{"id":660135,"date":"2026-04-23T14:45:01","date_gmt":"2026-04-23T12:45:01","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundessozialgericht-1-senat-beschluss-2022-08-18-b-1-kr-56-22-b\/"},"modified":"2026-04-23T14:45:01","modified_gmt":"2026-04-23T12:45:01","slug":"bundessozialgericht-1-senat-beschluss-2022-08-18-b-1-kr-56-22-b","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/zh-hans\/jurisprudences\/bundessozialgericht-1-senat-beschluss-2022-08-18-b-1-kr-56-22-b\/","title":{"rendered":"Bundessozialgericht, 1. Senat, Beschluss, 2022-08-18, B 1 KR 56\/22 B"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wird das Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 24. Mai 2022 aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landessozialgericht zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Der Streitwert f\u00fcr das Beschwerdeverfahren wird auf 8196,75 Euro festgesetzt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Gr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>I. Die Beteiligten streiten \u00fcber die Erstattung der Verg\u00fctung einer station\u00e4ren Krankenhausbehandlung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Eine bei der klagenden KK Versicherte wurde im Jahr 2014 vollstation\u00e4r im Evangelischen Krankenhaus W1 behandelt, dessen Tr\u00e4gerin die Evangelische Krankenhaus W2 gGmbH mit Sitz in der P, W3 ist. Am 8.11.2018 ist beim SG Dortmund ein als &#8220;Klage&#8221; bezeichnetes Schreiben der KK eingegangen. Es enth\u00e4lt ein Rubrum, in dem die KK als Kl\u00e4gerin und als Beklagte die Diakonie R gGmbH, W4, B bezeichnet sind, n\u00e4here Angaben zum Gegenstand der Klage, einen Klageantrag sowie eine kurze Begr\u00fcndung. Ebenfalls angegeben sind das Institutionskennzeichen (IK-Nr) 260590652 mit dem Vermerk &#8220;Ev.-Krankenhaus&#8221;, die Versicherte, die Versichertennummer (KV-Nr), der R\u00fcckforderungsbetrag (8196,75 Euro) und der Behandlungszeitraum. Die Angaben befinden sich teilweise in grau hinterlegten Textfeldern. Das Schreiben tr\u00e4gt weder Briefkopf noch Datum, der zust\u00e4ndige Sachbearbeiter und Verfasser ist nicht angegeben und das Schreiben tr\u00e4gt auch keine Unterschrift. Das SG Dortmund ist benannt, erg\u00e4nzend ist aber nur dessen Fax-Nummer angegeben. Mit Schriftsatz vom 19.6.2019 hat die inzwischen anwaltlich vertretene KK beantragt, das Passivrubrum zu berichtigen und in Evangelische Krankenhaus W2 gGmbH zu \u00e4ndern, hilfsweise die Klage im Wege der Klage\u00e4nderung entsprechend umzustellen. Das SG hat die KK nach vorl\u00e4ufiger Pr\u00fcfung darauf hingewiesen, dass es sich vorliegend um eine Klage\u00e4nderung handeln d\u00fcrfte. Die Beklagte stimmte der Klage\u00e4nderung nicht zu. Das SG hat die Klage mit der Begr\u00fcndung abgewiesen, sie sei bereits nicht wirksam erhoben worden <em>(Gerichtsbescheid vom 21.7.2021)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Im Berufungsverfahren hat die KK beantragt, den Gerichtsbescheid des SG zu \u00e4ndern, das Passivrubrum von Amts wegen zu \u00e4ndern und die Evangelische Krankenhaus W2 gGmbH als Beklagte zu f\u00fchren, den Gerichtsbescheid des Sozialgerichts abzu\u00e4ndern und die Beklagte zu verurteilen, an die Kl\u00e4gerin 8196,75 Euro zuz\u00fcglich Zinsen in H\u00f6he von zwei Prozentpunkten \u00fcber dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 7.7.2015 zu zahlen. Das LSG hat die Berufung der KK zur\u00fcckgewiesen. Der erforderliche Klageerhebungswille sei objektiv anhand des Schreibens vom 8.11.2018 nicht erkennbar gewesen. Zwar sei f\u00fcr dessen Vorliegen keine Unterschrift erforderlich; er k\u00f6nne auch auf andere Weise ersichtlich sein. Bei einer K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts seien aber h\u00f6here Anforderungen zu stellen als bei nat\u00fcrlichen Personen. In der Gesamtschau sei danach nur von einem Entwurf auszugehen. Hierf\u00fcr spreche die Formatierung mit grau hinterlegten Textteilen und das Fehlen eines Briefkopfes, aus dem der Urheber des Schreibens hervorgehe. Eine Auslegung sp\u00e4terer Schrifts\u00e4tze als Klageerhebung komme nach der ausdr\u00fccklichen Klarstellung der Kl\u00e4gerin, dass nur am 8.11.2018 Klage habe erhoben werden sollen, nicht in Betracht; sie sei im \u00dcbrigen ohnehin fernliegend. Die Berichtigung des Passivrubrums scheide unabh\u00e4ngig davon aus <em>(Urteil vom 24.5.2022)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die KK wendet sich mit ihrer Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des LSG und beantragt erneut die \u00c4nderung des Passivrubrums von Amts wegen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>II. Die zul\u00e4ssige Beschwerde der klagenden KK ist begr\u00fcndet. Das Urteil des LSG beruht auf einem Verfahrensmangel <em>(Revisionszulassungsgrund des \u00a7 160 Abs 2 Nr 3 SGG; dazu 2.)<\/em>, den die KK entsprechend den Anforderungen des \u00a7 160a Abs 2 Satz 3 SGG bezeichnet <em>(dazu 1.)<\/em>. Die ausdr\u00fccklich erhobene R\u00fcge der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtssache ist dagegen unzul\u00e4ssig <em>(Revisionszulassungsgrund des \u00a7 160 Abs 2 Nr 1 SGG; dazu 3.)<\/em>. Dies er\u00f6ffnet dem Senat die M\u00f6glichkeit der Zur\u00fcckverweisung der Sache an das LSG nach \u00a7 160a Abs 5 SGG <em>(dazu 4.). <\/em>Die Voraussetzungen f\u00fcr eine Berichtigung des Passivrubrums von Amts wegen im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren liegen nicht vor <em>(dazu 5.)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Nach \u00a7 160 Abs 2 Nr 3 SGG ist die Revision nur zuzulassen, wenn ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann. Die KK bezeichnet den geltend gemachten Verfahrensmangel der gebotenen Sachentscheidung \u00fcber eine nach \u00a7\u00a7 90, 92 SGG wirksam erhobene, zul\u00e4ssige Klage anstelle des ergangenen Prozessurteils hinreichend.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Wird eine Nichtzulassungsbeschwerde darauf gest\u00fctzt, dass ein Verfahrensmangel iS von \u00a7 160 Abs 2 Nr 3 SGG vorliege, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen k\u00f6nne, m\u00fcssen f\u00fcr die Bezeichnung des Verfahrensmangels die ihn begr\u00fcndenden Tatsachen substantiiert dargetan werden. Dar\u00fcber hinaus ist die Darlegung erforderlich, dass und warum die Entscheidung des LSG ausgehend von dessen materieller Rechtsansicht auf dem Mangel beruhen kann, dass also die M\u00f6glichkeit einer Beeinflussung der Entscheidung besteht <em>(stRspr; vgl BSG vom 3.3.2022 &#8211; B 9 V 37\/21 B &#8211; juris RdNr 8; BSG vom 1.2.2017 &#8211; B 5 R 312\/16 B &#8211; juris RdNr 12; BSG vom 29.9.1975 &#8211; 8 BU 64\/75 &#8211; SozR 1500 \u00a7 160a Nr 14)<\/em>. Diese Begr\u00fcndungsanforderungen erf\u00fcllt die Beschwerde der KK. Die KK hat zwar ausdr\u00fccklich nur eine Grundsatzr\u00fcge erhoben. Die von \u00a7 160a Abs 2 Satz 3 SGG geforderte Bezeichnung des Verfahrensmangels erfordert allerdings nicht, dass der ger\u00fcgte Verfahrensmangel ausdr\u00fccklich als Verfahrensmangel bezeichnet, also ausdr\u00fccklich die R\u00fcge eines Verfahrensmangels erhoben wird. Denn auch sich auf einen Verfahrensmangel beziehende Fragen von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung und deren Begr\u00fcndungen k\u00f6nnen implizit zugleich Verfahrensm\u00e4ngel bezeichnen. Dies ist hier der Fall. Die KK macht geltend, das LSG habe ihr unter Berufung auf die Voraussetzungen der \u00a7\u00a7 90, 92 SGG den Rechtsweg abgeschnitten. Sie begr\u00fcndet auch ausf\u00fchrlich, warum das LSG aufgrund der konkreten Umst\u00e4nde einen Klageerhebungswillen nicht h\u00e4tte verneinen d\u00fcrfen und zu einer Entscheidung in der Sache h\u00e4tte gelangen m\u00fcssen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Die Beschwerde ist auch begr\u00fcndet. Das LSG h\u00e4tte in der Sache entscheiden m\u00fcssen. Das Ergehen eines Prozessurteils anstatt des gebotenen Sachurteils ist ein Verfahrensmangel iS des \u00a7 160 Abs 2 Nr 3 SGG <em>(stRspr; vgl nur BSG vom 27.10.1955 &#8211; 4 RJ 105\/54 &#8211; BSGE 1, 283; BSG vom 19.5.2021 &#8211; B 14 AS 389\/20 B &#8211; juris RdNr 6)<\/em>. Von einem fortwirkenden Verfahrensmangel ist auszugehen, wenn anstelle eines erstinstanzlichen Prozessurteils eine Sachentscheidung h\u00e4tte ergehen m\u00fcssen und das LSG das Prozessurteil des SG best\u00e4tigt <em>(vgl BSG vom 17.12.2019 &#8211; B 8 SO 8\/19 B &#8211; RdNr 6 mwN)<\/em>. So liegt der Fall hier. Das LSG-Urteil beruhte auch auf diesem Verfahrensmangel.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Zwar ergibt sich die fehlende Sachentscheidung nicht bereits aus dem Tenor des angefochtenen Urteils, mit dem das LSG die Berufung &#8220;zur\u00fcckgewiesen&#8221; hat. Um den Sinn der Urteilsformel zu ermitteln, sind die Entscheidungsgr\u00fcnde aber mit heranzuziehen <em>(so zu einem vergleichbaren Fall bereits BSG vom 27.10.1955 &#8211; 4 RJ 105\/54 &#8211; BSGE 1, 283, 285)<\/em>. Danach hat hier das LSG teilweise unter Bezugnahme auf die Gr\u00fcnde des Gerichtsbescheids schon die Rechtsh\u00e4ngigkeit einer Klage durch den am 8.11.2018 eingegangenen Schriftsatz der KK verneint. Damit hat es nicht zur Sache entschieden, sondern ein Prozessurteil erlassen <em>(vgl zum \u00e4hnlich gelagerten Fall der fehlerhaften Feststellung der Klager\u00fccknahme als Verfahrensfehler BSG vom 14.5.2020 &#8211; B 14 AS 73\/19 B &#8211; juris RdNr 9; BSG vom 5.7.2018 &#8211; B 8 SO 50\/17 B &#8211; juris RdNr 4; beide Entscheidungen zur Klager\u00fccknahmefiktion; BFH vom 11.7.2007 &#8211; XI R 1\/07 &#8211; BFHE 218, 20 = juris RdNr 13 f)<\/em>. Zu Unrecht ist das LSG hierbei davon ausgegangen, es sei nicht feststellbar, dass die KK an diesem Tag den Willen zur Erhebung der Klage gehabt habe.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Ob und in welchem Umfang eine Klage erhoben ist, ist durch Auslegung zu ermitteln, f\u00fcr die die Auslegungsregel des \u00a7 133 BGB gilt. Hierf\u00fcr sind auch die in der Klageschrift enthaltenen Angaben zu ber\u00fccksichtigen. Fehlt es an einer eindeutigen und zweifelsfreien Erkl\u00e4rung des Gewollten, hat das Gericht darauf hinzuwirken, dass der Kl\u00e4ger die Zweifel beseitigt. Ist dies nicht mehr rechtzeitig m\u00f6glich, ist rechtlich ma\u00dfgebender Erkl\u00e4rungsinhalt der Wille des Erkl\u00e4renden, wenn er innerhalb der Klagefrist in der Erkl\u00e4rung einen erkennbaren, wenn auch unvollkommenen Ausdruck gefunden hat. Entscheidend ist der objektive Erkl\u00e4rungswert, dh wie das Gericht und die \u00fcbrigen Prozessbeteiligten bei Ber\u00fccksichtigung aller ihnen erkennbaren Umst\u00e4nde das Rechtsschutzbegehren verstehen m\u00fcssen <em>(vgl BSG vom 9.8.2006 &#8211; B 12 KR 22\/05 R &#8211; juris RdNr 19 mwN; BFH vom 12.5.1981 &#8211; VIII R 24\/78 &#8211; juris RdNr 10)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Nach diesem Ma\u00dfstab handelt es sich bei dem am 8.11.2018 beim SG eingegangenen Schreiben um eine von der KK willentlich an das SG gesandte Klageschrift und nicht blo\u00df um einen Entwurf. Ungeachtet des ungew\u00f6hnlichen Erscheinungsbildes erf\u00fcllt das Schreiben alle an eine Klageschrift nach dem SGG zu stellenden Anforderungen. Das Schreiben der KK vom 8.11.2018 ist als Klage bezeichnet und nach \u00a7 57 Abs 1 Satz 2, \u00a7 90 SGG beim zust\u00e4ndigen SG eingegangen <em>(dazu a)<\/em>. Es enth\u00e4lt s\u00e4mtliche von \u00a7 92 Abs 1 Satz 1 SGG geforderten Muss-Angaben sowie weitere Soll-Angaben <em>(dazu b)<\/em>. Auch aus dem untypischen Erscheinungsbild der Klageschrift kann nicht abgeleitet werden, dass der KK der Klageerhebungswille fehlte. Es spricht vielmehr alles daf\u00fcr, dass die formalen Besonderheiten allein den allgemein bekannten, au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden des Zustandekommens des Gesetzes zur St\u00e4rkung des Pflegepersonals <em>(Pflegepersonal-St\u00e4rkungsgesetz &lt;PpSG&gt; vom 11.12.2018, BGBl I 2394)<\/em> geschuldet sind. Dies war f\u00fcr die Vorinstanzen und das beklagte Krankenhaus erkennbar <em>(dazu c)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) \u00a7 57 Abs 1 Satz 2 SGG bestimmt ua, dass der Sitz der juristischen Person des Privatrechts ma\u00dfgeblich f\u00fcr die \u00f6rtliche Zust\u00e4ndigkeit des SG ist, wenn eine K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts klagt. Die Klage ist nach \u00a7 90 SGG bei dem zust\u00e4ndigen Gericht schriftlich oder zu Protokoll des Urkundsbeamten der Gesch\u00e4ftsstelle zu erheben. Hier klagt eine KK als \u00f6ffentlich-rechtliche K\u00f6rperschaft gegen eine GmbH als (vermeintliche) Krankenhaustr\u00e4gerin, die ihren Sitz im Bezirk des SG hat. Das Schreiben vom 8.11.2018 ist ausdr\u00fccklich als &#8220;KLAGE&#8221; bezeichnet. Es ist an das \u00f6rtlich zust\u00e4ndige SG gerichtet und dort auch eingegangen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Die Klage muss nach \u00a7 92 Abs 1 Satz 1 SGG den Kl\u00e4ger, den Beklagten und den Gegenstand des Klagebegehrens bezeichnen. Dies ist hier der Fall. Die Angaben der KK sind sehr pr\u00e4zise und bestimmen den Streitgegenstand klar. Benannt werden als Kl\u00e4gerin &#8220;V Krankenkasse, vertreten durch ihren Vorstand Herrn W5, U, B&#8221; und als Beklagte die &#8220;Diakonie R gGmbH&#8221; mit Adresse. Au\u00dferdem werden die genaue H\u00f6he des Erstattungsbetrags (8196,75 Euro), der Name der Versicherten mit Geburtsdatum, der Behandlungszeitraum und die &#8220;KV-Nr&#8221; zur Individualisierung des Sachverhalts angegeben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Schreiben enth\u00e4lt au\u00dferdem einen ausdr\u00fccklichen, konkret formulierten Klageantrag <em>(Soll-Angabe nach \u00a7 92 Abs 1 Satz 3 SGG)<\/em>. Die Klage ist, wenn auch knapp, begr\u00fcndet. Die KK habe ohne Rechtsgrund 8196,75 Euro gezahlt. Deshalb stehe ihr ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Erstattungsanspruch zu. Das Schreiben schlie\u00dft mit dem Satz: &#8220;Die weitere Begr\u00fcndung der Klage erfolgt zeitnah.&#8221;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Unerheblich ist die fehlende Unterschrift. Denn \u00a7 92 Abs 1 Satz 3 SGG bestimmt nur, dass die Klage vom Kl\u00e4ger oder einer zu seiner Vertretung befugten Person mit Orts- und Zeitangabe unterzeichnet sein soll, aber nicht muss. Gleiches gilt f\u00fcr die n\u00e4here Darlegung der Tatsachen zur Begr\u00fcndung des geltend gemachten Erstattungsanspruchs <em>(Soll-Angabe nach \u00a7 92 Abs 1 Satz 4 SGG)<\/em>.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) Die klagende KK sah sich durch das Vorgehen des Gesetzgebers bei der Verk\u00fcrzung der Verj\u00e4hrungsregelungen durch das PpSG im Gesetzgebungsverfahren mit der Aufgabe konfrontiert, binnen weniger Tage Erstattungsforderungen durch mehrere hundert Klagen bis zum 9.11.2018 rechtsh\u00e4ngig zu machen, um den Eintritt der Verj\u00e4hrung zu verhindern, nachdem der entsprechende \u00c4nderungsantrag erst zwei Tage zuvor im Bundestagsausschuss eingebracht worden war. Dies d\u00fcrfte einzelne formale M\u00e4ngel im Erscheinungsbild der Klageschrift erkl\u00e4ren.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">Art 7 Nr 8a <em>(\u00a7 109 Abs 5 SGB V)<\/em> und Nr 20 <em>(\u00a7 325 SGB V aF)<\/em> des PpSG bestimmen:<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">&#8220;\u00a7 109 Abs 5 SGB V: Anspr\u00fcche der Krankenh\u00e4user auf Verg\u00fctung erbrachter Leistungen und Anspr\u00fcche der Krankenkassen auf R\u00fcckzahlung von geleisteten Verg\u00fctungen verj\u00e4hren in zwei Jahren nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem sie entstanden sind. Dies gilt auch f\u00fcr Anspr\u00fcche der Krankenkassen auf R\u00fcckzahlung von geleisteten Verg\u00fctungen, die vor dem 1. Januar 2019 entstanden sind. Satz 1 gilt nicht f\u00fcr Anspr\u00fcche der Krankenh\u00e4user auf Verg\u00fctung erbrachter Leistungen, die vor dem 1. Januar 2019 entstanden sind. F\u00fcr die Hemmung, die Ablaufhemmung, den Neubeginn und die Wirkung der Verj\u00e4hrung gelten die Vorschriften des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs entsprechend.&#8221;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">&#8220;\u00a7 325 SGB V aF: Die Geltendmachung von Anspr\u00fcchen der Krankenkassen auf R\u00fcckzahlung von geleisteten Verg\u00fctungen ist ausgeschlossen, soweit diese vor dem 1. Januar 2017 entstanden sind und bis zum 9. November 2018 nicht gerichtlich geltend gemacht wurden.&#8221;<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Diese Regelungen beruhten auf im Ausschussverfahren zum Entwurf des PpSG eingebrachten \u00c4nderungsantr\u00e4gen der Fraktionen der CDU\/CSU und der SPD vom 5.10.2018 <em>(Ausschuss-Drucks 19[14]38.1)<\/em>. Ein \u00c4nderungsantrag betraf die Verk\u00fcrzung der Verj\u00e4hrung nach \u00a7 109 Abs 5 SGB V. Diese \u00c4nderung sollte auch r\u00fcckwirkend und ohne \u00dcbergangsvorschrift wirksam werden, sodass vor 2017 entstandene Anspr\u00fcche im Zeitpunkt des Inkrafttretens des PpSG zum 1.1.2019 verj\u00e4hrt w\u00e4ren. Der Ausschuss f\u00fcr Gesundheit \u00fcbernahm in seinen Empfehlungen diesen Antrag im Wesentlichen, \u00e4nderte ihn aber insoweit ab, als er die R\u00fcckwirkung der neuen Verj\u00e4hrungsregelung nur f\u00fcr Forderungen der KKn und in einem neuen \u00a7 325 SGB V eine &#8220;\u00dcbergangsregelung&#8221; vorsah, die es den KKn erm\u00f6glichte, bis zum Tag der 2.\/3. Lesung des PpSG vor 2017 entstandene Anspr\u00fcche bei den SGen verj\u00e4hrungshemmend rechtsh\u00e4ngig zu machen <em>(BT-Drucks 19\/5593 S 54)<\/em>. Die Ausschussdrucksache datiert vom 7.11.2018, die 2.\/3. Lesung erfolgte am 9.11.2018. Die \u00dcbergangsfrist betrug danach genau zwei Tage.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Angesichts dieses zeitlichen Ablaufs und des damit einhergehenden enormen Zeitdrucks, der auf den KKn lastete, war es nachvollziehbar, dass es nicht allen KKn gelingen werde, die in gro\u00dfer Zahl zu erstellenden Klageschriften in der erwarteten formalen Qualit\u00e4t zu fertigen. Der Zeitdruck geht hier insbesondere aus den Textbausteinen mit ihren grau hinterlegten Freifeldern hervor, die individuell ausgef\u00fcllt werden mussten und von der KK auch ausgef\u00fcllt wurden. Die Klageschrift l\u00e4sst ihrem Inhalt nach keinen Zweifel an dem Willen der KK erkennen, am 8.11.2018 einen bestimmten Anspruch auf Erstattung gezahlter Behandlungskosten gegen die Beklagte gerichtlich durchsetzen zu wollen. Gerade der Zeitpunkt des Zugangs des Schreibens beim SG spricht ma\u00dfgeblich daf\u00fcr, dass es der KK darum ging, innerhalb des vorgenannten engen zeitlichen Korridors ihre Rechte zu wahren. Hinzu kommt, dass nicht blo\u00df die hier vorliegende Klageschrift, sondern zumindest etliche Erstattungsforderungsklagen der klagenden KK, die im Zeitfenster bis zum 9.11.2018 bei Gericht eingingen, dasselbe ungewohnte formale Erscheinungsbild hatten. Dies steht der Annahme entgegen, dass das vorliegende Schreiben vom 8.11.2018 durch ein Versehen zum SG gelangt sein k\u00f6nnte. All dies war hier f\u00fcr die Gerichte und die Beklagte erkennbar. Hingegen sind sonstige Umst\u00e4nde nicht dargetan und auch sonst nicht ersichtlich, weshalb die KK einen Grund gehabt haben k\u00f6nnte, die Verj\u00e4hrung der von ihr behaupteten Erstattungsforderung eintreten zu lassen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_20\">20<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>3. Wer sich auf den Zulassungsgrund der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtssache beruft, muss eine Rechtsfrage klar formulieren und ausf\u00fchren, inwiefern diese Frage im angestrebten Revisionsverfahren kl\u00e4rungsf\u00e4hig (entscheidungserheblich) sowie kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig und \u00fcber den Einzelfall hinaus von Bedeutung ist <em>(vgl zB BSG vom 17.4.2012 &#8211; B 13 R 347\/11 B &#8211; SozR 4-2600 \u00a7 72 Nr 5 RdNr 17 mwN; zur verfassungsrechtlichen Unbedenklichkeit dieses Ma\u00dfstabs BVerfG vom 14.4.2010 &#8211; 1 BvR 2856\/07 &#8211; SozR 4-1500 \u00a7 160a Nr 24 RdNr 5 ff mwN)<\/em>. Dem wird das Beschwerdevorbringen nicht gerecht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_21\">21<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">Die KK formuliert als Rechtsfragen:<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">1) Steht die Verwendung von erkennbaren Textbausteinen\/ auszuf\u00fcllenden Feldern im Rubrum einer Klageschrift einer ordnungsgem\u00e4\u00dfen Klageerhebung gem. \u00a7\u00a7 90, 92 SGG entgegen?<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">2) Kann aus dem Erscheinungsbild einer Klageschrift, das auf Verwendung erkennbarer Textbausteine\/ auszuf\u00fcllender Felder basiert, und eines fehlenden Datums hergeleitet werden, dass kein ernsthafter Wille beseht, Rechtsschutz in Anspruch nehmen zu wollen, soweit die nach \u00a7 92 SGG erforderlichen <strong>&#8220;Muss&#8221;<\/strong>&#8211; Bestandteile einer Klageschrift erf\u00fcllt sind?<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_22\">22<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die KK verweist auf h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung <em>(BSG vom 9.8.2006 &#8211; B 12 KR 22\/05 R &#8211; juris)<\/em>. Sie setzt sich aber nicht mit der weiteren h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung auseinander <em>(vgl dazu 2.)<\/em>. Sie zeigt keine eventuell verbliebene Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit auf. Mit den (Rechts-) Fragen greift die KK in der Sache nur die Auslegung der Klageschrift durch das LSG an. Die richtige Subsumtion eines Sachverhalts unter verfahrensrechtliche Regelungen und der sie pr\u00e4zisierenden h\u00f6chstrichterlichen Obers\u00e4tze hat selbst dann keine grunds\u00e4tzliche Bedeutung, wenn es eine Vielzahl gleichgelagerter rechtsh\u00e4ngiger Sachverhalte gibt. Die unrichtige Anwendung von gekl\u00e4rten Verfahrensregelungen ist allein Gegenstand der Verfahrensr\u00fcge.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_23\">23<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>4. Nach \u00a7 160a Abs 5 SGG kann das BSG in dem Beschluss \u00fcber die Nichtzulassungsbeschwerde das angefochtene Urteil aufheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das LSG zur\u00fcckverweisen, wenn die Voraussetzungen des \u00a7 160 Abs 2 Nr 3 SGG vorliegen, was &#8211; wie ausgef\u00fchrt &#8211; hier der Fall ist. Der Senat macht von dieser M\u00f6glichkeit Gebrauch.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_24\">24<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>5. Es kann offenbleiben, ob und unter welchen Voraussetzungen einem Antrag auf Berichtigung des Rubrums im Rahmen einer Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision prozessrechtlich nachgegangen werden kann. Insoweit mag ein Antrag auf Urteilsberichtigung nach \u00a7 138 SGG vorrangig sein <em>(vgl BSG vom 10.1.2005 &#8211; B 2 U 294\/04 B &#8211; juris)<\/em>. Jedenfalls im vorliegenden Fall kommt eine \u00c4nderung des Passivrubrums aber von vornherein nicht in Betracht <em>(vgl zu einem gleich gelagerten Fall BSG vom 22.6.2022 &#8211; B 1 KR 41\/22 B)<\/em>. Die Diakonie R gGmbH ist eine juristische Person des Privatrechts, die unstreitig nicht Tr\u00e4gerin des Evangelischen Krankenhauses W1 ist, in dem die Versicherte der KK behandelt wurde. Die KK hat die Beklagte in der Klageschrift nicht lediglich falsch bezeichnet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_25\">25<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Auch f\u00fcr die Frage, wer nach dem Willen des Kl\u00e4gers Beklagter sein soll, ist der objektive Erkl\u00e4rungswert entscheidend, dh wie das Gericht und die \u00fcbrigen Prozessbeteiligten bei Ber\u00fccksichtigung aller ihnen erkennbaren Umst\u00e4nde das Rechtsschutzbegehren verstehen m\u00fcssen <em>(vgl BAG vom 21.9.2006 &#8211; 2 AZR 573\/05 &#8211; AP Nr 58 zu \u00a7 4 KSchG 1969 = juris RdNr 25)<\/em>. F\u00fcr die Ermittlung der Beteiligten durch Auslegung ihrer Bezeichnung sind nicht nur die im Rubrum der Klageschrift enthaltenen Angaben, sondern auch der gesamte Inhalt der Klageschrift einschlie\u00dflich etwaiger beigef\u00fcgter Anlagen zu ber\u00fccksichtigen. Dabei gilt der Grundsatz, dass die Klageerhebung gegen den in Wahrheit gemeinten Beteiligten nicht an dessen fehlerhafter Bezeichnung scheitern darf, wenn diese M\u00e4ngel in Anbetracht der jeweiligen Umst\u00e4nde letztlich keine vern\u00fcnftigen Zweifel an dem wirklich Gewollten aufkommen lassen. Er greift auch dann, wenn statt der richtigen Bezeichnung irrt\u00fcmlich die Bezeichnung einer tats\u00e4chlich existierenden (juristischen oder nat\u00fcrlichen) Person gew\u00e4hlt wird, solange nur aus dem Inhalt der Klageschrift und etwaigen Anlagen unzweifelhaft deutlich wird, welcher Beteiligte tats\u00e4chlich gemeint ist. Von der fehlerhaften Beteiligtenbezeichnung zu unterscheiden ist dagegen die irrt\u00fcmliche Benennung der falschen, am materiellen Rechtsverh\u00e4ltnis nicht beteiligten Person als Beteiligter; diese wird Beteiligter, weil es entscheidend auf den Willen des Kl\u00e4gers so, wie er objektiv ge\u00e4u\u00dfert ist, ankommt <em>(vgl BGH vom 24.1.2013 &#8211; VII ZR 128\/12 &#8211; MDR 2013, 420, RdNr 13)<\/em>. Hierbei sind jedenfalls erg\u00e4nzend auch die Angaben des Kl\u00e4gers im Prozess dann zu ber\u00fccksichtigen, wenn sie sich im Einklang mit den sich aus der Klageschrift ergebenden objektiven Umst\u00e4nden befinden. Entscheidend ist damit die Wahrung der rechtlichen Identit\u00e4t zwischen dem urspr\u00fcnglich bezeichneten und dem tats\u00e4chlich gemeinten Beklagten. Bleibt der Beklagte nicht derselbe, schlie\u00dft dies eine Rubrumsberichtigung aus, weil dann mit dem Rubrumsberichtigungsantrag im Wege des Beteiligtenwechsels ein anderer Beklagter in den Prozess eingef\u00fchrt werden soll <em>(vgl BAG vom 21.2.2002 &#8211; 2 AZR 55\/01 &#8211; EzA \u00a7 4 nF KSchG Nr 63 = juris RdNr 18)<\/em>. So verh\u00e4lt es sich hier.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_26\">26<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Klageschrift bezeichnete vorliegend als Beklagte ausdr\u00fccklich und eindeutig die Diakonie R gGmbH. Der Klageschrift waren keine Unterlagen und Rechnungen oder sonstige Anlagen beigef\u00fcgt, die zur Auslegung dieser Angabe heranzuziehen gewesen w\u00e4ren. Auch eine Verwaltungsakte der KK war der Klage nicht beigef\u00fcgt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_27\">27<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die KK wollte danach zwar die Rechtstr\u00e4gerin des Krankenhauses verklagen, befand sich jedoch im Irrtum \u00fcber dessen organisatorisch-rechtliche Ausgestaltung. Hieran \u00e4ndert auch die Angabe der IK-Nr des Krankenhauses in der Klageschrift nichts. Nach \u00a7 293 Abs 6 SGB V f\u00fchren der Spitzenverband Bund der KKn und die Deutsche Krankenhausgesellschaft ein bundesweites Verzeichnis der Standorte der nach \u00a7 108 SGB V zugelassenen Krankenh\u00e4user und ihrer Ambulanzen. Das Institutionskennzeichen gibt zwar nicht unmittelbar und ohne Weiteres Aufschluss \u00fcber den Rechtstr\u00e4ger des Krankenhauses <em>(vgl zu \u00e4hnlichen Konstellationen LSG Berlin-Brandenburg vom 10.6.2021 &#8211; L 9 KR 424\/20 &#8211; juris RdNr 21; LSG Berlin-Brandenburg vom 22.1.2021 &#8211; L 9 KR 370\/19 &#8211; juris RdNr 19)<\/em>. Das Institutionskennzeichen ist kein Rechtstr\u00e4gerkennzeichen. Mit ihm l\u00e4sst sich aber der Rechtstr\u00e4ger des Krankenhauses relativ schnell ermitteln. Die KK hat sich jedoch bewusst daf\u00fcr entschieden, einen bestimmten, wenngleich den falschen Rechtstr\u00e4ger dem Institutionskennzeichen zuzuordnen, also sich eine Auffassung \u00fcber den vermeintlich richtigen Beklagten gebildet und diese zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_28\">28<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"3\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">7. Die Kostenentscheidung bleibt dem LSG vorbehalten. Die Entscheidung \u00fcber den Streitwert beruht auf \u00a7 197a Abs 1 Satz 1 Teilsatz 1 SGG iVm \u00a7 63 Abs 2 Satz 1, \u00a7 52 Abs 1 und 3, \u00a7 47 Abs 1 und 3 GKG.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">Schlegel<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Scholz<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:justify\">zugleich f\u00fcr den an der <br \/>Unterschrift gehinderten <br \/>Richter Estelmann<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KSRE135580619&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BSG_B_1_KR_56-22_B_KSRE135580619.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tenor Auf die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wird das Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 24. 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Senat, Beschluss, 2022-08-18, B 1 KR 56\/22 B - Ma\u00eetre Hassan Kohen, avocat en droit p\u00e9nal \u00e0 Paris<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kohenavocats.com\/zh-hans\/jurisprudences\/bundessozialgericht-1-senat-beschluss-2022-08-18-b-1-kr-56-22-b\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"zh_CN\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bundessozialgericht, 1. Senat, Beschluss, 2022-08-18, B 1 KR 56\/22 B\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Tenor Auf die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wird das Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 24. Mai 2022 aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landessozialgericht zur\u00fcckverwiesen. Der Streitwert f\u00fcr das Beschwerdeverfahren wird auf 8196,75 Euro festgesetzt. Gr\u00fcnde 1 I. 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