{"id":568396,"date":"2026-04-15T13:06:52","date_gmt":"2026-04-15T11:06:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/tribunal-federal-suisse-15-decembre-2025-n-2c-53-2025\/"},"modified":"2026-04-15T13:06:52","modified_gmt":"2026-04-15T11:06:52","slug":"tribunal-federal-suisse-15-decembre-2025-n-2c-53-2025","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/zh-hans\/jurisprudences\/tribunal-federal-suisse-15-decembre-2025-n-2c-53-2025\/","title":{"rendered":"Tribunal f\u00e9d\u00e9ral suisse, 15 d\u00e9cembre 2025, n\u00b0 2C 53-2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<p>Bundesgericht<\/p>\n<p>Tribunal f\u00e9d\u00e9ral<\/p>\n<p>Tribunale federale<\/p>\n<p>Tribunal federal<\/p>\n<p>2C_53\/2025<\/p>\n<p>Urteil vom 15. Dezember 2025<\/p>\n<p>II. \u00f6ffentlich-rechtliche Abteilung<\/p>\n<p>Besetzung<\/p>\n<p>Bundesrichter Donzallaz, pr\u00e4sidierendes Mitglied,<\/p>\n<p>Bundesrichterin H\u00e4nni, Bundesrichter Kradolfer,<\/p>\n<p>Gerichtsschreiberin Braun.<\/p>\n<p>Verfahrensbeteiligte<\/p>\n<p>A.________,<\/p>\n<p>Beschwerdef\u00fchrerin,<\/p>\n<p>vertreten durch Rechtsanw\u00e4ltin Alice Isepponi,<\/p>\n<p>gegen<\/p>\n<p>Amt f\u00fcr Migration und Zivilrecht<\/p>\n<p>des Kantons Graub\u00fcnden,<\/p>\n<p>Karlihof 4, 7000 Chur,<\/p>\n<p>Departement f\u00fcr Justiz, Sicherheit<\/p>\n<p>und Gesundheit Graub\u00fcnden,<\/p>\n<p>Hofgraben 5, 7001 Chur.<\/p>\n<p>Gegenstand<\/p>\n<p>Aufenthaltsbewilligung,<\/p>\n<p>Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts<\/p>\n<p>des Kantons Graub\u00fcnden, 1. Kammer, vom<\/p>\n<p>26. November 2024 (U 23 73).<\/p>\n<p>Sachverhalt:<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>A.a. Die \u00e4thiopische Staatsangeh\u00f6rige A.________ (geb. 1983) reiste gem\u00e4ss eigenen Angaben am 25. Juli 2011 in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Mit Entscheid des Bundesamtes f\u00fcr Migration (seit 1. Januar 2015: Staatssekretariat f\u00fcr Migration) vom 29. Januar 2014 wurde das Asylgesuch wegen fehlender Fl\u00fcchtlingseigenschaft abgelehnt. Die von A.________ dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 23. Januar 2015 ab, soweit es darauf eintrat. In der Folge setzte ihr das Staatssekretariat f\u00fcr Migration eine Ausreisefrist bis am 25. Februar 2015 an. A.________ weigerte sich, die Schweiz zu verlassen. Am 25. Februar 2015 beantragte sie Nothilfe und wurde einem Ausreisezentrum zugewiesen.<\/p>\n<p>Die von A.________ am 7. M\u00e4rz 2018 ersuchte Wiedererw\u00e4gung des ablehnenden Asylentscheids wurde sowohl vom Staatssekretariat f\u00fcr Migration (mit Verf\u00fcgung vom 25. Juni 2018) als auch vom Bundesverwaltungsgericht (mit Urteil vom 6. August 2018) abgewiesen.<\/p>\n<p>Mit Verf\u00fcgung vom 30. Januar 2020 trat das Staatssekretariat f\u00fcr Migration auf den Antrag um Anerkennung der Fl\u00fcchtlingseigenschaft und Gew\u00e4hrung von Asyl nicht ein und wies das erneute Wiedererw\u00e4gungsgesuch von A.________ ab. Das Bundesverwaltungsgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil vom 11. M\u00e4rz 2020 ab.<\/p>\n<p>A.b. Mit Schreiben vom 27. Oktober 2020 ersuchte A.________ beim Amt f\u00fcr Migration und Zivilrecht des Kantons Graub\u00fcnden (nachfolgend: Migrationsamt) um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen eines schwerwiegenden pers\u00f6nlichen H\u00e4rtefalls gem\u00e4ss Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31). Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die mit dem Gesuch eingereichte Zusicherung einer Arbeitsstelle bei der B.________ GmbH nicht mehr aktuell war, liess sie dem Migrationsamt eine neue Arbeitszusicherung der C.________ vom 8. November 2021 zukommen. In der Folge unterbreitete das Migrationsamt dem Staatssekretariat f\u00fcr Migration am 15. November 2021 den Antrag f\u00fcr die Pr\u00fcfung eines schwerwiegenden H\u00e4rtefalls und stellte am 23. November 2021 die Aufenthaltsbewilligung mit einer G\u00fcltigkeitsdauer bis zum 22. November 2022 aus. Das Staatssekretariat f\u00fcr Migration teilte mit Schreiben vom 29. November 2021 mit, dass es der Bewilligung vorerst f\u00fcr ein Jahr zustimmen k\u00f6nne. Zudem wies es darauf hin, dass bei einer erneuten Unterbreitung in einem Jahr insbesondere die Voraussetzungen &quot;Integration im ersten Arbeitsmarkt&quot; und &quot;Bem\u00fchungen zur Verbesserung der Kenntnisse der deutschen Sprache&quot; erf\u00fcllt sein m\u00fcssen (Art. 105 Abs. 2 BGG).<\/p>\n<p>A.c. Das Migrationsamt ersuchte die C.________ mit Schreiben vom 9. Juni 2022 um Zustellung der Lohnabrechnungen von A.________. Mit E-Mail vom 22. Juni 2022 teilte diese dem Migrationsamt mit, dass A.________ sich lediglich beworben und nicht bei ihr gearbeitet habe, woraufhin das Migrationsamt A.________ mit Schreiben vom 18. Juli 2022 das rechtliche Geh\u00f6r bez\u00fcglich Pr\u00fcfung des Widerrufs der Aufenthaltsbewilligung (wegen Erschleichens der Bewilligungserteilung durch falsche Angaben) und Wegweisung aus der Schweiz gew\u00e4hrte. Dazu nahm A.________ am 5. August 2022 Stellung.<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Mit Verf\u00fcgung vom 25. August 2022 widerrief das Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligung von A.________. Sie wurde aus der Schweiz weggewiesen und verpflichtet, die Schweiz bis zum 15. Oktober 2022 zu verlassen.<\/p>\n<p>Gegen diese Verf\u00fcgung erhob A.________ mit Eingabe vom 23. September 2022 Beschwerde beim Departement f\u00fcr Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graub\u00fcnden (nachfolgend: Departement), das die Beschwerde mit Verf\u00fcgung vom 3. Oktober 2023 abwies, den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung best\u00e4tigte und auf den Eventualantrag um Beantragung der vorl\u00e4ufigen Aufnahme nicht eintrat. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Z\u00fcrich-Sihl am 3. M\u00e4rz 2023 in Sachen A.________ bez\u00fcglich T\u00e4uschung der Beh\u00f6rden eine Nichtanhandnahmeverf\u00fcgung erlassen.<\/p>\n<p>Dagegen erhob A.________ mit Eingabe vom 6. November 2023 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graub\u00fcnden (nachfolgend: Verwaltungsgericht). Dieses wies die Beschwerde mit Urteil vom 26. November 2024 ab, soweit es darauf eintrat. Nicht eingetreten ist es auf das Eventualbegehren der Beantragung der vorl\u00e4ufigen Aufnahme beim Staatssekretariat f\u00fcr Migration (dort E. 12).<\/p>\n<p>C.<\/p>\n<p>Mit Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom 21. Januar 2025 gelangt A.________ an das Bundesgericht. Sie beantragt die Aufhebung des Urteils des Verwaltungsgerichts vom 26. November 2024, der Departementsverf\u00fcgung vom 3. Oktober 2023 und der Verf\u00fcgung des Migrationsamts vom 25. August 2022. Zudem sei das Migrationsamt anzuweisen, ihre Aufenthaltsbewilligung nicht zu widerrufen bzw. ihr diese zu belassen bzw. zu verl\u00e4ngern. Eventualiter sei das Migrationsamt anzuweisen, beim Staatssekretariat f\u00fcr Migration ihre vorl\u00e4ufige Aufnahme zu beantragen. In prozessualer Hinsicht ersucht sie um die Erteilung der aufschiebenden Wirkung.<\/p>\n<p>Mit Pr\u00e4sidialverf\u00fcgung vom 24. Januar 2025 wurde der Beschwerde antragsgem\u00e4ss aufschiebende Wirkung zuerkannt.<\/p>\n<p>Das Verwaltungsgericht (seit der Zusammenf\u00fchrung mit dem Kantonsgericht des Kantons Graub\u00fcnden per 1. Januar 2025: Obergericht des Kantons Graub\u00fcnden) und das Departement verzichten auf eine Vernehmlassung und beantragen die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden k\u00f6nne. Demgegen\u00fcber lassen sich das Migrationsamt und das Staatssekretariat f\u00fcr Migration nicht vernehmen.<\/p>\n<p>Erw\u00e4gungen:<\/p>\n<p>1.<\/p>\n<p>Das Bundesgericht pr\u00fcft die Eintretensvoraussetzungen von Amtes wegen (Art. 29 Abs. 1 BGG) und mit freier Kognition (BGE 151 II 68 E. 1; 150 II 346 E. 1.1; 150 III 248 E. 1).<\/p>\n<p>1.1. Auf dem Gebiet des Ausl\u00e4nderrechts ist die Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen Entscheide betreffend ausl\u00e4nderrechtliche Bewilligungen nur zul\u00e4ssig, wenn das Bundesrecht oder das V\u00f6lkerrecht einen Anspruch auf die Bewilligung einr\u00e4umt (Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG e contrario). Dasselbe gilt f\u00fcr Bewilligungsentscheide auf dem Gebiet des Asyls, die von einer kantonalen Vorinstanz getroffen wurden (Art. 83 lit. d Ziff. 2 BGG e contrario). F\u00fcr das Eintreten gen\u00fcgt, dass die betroffene Person in vertretbarer Weise darlegt, potenziell \u00fcber einen Bewilligungsanspruch zu verf\u00fcgen. Ob die Voraussetzungen des Bewilligungsanspruchs tats\u00e4chlich vorliegen, ist indes nicht Gegenstand der Eintretensfrage, sondern der materiellen Beurteilung (vgl. BGE 147 I 268 E. 1.2.7; 139 I 330 E. 1.1; 136 II 177 E. 1.1).<\/p>\n<p>Gegen Entscheide betreffend den Widerruf von Aufenthaltsbewilligungen ist die Beschwerde praxisgem\u00e4ss unabh\u00e4ngig vom Vorhandensein eines Bewilligungsanspruchs zul\u00e4ssig, soweit die Bewilligung ohne den Widerruf weiterhin Rechtswirkungen entfalten w\u00fcrde (vgl. BGE 135 II 1 E. 1.2.1; Urteile 2C_26\/2024 vom 19. Januar 2024 E. 2.2; 2C_282\/2023 vom 14. Dezember 2023 E. 4.5).<\/p>\n<p>1.2. Die widerrufene H\u00e4rtefallbewilligung gem\u00e4ss Art. 14 Abs. 2 AsylG wurde der Beschwerdef\u00fchrerin urspr\u00fcnglich mit einer G\u00fcltigkeitsdauer bis zum 22. November 2022 ausgestellt (vgl. A.b hiervor). Infolge ihres Ablaufs entfaltet diese asylrechtliche Bewilligung somit ungeachtet ihres Widerrufs keine Rechtswirkungen mehr. Entsprechend ist die Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nur zul\u00e4ssig, wenn die Beschwerdef\u00fchrerin in vertretbarer Weise darlegt, potenziell \u00fcber einen Bewilligungsanspruch zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>1.3. Vorwegzunehmen ist, dass das (angebliche) Erf\u00fcllen der vom Staatssekretariat f\u00fcr Migration in seinem Schreiben vom 29. November 2021 genannten Voraussetzungen (vgl. A.b hiervor) entgegen der Auffassung der Beschwerdef\u00fchrerin keinen Anspruch auf Verl\u00e4ngerung der asylrechtlichen H\u00e4rtefallbewilligung, auf deren Erteilung gerade kein Anspruch besteht (vgl. Urteile 2C_150\/2024 vom 25. September 2024 E. 1.3.1, nicht publ. in BGE 151 II 237; 2C_479\/2023 vom 6. Februar 2024 E. 1.4.1; siehe auch FLORENCE AUBRY GIRARDIN, in: Commentaire de la LTF, 3. Aufl. 2022, N. 70 zu Art. 83 BGG), begr\u00fcndet. Insofern steht die Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten also nicht zur Verf\u00fcgung (vgl. Art. 83 lit. d Ziff. 2 BGG).<\/p>\n<p>1.4. Die Beschwerdef\u00fchrerin beruft sich weiter auf einen Bewilligungsanspruch gest\u00fctzt auf das in Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Familienleben.<\/p>\n<p>1.4.1. Sie macht geltend, sie f\u00fchre seit 2016 eine Beziehung mit ihrem religi\u00f6s getrauten Ehemann, der am 30. Januar 2020 vorl\u00e4ufig in der Schweiz aufgenommen worden sei. Im Fr\u00fchling 2025 werde ihm voraussichtlich eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Ab 2017 h\u00e4tten sie im Ausreisezentrum ein Zimmer geteilt, seit Dezember 2021 w\u00fcrden sie in einer gemeinsamen Wohnung leben. Die Beziehung zu ihrem Lebenspartner komme einer Ehe gleich und falle daher unabh\u00e4ngig von seinem Aufenthaltsstatus in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK.<\/p>\n<p>1.4.2. Unter dem Aspekt des Familienlebens ist Art. 8 EMRK ber\u00fchrt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tats\u00e4chlich gelebte famili\u00e4re Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeintr\u00e4chtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres m\u00f6glich bzw. zumutbar w\u00e4re, ihr Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 144 I 266 E. 3.3; 144 II 1 E. 6.1; 139 I 330 E. 2.1).<\/p>\n<p>Der sich hier aufhaltende Familienangeh\u00f6rige muss nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung \u00fcber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verf\u00fcgen, was praxisgem\u00e4ss der Fall ist, wenn er das Schweizer B\u00fcrgerrecht besitzt, ihm die Niederlassungsbewilligung gew\u00e4hrt wurde oder er \u00fcber eine Aufenthaltsbewilligung verf\u00fcgt, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht (BGE 144 I 266 E. 3.3; 144 II 1 E. 6.1). Unter bestimmten Umst\u00e4nden kann aber auch eine rechtm\u00e4ssige Anwesenheit infolge einer vorl\u00e4ufigen Aufnahme oder aufgrund eines pers\u00f6nlichen H\u00e4rtefalls ein gefestigtes Aufenthaltsrecht begr\u00fcnden (vgl. BGE 146 I 185 E. 5.2 mit Hinweisen; Urteile 2C_800\/2022 vom 7. Dezember 2022 E. 2.3; 2D_19\/2022 vom 16. November 2022 E. 1.2.2). Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn von vornherein feststeht, dass die H\u00e4rtefallbewilligung f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Zeitraum verl\u00e4ngert wird, oder wenn die Situation des vorl\u00e4ufig aufgenommenen Ausl\u00e4nders angesichts der Anzahl der in der Schweiz verbrachten Jahre als hinreichend stabil bzw. gefestigt erscheint (vgl. Urteile 2C_800\/2022 vom 7. Dezember 2022 E. 2.3 f. [verneint bei einem Aufenthalt von rund sieben Jahren, davon drei im Asylverfahren, drei als vorl\u00e4ufig Aufgenommener und eines mit H\u00e4rtefallbewilligung]; 2D_19\/2022 vom 16. November 2022 E. 1.2.2 f. [bejaht bei einem Aufenthalt von rund 25 Jahren, davon 12 als vorl\u00e4ufig Aufgenommener und 13 mit Aufenthaltsbewilligung]; siehe ferner BGE 146 I 185 E. 5.3 [bejaht bei einem Aufenthalt von rund 18 Jahren, davon neun als vorl\u00e4ufig Aufgenommener und neun mit einer Aufenthaltsbewilligung]).<\/p>\n<p>Zum gesch\u00fctzten Familienkreis geh\u00f6rt in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderj\u00e4hrigen Kindern (BGE 144 I 266 E. 3.3 mit Hinweisen). In den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallen aber auch nicht rechtlich begr\u00fcndete famili\u00e4re Verh\u00e4ltnisse, sofern eine gen\u00fcgend nahe, echte und tats\u00e4chlich gelebte Beziehung besteht (Urteil 2C_173\/2025 vom 4. September 2025 E. 3.1; vgl. auch BGE 144 II 1 E. 6.1; 135 I 143 E. 3.1).<\/p>\n<p>1.4.3. Vor diesem Hintergrund gilt es als Erstes zu kl\u00e4ren, ob der Lebenspartner der Beschwerdef\u00fchrerin \u00fcber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Soweit ersichtlich (vgl. E. 6.6 des angefochtenen Urteils) lebt dieser seit Sommer 2015 in der Schweiz. Nach dem negativen Abschluss seines Asylverfahrens im Februar 2018 wurde er am 30. Januar 2020 vorl\u00e4ufig aufgenommen. Diese Massnahme ist im Rahmen eines Einbezugs in die vorl\u00e4ufige Aufnahme seines Kindes, dessen Mutter eritreische Staatsangeh\u00f6rige ist, erfolgt. Ob ihm im Fr\u00fchling 2025 tats\u00e4chlich eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde, wie dies die Beschwerdef\u00fchrerin in Aussicht gestellt hatte, ist nicht bekannt.<\/p>\n<p>Angesichts der konkreten Verh\u00e4ltnisse, namentlich der erst rund zehnj\u00e4hrigen Aufenthaltsdauer, wovon nur etwa die H\u00e4lfte im Rahmen einer vorl\u00e4ufigen Aufnahme erfolgte, erscheint seine Situation im gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt nicht als gen\u00fcgend stabil, um von einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz ausgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>1.4.4. Mangels eines gefestigten Anwesenheitsrechts ihres Lebenspartners kann sich die Beschwerdef\u00fchrerin nicht in vertretbarer Weise auf einen Anspruch auf Familiennachzug gem\u00e4ss Art. 8 EMRK berufen. Offen bleiben kann demzufolge, ob ihre Beziehung \u00fcberhaupt in den gesch\u00fctzten Familienkreis f\u00e4llt.<\/p>\n<p>1.4.5. Andere potenzielle Bewilligungsanspr\u00fcche sind weder ersichtlich noch geltend gemacht. Insbesondere h\u00e4lt sich die Beschwerdef\u00fchrerin noch keine zehn Jahre rechtm\u00e4ssig in der Schweiz auf (abgesehen von der Anwesenheit w\u00e4hrend des Asylverfahrens, die jedoch nicht als rechtm\u00e4ssige Anwesenheit gilt, hat sie sich bis zur Erteilung der H\u00e4rtefallbewilligung am 23. November 2021 unrechtm\u00e4ssig in der Schweiz aufgehalten; vgl. BGE 149 I 72 E. 2.1.4) und ist keine besonders ausgepr\u00e4gte Integration erkennbar, womit ein Aufenthaltsanspruch gest\u00fctzt auf das Recht auf Achtung des Privatlebens nach Art. 8 EMRK ausser Betracht f\u00e4llt (vgl. BGE 149 I 207 E. 5.3.2; 144 I 266 E. 3). Damit ist die Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hinsichtlich ihres Hauptbegehrens unzul\u00e4ssig (vgl. Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG).<\/p>\n<p>1.5. In ihrem Eventualantrag ersucht die Beschwerdef\u00fchrerin um die Anweisung des Migrationsamts, ihre vorl\u00e4ufige Aufnahme beim Staatssekretariat f\u00fcr Migration zu beantragen. Antr\u00e4ge betreffend die vorl\u00e4ufige Aufnahme sind direkt an das Staatssekretariat f\u00fcr Migration zu richten (Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]) und das Beschwerdeverfahren f\u00e4llt in den Kompetenzbereich des Bundesverwaltungsgerichts (Art. 31 VGG [SR 173.32] i.V.m. Art. 5 VwVG [SR 172.021]). Auch diesbez\u00fcglich steht die Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nicht offen (Art. 83 lit. c Ziff. 3 BGG).<\/p>\n<p>1.6. Zu pr\u00fcfen ist, ob die Eingabe als subsidi\u00e4re Verfassungsbeschwerde (Art. 113 ff. BGG) an die Hand genommen werden kann.<\/p>\n<p>1.6.1. Die Beschwerdef\u00fchrerin erhebt keine R\u00fcgen bez\u00fcglich verfahrensrechtlicher Anspr\u00fcche, deren Verletzung einer formellen Rechtsverweigerung gleichkommt und die das Gericht von der Bewilligungsfrage getrennt beurteilen kann (&quot;Star&quot;-Praxis; vgl. BGE 149 I 72 E. 3.1; 137 II 305 E. 2; Urteil 2C_528\/2024 vom 28. August 2025 E. 1.4.2). Allerdings macht sie geltend, eine R\u00fcckkehr nach \u00c4thiopien sei ihr als alleinstehende Frau &#8211; ihr vorl\u00e4ufig aufgenommener Partner bleibe ja in der Schweiz &#8211; nicht zumutbar, weil sie dort der Gefahr sexualisierter Gewalt ausgesetzt sei. Beg\u00fcnstigende Faktoren wie eine h\u00f6here Bildung, finanzielle Mittel oder die Unterst\u00fctzung durch ein soziales Netzwerk, die ihr die Reintegration im Herkunftsland erm\u00f6glichen w\u00fcrden, l\u00e4gen nicht vor.<\/p>\n<p>1.6.2. Im Rahmen der subsidi\u00e4ren Verfassungsbeschwerde k\u00f6nnen zwar gegen das Verneinen von Vollzugshindernissen durch die kantonalen Beh\u00f6rden besondere verfassungsm\u00e4ssige Rechte wie etwa der Schutz des Lebens (Art. 10 Abs. 1 BV; Art. 2 EMRK) oder das Verbot jeder Art grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung (Art. 10 Abs. 3 BV; Art. 3 EMRK) geltend gemacht werden, die unmittelbar ein rechtlich gesch\u00fctztes Interesse im Sinne von Art. 115 lit. b BGG verschaffen (vgl. BGE 137 II 305 E. 3.3; Urteile 2D_1\/2025 vom 14. Oktober 2025 E. 1.2.1; 2C_528\/2024 vom 28. August 2025 E. 1.4.2). Solche R\u00fcgen tr\u00e4gt die Beschwerdef\u00fchrerin jedoch nicht bzw. nicht in einer der qualifizierten R\u00fcge- und Begr\u00fcndungspflicht gem\u00e4ss Art. 106 Abs. 2 i.V.m. Art. 117 BGG gen\u00fcgenden Weise vor. Insbesondere gelingt es ihr mit den allgemein gehaltenen Ausf\u00fchrungen zur schwierigen Situation alleinstehender Frauen in \u00c4thiopien, wie sie im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-106\/2023 vom 20. September 2023 E. 7.3.1 (mit Verweis auf BVGE 2011\/25) umschrieben wurde, nicht, eine ernsthafte und konkrete Lebensgefahr oder das Risiko einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Falle einer R\u00fcckkehr in ihr Heimatland substanziiert darzutun (vgl. Urteil 2C_331\/2024 vom 15. Juli 2025 E. 4.4; siehe ferner Urteil 2C_18\/2025 vom 2. Oktober 2025 E. 3.3.9). So ist nur schon fraglich, ob sie \u00fcberhaupt als alleinstehende Frau wahrgenommen und den entsprechenden Stigmatisierungen zum Opfer fallen w\u00fcrde, ist sie doch immerhin religi\u00f6s verheiratet. Da die Beschwerdef\u00fchrerin vor ihrer \u00dcbersiedelung in die Schweiz fast dreissig Jahre lang in \u00c4thiopien gelebt hat, ist \u00fcberdies zweifelhaft, ob sie tats\u00e4chlich nicht auf ein soziales Netzwerk (m\u00f6glicherweise auch aus der Sph\u00e4re ihres Lebenspartners) zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnte, wie sie es behauptet. Ausserdem steht es ihr frei, in eine (tendenziell aufgeschlossenere) urbane Umgebung zu ziehen. Unter diesen Umst\u00e4nden ist jedenfalls nicht ersichtlich, inwiefern eine R\u00fcckkehr nach \u00c4thiopien f\u00fcr die Beschwerdef\u00fchrerin alleine aufgrund der Lebensbedingungen, denen alleinstehende Frauen dort allgemein ausgesetzt sind, ein konkretes Risiko unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung bergen soll.<\/p>\n<p>1.6.3. Mangels eines rechtlich gesch\u00fctzten Interesses im Sinne von Art. 115 lit. b BGG kann auf die Eingabe auch nicht als subsidi\u00e4re Verfassungsbeschwerde eingetreten werden.<\/p>\n<p>2.<\/p>\n<p>2.1. Nach dem Dargelegten ist auf das Rechtsmittel der Beschwerdef\u00fchrerin &#8211; sei es als Beschwerde in \u00f6ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, sei es als subsidi\u00e4re Verfassungsbeschwerde &#8211; nicht einzutreten.<\/p>\n<p>2.2. Die unterliegende Beschwerdef\u00fchrerin tr\u00e4gt die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens (Art. 66 Abs. 1 BGG). Parteientsch\u00e4digungen sind nicht geschuldet (Art. 68 Abs. 1 und Abs. 3 BGG).<\/p>\n<p>Demnach erkennt das Bundesgericht:<\/p>\n<p>1.<\/p>\n<p>Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.<\/p>\n<p>2.<\/p>\n<p>Die Gerichtskosten von Fr. 2&#039;000.&#8211; werden der Beschwerdef\u00fchrerin auferlegt.<\/p>\n<p>3.<\/p>\n<p>Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Obergericht des Kantons Graub\u00fcnden, Erste verfassungs- und verwaltungsrechtliche Kammer, und dem Staatssekretariat f\u00fcr Migration mitgeteilt.<\/p>\n<p>Lausanne, 15. Dezember 2025<\/p>\n<p>Im Namen der II. \u00f6ffentlich-rechtlichen Abteilung<\/p>\n<p>des Schweizerischen Bundesgerichts<\/p>\n<p>Das pr\u00e4sidierende Mitglied: Y. Donzallaz<\/p>\n<p>Die Gerichtsschreiberin: E. Braun<\/p>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"https:\/\/search.bger.ch\/ext\/eurospider\/live\/fr\/php\/aza\/http\/index.php?lang=fr&#038;type=highlight_simple_query&#038;page=5&#038;from_date=&#038;to_date=&#038;sort=relevance&#038;insertion_date=&#038;top_subcollection_aza=all&#038;query_words=zivilrecht&#038;rank=48&#038;azaclir=aza&#038;highlight_docid=aza%3A%2F%2F15-12-2025-2C_53-2025&#038;number_of_ranks=2022\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Source officielle Tribunal federal suisse. 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