dfer Anlasszusammenhang zwischen Zahlung und T\u00e4tigkeit gen\u00fcgt nach dem Abkommenswortlaut (&#8220;daf\u00fcr&#8221;) nicht (s. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 02.09.2009\u00a0&#8211; I\u00a0R\u00a0111\/08, BFHE 226, 276, BStBl II 2010, 387, unter II.2.a, und vom 24.07.2013\u00a0&#8211; I\u00a0R\u00a08\/13, BFHE 245, 291, BStBl II 2014, 929, Rz\u00a015; Senatsurteil vom 01.08.2024\u00a0&#8211; VI\u00a0R\u00a052\/20, BFHE 286, 18, Rz\u00a037). Dies ist zwischen den Beteiligten zu Recht auch nicht streitig.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Die dahingehende h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung hat der Gesetzgeber aber mit Einf\u00fchrung des \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 EStG i.V.m. \u00a7\u00a052 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG durch das Gesetz zur Umsetzung der \u00c4nderungen der EU-Amtshilferichtlinie und von weiteren Ma\u00dfnahmen gegen Gewinnk\u00fcrzungen und -verlagerungen (\u00c4ndEUAmtshilfeRL\/MgGkuVUmsG) vom 20.12.2016 (BGBl I 2016, 3000) mit Wirkung zum 01.01.2017 \u00fcberschrieben. Danach gelten Abfindungen, die anl\u00e4sslich der Beendigung eines Dienstverh\u00e4ltnisses gezahlt werden, f\u00fcr Zwecke der Anwendung eines Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung nunmehr als f\u00fcr fr\u00fchere T\u00e4tigkeit geleistetes zus\u00e4tzliches Entgelt (\u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 Satz\u00a01 EStG). Dies gilt nicht, soweit das jeweilige Abkommen in einer gesonderten, ausdr\u00fccklich solche Abfindungen betreffenden Vorschrift eine abweichende Regelung trifft (\u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 Satz\u00a02 EStG) oder in den F\u00e4llen des \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 Satz\u00a03 EStG.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) Nach \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 EStG i.V.m. \u00a7\u00a052 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG steht daher vorliegend (ausschlie\u00dflich) Deutschland das Besteuerungsrecht f\u00fcr die streitgegenst\u00e4ndliche Abfindungszahlung zu. Da dies dem Grunde nach auch von der Kl\u00e4gerin nicht in Frage gestellt wird, sieht der Senat von einer weiteren Begr\u00fcndung ab.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>4. Entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin f\u00fchrt die Anwendung des \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 Satz\u00a01 EStG i.V.m. \u00a7\u00a052 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG im Streitjahr nicht zu einer verfassungswidrigen Verletzung schutzw\u00fcrdigen Vertrauens (Art.\u00a020 Abs.\u00a03 i.V.m. Art.\u00a02 Abs.\u00a01 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;). Ein Versto\u00df gegen das verfassungsrechtliche R\u00fcckwirkungsverbot liegt &#8211;wie das FG zutreffend entschieden hat&#8211; nicht vor. Denn im Streitfall ist ersichtlich keine mit der Verfassung grunds\u00e4tzlich unvereinbare echte R\u00fcckwirkung zu verzeichnen. Vielmehr entfaltet \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 Satz\u00a01 EStG i.V.m. \u00a7\u00a052 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG vorliegend lediglich eine unechte R\u00fcckwirkung, die aufgrund der Besonderheiten des Streitfalls mit den Grunds\u00e4tzen grundrechtlichen und rechtsstaatlichen Vertrauensschutzes vereinbar ist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Eine unechte R\u00fcckwirkung liegt vor, soweit belastende Rechtsfolgen einer Norm erst nach ihrer Verk\u00fcndung eintreten, tatbestandlich aber &#8211;wie im Streitfall&#8211; von einem bereits ins Werk gesetzten Sachverhalt (die Vereinbarungen betreffend die Abfindung und deren F\u00e4lligkeit wurden vor Einf\u00fchrung des \u00a7\u00a050d Abs. 12 EStG geschlossen) ausgel\u00f6st werden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Eine solche tatbestandliche R\u00fcckankn\u00fcpfung ist mit den Grunds\u00e4tzen grundrechtlichen und rechtsstaatlichen Vertrauensschutzes (nur) vereinbar, wenn sie zur F\u00f6rderung des Gesetzeszwecks geeignet und erforderlich ist und wenn bei einer Gesamtabw\u00e4gung zwischen dem Gewicht des entt\u00e4uschten Vertrauens in den Fortbestand des Rechts und dem Gewicht und der Dringlichkeit der die Rechts\u00e4nderung rechtfertigenden Gr\u00fcnde die Grenze der Zumutbarkeit gewahrt bleibt (BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 07.07.2010\u00a0&#8211; 2\u00a0BvL\u00a01\/03, 2\u00a0BvL\u00a057\/06, 2\u00a0BvL\u00a058\/06, BVerfGE 127, 31, Rz\u00a069, und vom 14.12.2022\u00a0&#8211; 2\u00a0BvL\u00a07\/13, 2\u00a0BvL\u00a018\/14, BVerfGE 165, 103, Rz\u00a0101, m.w.N.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_20\">20<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) Soweit eine Rechts\u00e4nderung mit unechter R\u00fcckwirkung &#8211;wie vorliegend&#8211; f\u00fcr zuk\u00fcnftige Veranlagungszeitr\u00e4ume in Rede steht, ist f\u00fcr das Ma\u00df der Schutzw\u00fcrdigkeit eines Vertrauens auf das alte Recht zu ber\u00fccksichtigen, dass der Gesetzgeber im Einkommensteuerrecht Rechts\u00e4nderungen &#8211;dem Periodizit\u00e4tsprinzip entsprechend&#8211; typischerweise veranlagungszeitraumbezogen vornimmt (vgl. BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 07.07.2010\u00a0&#8211; 2\u00a0BvL\u00a01\/03, 2\u00a0BvL\u00a057\/06, 2\u00a0BvL\u00a058\/06, BVerfGE 127, 31, Rz\u00a078, und vom 25.03.2021\u00a0&#8211; 2\u00a0BvL\u00a01\/11, BVerfGE 157, 177, Rz\u00a069) und der Steuerpflichtige dies in Rechnung stellen muss. Die Schutzw\u00fcrdigkeit seines Vertrauens ist insoweit regelm\u00e4\u00dfig gemindert. Bei Dispositionen, deren Vollzug nicht mehr im laufenden Veranlagungszeitraum erfolgt, ist der Steuerpflichtige grunds\u00e4tzlich gehalten, selbst durch Vereinbarung entsprechender Anpassungsklauseln oder rechtsgesch\u00e4ftlicher M\u00f6glichkeiten zur Vertragsbeendigung Vorsorge f\u00fcr den Fall einer f\u00fcr ihn nachteiligen \u00c4nderung des Steuerrechts zu tragen (BVerfG-Beschluss vom 14.12.2022\u00a0&#8211; 2\u00a0BvL\u00a07\/13, 2\u00a0BvL\u00a018\/14, BVerfGE 165, 103, Rz\u00a0116, m.w.N.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_21\">21<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>d) Ausgehend von diesen Rechtsgrunds\u00e4tzen ist die durch \u00a7\u00a052 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG i.d.F. des \u00c4ndEUAmtshilfeRL\/MgGkuVUmsG angeordnete Anwendung des \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 EStG f\u00fcr das Streitjahr mit den grundrechtlichen und rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tzen des Vertrauensschutzes vereinbar.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_22\">22<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>aa) Der mit Wirkung zum Streitjahr eingef\u00fcgte \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 EStG soll die mit der bisherigen Abfindungsrechtsprechung des BFH zu grenz\u00fcberschreitenden Sachverhalten einhergehenden Besteuerungskonflikte vermeiden und das Entstehen unbesteuerter &#8220;wei\u00dfer Eink\u00fcnfte&#8221; verhindern (BTDrucks 18\/9956, S.\u00a014; BTDrucks 18\/10506, S.\u00a078). Zur F\u00f6rderung dieses Gesetzeszwecks ist die Neuregelung geeignet und erforderlich (vgl. Schmidt\/Loschelder, EStG, 44.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a050d Rz\u00a070; Brandis\/Heuermann\/Wagner, \u00a7\u00a050d EStG, Rz\u00a0185; BeckOK EStG\/Lampert, 23.\u00a0Ed. 01.11.2025, EStG \u00a7\u00a050d Rz\u00a0470.2). Denn sie weist das Besteuerungsrecht f\u00fcr Abfindungen, die anl\u00e4sslich der Beendigung eines Dienstverh\u00e4ltnisses gezahlt und im Ans\u00e4ssigkeitsstaat nicht besteuert werden, &#8220;im Zweifel&#8221; Deutschland als vormaligem T\u00e4tigkeitsstaat zu.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_23\">23<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>bb) Zudem ist bei der gebotenen Gesamtabw\u00e4gung zwischen dem Gewicht des entt\u00e4uschten Vertrauens der Kl\u00e4gerin in den Fortbestand des Rechts und dem Gewicht und der Dringlichkeit der die Rechts\u00e4nderung rechtfertigenden Gr\u00fcnde im Streitfall die Grenze der Zumutbarkeit nicht \u00fcberschritten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_24\">24<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das bei Abschluss der &#8211;die Aufl\u00f6sungsvereinbarung vom 11.02.2016&#8211; erg\u00e4nzenden Vertragsabrede vom 29.03.2016, durch die die F\u00e4lligkeit der Abfindungszahlung auf Ende Januar 2017 hinausgeschoben wurde, bet\u00e4tigte Vertrauen der Kl\u00e4gerin in die bisherige Rechtslage (keine Besteuerung der Abfindung in Deutschland bei Ans\u00e4ssigkeit in Malta) verdient zwar grunds\u00e4tzlich verfassungsrechtlichen Schutz. Denn f\u00fcr einen Steuerpflichtigen hat die Frage, welches Steuerregime auf eine k\u00fcnftig zuflie\u00dfende Abfindung anzuwenden ist, eine erhebliche Bedeutung, weil sich erst daraus der f\u00fcr ihn letztlich entscheidende Nettoertrag ergibt (vgl. BVerfG-Beschluss vom 07.07.2010\u00a0&#8211; 2\u00a0BvL\u00a01\/03, 2\u00a0BvL\u00a057\/06, 2\u00a0BvL\u00a058\/06, BVerfGE 127, 31, Rz\u00a073).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_25\">25<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Gleichwohl \u00fcberwiegen bei der mit Blick auf die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der unechten R\u00fcckwirkung vorzunehmenden Abw\u00e4gung im Streitfall die mit der Einf\u00fchrung von \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 Satz\u00a01 EStG durch den Gesetzgeber verfolgten Interessen der Allgemeinheit an der Sicherung des Steuersubstrats der Bundesrepublik Deutschland und der Vermeidung einer etwaigen Nichtbesteuerung der Eink\u00fcnfte aus Abfindungen anl\u00e4sslich der Beendigung eines Dienstverh\u00e4ltnisses (vgl. BTDrucks 18\/9956, S.\u00a014; BTDrucks 18\/10506, S.\u00a078) das Vertrauen der Kl\u00e4gerin auf die Fortgeltung der bis zum 31.12.2016 geltenden Rechtslage.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_26\">26<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(1) Denn das Vertrauen der Kl\u00e4gerin in den Fortbestand der im Jahr 2016 geltenden Rechtslage \u00fcber den 31.12.2016 hinaus ist vorliegend zum einen deshalb gemindert, weil die Auszahlung der urspr\u00fcnglich im September 2016 f\u00e4lligen Abfindung nach den bindenden Feststellungen der Vorinstanz (\u00a7\u00a0118 Abs.\u00a02 FGO) ausschlie\u00dflich auf Wunsch der Kl\u00e4gerin in das Streitjahr und damit in einen anderen Veranlagungszeitraum verschoben wurde.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_27\">27<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(2) Zum anderen ist im Rahmen der Gesamtabw\u00e4gung zu ber\u00fccksichtigen, dass im M\u00e4rz 2016, und damit zu dem Zeitpunkt, zu dem die Kl\u00e4gerin die Auszahlung der Entsch\u00e4digung in das Streitjahr verlagert hat, damit zu rechnen war, dass der Gesetzgeber f\u00fcr Abfindungen, die anl\u00e4sslich der Beendigung eines Dienstverh\u00e4ltnisses gezahlt werden, eine abkommens\u00fcberschreibende Regelung zur Verhinderung wei\u00dfer Eink\u00fcnfte treffen wird. Denn die Finanzverwaltung und der Verordnungsgeber, zuletzt durch den Abschluss einer entsprechenden Konsultationsvereinbarung mit der Schweiz vom 17.03.2010 sowie durch den Erlass der Verordnung zur Umsetzung von Konsultationsvereinbarungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 20.12.2010 (Deutsch-Schweizerische Konsultationsvereinbarungsverordnung, BGBl I 2010, 2187), und der Gesetzgeber durch Einf\u00fchrung des \u00a7\u00a02 Abs.\u00a02 der Abgabenordnung mit dem Jahressteuergesetz 2010 hatten vergeblich versucht, die abkommensrechtliche Rechtsprechung des BFH zu \u00fcberschreiben und sich das Besteuerungsrecht f\u00fcr Abfindungszahlungen in grenz\u00fcberschreitenden Sachverhalten zu sichern (s. z.B. Schmidt, Internationale Steuer-Rundschau 2017, 197\u00a0f.; Brandis\/Heuermann\/Wagner, \u00a7\u00a050d EStG Rz\u00a0185; Schmidt\/Loschelder, EStG, 39.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a050d Rz\u00a070 &#8220;\u2026\u00a0Erhalt des inl\u00e4ndischen Steuersubstrats und Vermeidung der &#8216;vollst\u00e4ndigen Nichtbesteuerung'&#8221;; Sternberg in Kirchhof\/Kube\/Mellinghoff, EStG, \u00a7\u00a050d Rz\u00a0I\u00a01). Dem ist der BFH mit Urteil vom 10.06.2015\u00a0&#8211; I\u00a0R\u00a079\/13 (BFHE 250, 110, BStBl II 2016, 326) erneut entgegentreten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_28\">28<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(3) Angesichts dessen w\u00e4re die Kl\u00e4gerin im Rahmen ihrer selbstgew\u00e4hlten perioden\u00fcbergreifenden Gestaltung, die allein auf die steuerfreie Vereinnahmung der Abfindung zielte, gehalten gewesen, f\u00fcr den Fall einer f\u00fcr sie nachteiligen \u00c4nderung des Steuerrechts zum Jahreswechsel &#8211;insbesondere durch Vereinbarung einer geeigneten Anpassungsklausel (vgl. BVerfG-Beschluss vom 14.12.2022\u00a0&#8211; 2\u00a0BvL\u00a07\/13, 2\u00a0BvL\u00a018\/14, BVerfGE 165, 103, Rz\u00a0116\u00a0f.)&#8211; steuerliche Risikovorsorge f\u00fcr die streitgegenst\u00e4ndliche Abfindungszahlung zu treffen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_29\">29<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>cc) Aus dem BVerfG-Beschluss vom 07.07.2010\u00a0&#8211; 2\u00a0BvL\u00a01\/03, 2\u00a0BvL\u00a057\/06, 2\u00a0BvL\u00a058\/06 (BVerfGE 127, 31) zur r\u00fcckwirkenden Anwendung der sogenannten F\u00fcnftel-Regelung des \u00a7\u00a034 Abs.\u00a01 EStG folgt entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin nichts anderes. Denn dem Beschluss liegen ersichtlich andere Sachverhalte zugrunde.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_30\">30<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Zum einen war das Vertrauen der Steuerpflichtigen in den Fortbestand des Rechts in jenen F\u00e4llen anders als vorliegend ungemindert schutzw\u00fcrdig. Denn das veranlagungszeitraum\u00fcbergreifende Geschehen gr\u00fcndete dort auf dem Umstand, dass die Entlassungsentsch\u00e4digungen noch unter der Geltung von \u00a7\u00a034 EStG a.F. vereinbart wurden, die Dienstverh\u00e4ltnisse jedoch erst in sp\u00e4teren Veranlagungszeitr\u00e4umen unter der Geltung der neuen F\u00fcnftel-Regelung endeten und die Abfindungszahlungen &#8211;wie von Anbeginn vereinbart und allgemein \u00fcblich&#8211; mit der Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses ausgezahlt werden sollten und wurden. Die Auszahlung der Abfindungen stand folglich &#8211;anders als im Streitfall&#8211; nicht im Belieben des Steuerpflichtigen. Zum anderen stritten dort lediglich die Absicht, staatliche Mehreinnahmen zu erzielen, und der Abbau, wenn auch \u00fcberschie\u00dfender, so doch langj\u00e4hrig geduldeter Verg\u00fcnstigungseffekte, gegen die vertrauensw\u00fcrdige Rechtsposition der Abfindungsempf\u00e4nger, keine Steuermehrbelastung zu erfahren. Demgegen\u00fcber ist das mit der Regelung des \u00a7\u00a050d Abs.\u00a012 EStG verfolgte staatliche Interesse, das Entstehen unbesteuerter &#8220;wei\u00dfer Eink\u00fcnfte&#8221; zu verhindern (BTDrucks 18\/9956, S.\u00a014; BTDrucks 18\/10506, S.\u00a078), deutlich h\u00f6her zu gewichten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_31\">31<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>5. Das angefochtene Urteil ist auch nicht wegen eines Verfahrensfehlers aufzuheben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_32\">32<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Der von der Kl\u00e4gerin ger\u00fcgte Verfahrensmangel einer Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r (Art.\u00a0103 Abs.\u00a01 GG, \u00a7\u00a096 Abs.\u00a02 und \u00a7\u00a076 Abs.\u00a02 FGO) durch Erlass einer sogenannten \u00dcberraschungsentscheidung liegt nicht deshalb vor, weil das FG den Wegfall des Vertrauensschutzes im Hinblick auf eine Obliegenheit zur Vereinbarung einer Anpassungsklausel bejaht hat. Denn das FA hatte (zumindest \u00e4hnlich) bereits im Einspruchsverfahren argumentiert, dass es der Kl\u00e4gerin zuzumuten gewesen w\u00e4re, nach dem Gesetzesvorschlag des Bundesrats noch einmal eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber betreffend die R\u00fcckverlegung des Auszahlungszeitpunkts in das Jahr 2016 zu treffen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_33\">33<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Der erkennende Senat hat auch die von der Kl\u00e4gerin ger\u00fcgte Verletzung der Sachaufkl\u00e4rungspflicht (\u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 FGO) hinsichtlich der Verhandlungsmacht zur Durchsetzung einer Anpassungsklausel gepr\u00fcft. Er erachtet diese R\u00fcge indes nicht f\u00fcr durchgreifend und sieht insoweit von einer weiteren Begr\u00fcndung ab (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a06 Satz\u00a01 FGO).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_34\">34<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>6. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7\u00a0135 Abs.\u00a02 FGO.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-STRE202650067&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BFH_VI_R_3-24_STRE202650067.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NV: \u00a7 50d Abs. 12 des Einkommensteuergesetzes entfaltet keine verfassungsrechtlich unzul\u00e4ssige unechte R\u00fcckwirkung (&#8220;tatbestandliche R\u00fcckankn\u00fcpfung&#8221;), wenn eine Abfindung f\u00fcr den Verlust des Arbeitsplatzes nicht zum Ende des Arbeitsverh\u00e4ltnisses im September 2016, sondern auf Wunsch des Arbeitnehmers im Hinblick auf dessen geplanten Wegzug aus der Bundesrepublik Deutschland erst im Jahr 2017 ausgezahlt wird.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_crdt_document":""},"kji_country":[7802],"kji_court":[8473],"kji_chamber":[9791],"kji_year":[7610],"kji_subject":[7646],"kji_keyword":[8215,8476,8017],"kji_language":[7805],"class_list":["post-565284","kji_decision","type-kji_decision","status-publish","hentry","kji_country-allemagne","kji_court-bundesfinanzhof","kji_chamber-6-senat","kji_year-7610","kji_subject-divers","kji_keyword-leitsatz","kji_keyword-senat","kji_keyword-urteil","kji_language-allemand"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.4 (Yoast SEO v27.4) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>BFH 6. 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