{"id":689384,"date":"2026-04-26T04:12:25","date_gmt":"2026-04-26T02:12:25","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-2-strafsenat-beschluss-2021-06-10-2-str-104-21\/"},"modified":"2026-04-26T04:12:25","modified_gmt":"2026-04-26T02:12:25","slug":"bundesgerichtshof-2-strafsenat-beschluss-2021-06-10-2-str-104-21","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/zh-hans\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-2-strafsenat-beschluss-2021-06-10-2-str-104-21\/","title":{"rendered":"Bundesgerichtshof, 2. Strafsenat, Beschluss, 2021-06-10, 2 StR 104\/21"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Gera vom 1. Dezember 2020, soweit es ihn betrifft, mit den Feststellungen aufgehoben<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">a) im Ausspruch \u00fcber die verh\u00e4ngte Freiheitsstrafe,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">b) soweit die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet und<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">c) der Vorwegvollzug von einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe vor der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet worden sind.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch \u00fcber die Kosten des Rechtsmittels und die dem Nebenkl\u00e4ger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>2. Die weitergehende Revision wird verworfen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Gr\u00fcnde<\/h3>\n<div>Das Landgericht hat den Angeklagten wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt und ausgesprochen, dass sechs Monate der verh\u00e4ngten Freiheitsstrafe als vollstreckt gelten. Ferner hat es ihn in einer Entziehungsanstalt untergebracht und angeordnet, dass ein Jahr und drei Monate der Freiheitsstrafe vor der erkannten Ma\u00dfregel zu vollziehen sind. Die auf die R\u00fcge der Verletzung formellen und materiellen Rechts gest\u00fctzte Revision des Angeklagten erzielt den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Erfolg. Im \u00dcbrigen ist sie unbegr\u00fcndet (<\/p>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\u00a7 349 Abs. 2 StPO<\/dd>\n<\/dl>\n<p>).<\/p>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Die Verfahrensr\u00fcgen versagen aus den in der Zuschrift des Generalbundesanwalts dargestellten Gr\u00fcnden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Die \u00dcberpr\u00fcfung des Schuldspruchs hat keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben. Hingegen halten der Strafausspruch und die Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt rechtlicher Pr\u00fcfung nicht stand.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Der Strafausspruch begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken, weil die Strafkammer eine erheblich verminderte Schuldf\u00e4higkeit des Angeklagten nicht rechtsfehlerfrei ausgeschlossen hat.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>aa) Die sachverst\u00e4ndig beratene Strafkammer hat festgestellt, eine \u201eam 7.4.2017 um 00:55 Uhr entnommene Blutprobe [habe] einen Wert von 1,87 \u2030 aufgewiesen, woraus sich f\u00fcr den Tatzeitpunkt eine minimale Blutalkoholkonzentration von ca. 2,1 \u2030 und eine maximale Blutalkoholkonzentration von ca. 2,8 \u2030 errechnen lasse\u201c. Feststellungen zu einem Nachtrunk hat sie nicht getroffen. Eine erhebliche Verminderung der Schuldf\u00e4higkeit des Angeklagten hat sie im Anschluss an die Ausf\u00fchrungen des Sachverst\u00e4ndigen aufgrund folgender Umst\u00e4nde verneint:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Der Angeklagte habe sich eingelassen, er habe noch gerade laufen k\u00f6nnen und habe auch alles mitbekommen. Der am Tatort ermittelnde Polizeibeamte habe ausgef\u00fchrt, der Angeklagte sei zwar ordentlich angetrunken, aber dennoch klar gewesen und habe noch seine Aussage machen k\u00f6nnen. Er sei noch Herr seiner Sinne gewesen, habe aufrecht stehen, sich ordnungsgem\u00e4\u00df artikulieren und Treppen steigen k\u00f6nnen. Ein Zeuge, der am Tattag mit dem Angeklagten Alkohol konsumiert hatte, habe keinerlei alkoholbedingte Auff\u00e4lligkeiten bei diesem wahrgenommen. Zwar weise das Protokoll \u00fcber die Blutentnahme aus, dass der Angeklagte durch eine verwaschene Sprache, stark erweiterte Pupillen, schwankenden Gang, grobschl\u00e4gigen Drehnystagmus, benommenes Bewusstsein, sprunghaften Denkablauf und redseliges Verhalten aufgefallen sei. Jedoch sei auch vermerkt worden, dass die pl\u00f6tzliche Kehrtwendung (nach vorherigem Gehen) sicher, die Finger-Pr\u00fcfung sicher, die Finger-Nasen-Pr\u00fcfung sicher, die Pupillenreaktion prompt und die Stimmung unauff\u00e4llig gewesen sei. Der Angeklagte habe hinsichtlich des Tatabends keinen Filmriss gehabt. Er sei daher trotz der festgestellten hohen Blutalkoholkonzentration ausreichend entscheidungs- und steuerungsf\u00e4hig gewesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>bb) Diese Erw\u00e4gungen tragen den Ausschluss einer erheblichen Verminderung der Schuldf\u00e4higkeit des Angeklagten nicht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(1) (a) Die Urteilsgr\u00fcnde lassen bereits offen, von welchem Tatzeitpunkt die Strafkammer \u2013 gegebenenfalls zugunsten des Angeklagten \u2013 ausgegangen ist, um unter Zugrundelegung eines maximalen st\u00fcndlichen Abbauwertes von 0,2 \u2030 zuz\u00fcglich eines Sicherheitszuschlags von 0,2 \u2030 (vgl. BGH, Urteil vom 9. August 1988 \u2013 1 StR 231\/88, BGHSt 35, 308, 314) eine maximale Blutalkoholkonzentration von ca. 2,8 \u2030 zu errechnen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(b) Ein der R\u00fcckrechnung zugrunde gelegter Tatzeitpunkt erschlie\u00dft sich auch nicht aus der Gesamtheit der Urteilsgr\u00fcnde. Danach war der Tod des Opfers zwischen 20.35 Uhr und 21.20 Uhr am 6. April 2017 eingetreten. Todesurs\u00e4chlich war ein beidseitiger Pneumothorax, dessen Ausbildung sich nach den Urteilsfeststellungen \u201evon 30 bis zu 40 Minuten hinziehen k\u00f6nne\u201c. Dessen vollst\u00e4ndige Ausbildung f\u00fchre \u201ein einem Zeitfenster von 3 bis 10, h\u00f6chstens 15 Minuten\u201c zum Tode. Der fr\u00fchestm\u00f6gliche Tatzeitpunkt w\u00e4re damit 19.40 Uhr, so dass bis zur Blutentnahme f\u00fcnf Stunden und f\u00fcnfzehn Minuten vergangen w\u00e4ren. Danach l\u00e4ge die r\u00fcckgerechnete Blutalkoholkonzentration bei 3,12 \u2030.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(c) Die \u2013 zutreffend berechnete \u2013 Blutalkoholkonzentration zur Tatzeit ist regelm\u00e4\u00dfig neben anderen ein gewichtiges Beweisanzeichen f\u00fcr eine m\u00f6gliche erhebliche Verminderung der Steuerungsf\u00e4higkeit (vgl. Senat, Beschluss vom 18. M\u00e4rz 1998 \u2013 2 StR 5\/98, BGHR StGB \u00a7 21 Blutalkoholkonzentration 35). Eine Blutalkoholkonzentration von mehr als 3 \u2030 legt die Annahme einer erheblichen Herabsetzung des Hemmungsverm\u00f6gens zur Tatzeit nahe (vgl. Senat, Urteil vom 14. Oktober 2015 \u2013 2 StR 115\/15, NStZ-RR 2016, 103, 104).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(2) Zudem hat das Landgericht bei der von ihm im Zuge der gebotenen Gesamtw\u00fcrdigung der r\u00fcckgerechneten Blutalkoholkonzentration und der weiteren psychodiagnostischen Beurteilungskriterien zur Beurteilung der Steuerungsf\u00e4higkeit (vgl. Senat, Urteil vom 14. Oktober 2015 \u2013 2 StR 115\/15, NStZ-RR 2016, 103, 104; Beschl\u00fcsse vom 2. Juli 2015 \u2013 2 StR 146\/15, NJW 2015, 3525, 3526; vom 30. April 2015 \u2013 2 StR 444\/14, NStZ 2015, 634) des an \u201eeiner mittleren bis schweren Alkoholkonsumst\u00f6rung (ICD-10: F 10.2)\u201c leidenden Angeklagten ma\u00dfgebliche Aspekte au\u00dfer Acht gelassen. Der Generalbundesanwalt hat hierzu in seiner Zuschrift zutreffend ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">\u201eDas Landgericht hat hierbei weder bedacht, dass der Frage der Alkoholgew\u00f6hnung als m\u00f6glichem Beweisanzeichen erhebliche Bedeutung zukommt. Noch hat es ber\u00fccksichtigt, dass das \u00e4u\u00dfere Leistungsverhalten und die innere Steuerungsf\u00e4higkeit bei hoher Alkoholgew\u00f6hnung weit auseinanderfallen k\u00f6nnen und selbst bei hochgradiger Alkoholisierung grobmotorische F\u00e4higkeiten erhalten geblieben sein k\u00f6nnen (vgl. Fischer, StGB, 68. Aufl., \u00a7 20 Rn. 23a mwN). Denn die vom Landgericht angef\u00fchrten Umst\u00e4nde belegen nur, dass die Steuerungsf\u00e4higkeit des Angeklagten nicht v\u00f6llig aufgehoben war; aus ihnen ist indes nicht mit gen\u00fcgender Sicherheit abzuleiten, dass eine Steuerungsf\u00e4higkeit nicht erheblich vermindert gewesen ist. Dazu h\u00e4tte es aussagekr\u00e4ftiger psychodiagnostischer Beweisanzeichen bedurft. Als solche sind nur Umst\u00e4nde in Betracht zu ziehen, die Hinweise darauf geben k\u00f6nnen, dass die Steuerungsf\u00e4higkeit des T\u00e4ters trotz erheblicher Alkoholisierung nicht in erheblichem Ma\u00dfe beeintr\u00e4chtigt gewesen ist (vgl. BGH, Beschl\u00fcsse vom 13. Mai 2015 \u2013 2 StR 160\/05, BGHR StGB \u00a7 21 Blutalkoholkonzentration 38, und vom 28. April 2009 \u2013 4 StR 95\/09, NStZ-RR 2009, 270). Eine alkoholische Beeinflussung mit der Folge erheblich verminderter Schuldf\u00e4higkeit ist indes weder zwingend noch regelm\u00e4\u00dfig von schweren ins Auge fallenden Ausfallerscheinungen begleitet (vgl. BGH, Beschluss vom 17. August 2011 \u2013 5 StR 255\/11, juris).\u201c<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(3) Die dargestellte Wertung der Strafkammer steht zudem in einem nicht aufgel\u00f6sten Widerspruch zu ihren Erw\u00e4gungen zur Gef\u00e4hrlichkeitsprognose nach \u00a7 64 StGB, bei der sie festgestellt hat, \u201eim Falle des Fortbestehens des Alkoholkonsums sei wegen des schnellen Kontrollverlustes bei hohem Alkoholkonsum in Verbindung mit der Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung des Angeklagten eine gro\u00dfe Wiederholungsgefahr gegeben im Sinne der Begehung von Straftaten gegen die k\u00f6rperliche Unversehrtheit Dritter.\u201c<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Die Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt gem\u00e4\u00df \u00a7 64 StGB h\u00e4lt rechtlicher Pr\u00fcfung nicht stand:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>aa) Die Begr\u00fcndung, mit der die Strafkammer die Annahme der Gefahr zuk\u00fcnftiger hangbedingt begangener rechtswidriger Taten des Angeklagten angenommen hat, erweist sich als durchgreifend rechtsfehlerhaft.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(1) Die Gefahr der zuk\u00fcnftigen Begehung erheblicher rechtswidriger und auf den Hang zur\u00fcckzuf\u00fchrender Straftaten setzt eine naheliegende Wahrscheinlichkeit voraus. Eine blo\u00dfe Wiederholungsm\u00f6glichkeit gen\u00fcgt nicht (vgl. BGH, Beschluss vom 9. Oktober 2019 \u2013 4 StR 367\/19, juris Rn. 6). F\u00fcr die Frage der Wiederholungsgefahr ist eine umfassende Gesamtabw\u00e4gung erforderlich (vgl. BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2018 \u2013 3 StR 386\/18, juris Rn. 11).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(2) Diesen Ma\u00dfst\u00e4ben werden die Urteilsgr\u00fcnde nicht gerecht. Der Generalbundesanwalt hat in seiner Zuschrift hierzu zutreffend ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">\u201eIn den tats\u00e4chlichen Feststellungen findet die Gefahr, der Angeklagte werde infolge seines Hangs erhebliche rechtswidrige Taten begehen (\u00a7 64 Satz 1 StGB), keine Grundlage. In den Urteilsgr\u00fcnden hat das Gericht hierzu lediglich ausgef\u00fchrt, es gehe \u2013 auch mit Blick auf die einschl\u00e4gige strafrechtliche Verurteilung \u2013 mit dem Sachverst\u00e4ndigen davon aus, dass die Gefahr f\u00fcr ein vergleichbares Delikt oder eine K\u00f6rperverletzung bestehe, wenn der Angeklagte weiterhin trinke, sofern er nicht zu einer stabilen suchtmittelabstinenten Lebensweise bef\u00e4higt werde. Im Falle des Fortsetzens des Alkoholkonsums sei wegen des schnellen Kontrollverlustes bei hohem Alkoholkonsum in Verbindung mit der Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung des Angeklagten eine gro\u00dfe Wiederholungsgefahr im Sinne der Begehung von Straftaten gegen die k\u00f6rperliche Unversehrtheit Dritter gegeben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">Diese \u00e4u\u00dferst knappen Ausf\u00fchrungen gen\u00fcgen nicht den an die Darlegung der Gefahrenprognose von Rechts wegen zu stellenden Anforderungen. Sie belegen nicht die Wahrscheinlichkeit, dass der Angeklagte hangbedingt erneut straff\u00e4llig werden wird. Zwar kann die von \u00a7 64 Satz 1 StGB geforderte Gefahr allein durch die Anlasstat begr\u00fcndet werden und wird durch eine hangbedingte schwere Gewalttat regelm\u00e4\u00dfig hinreichend belegt (vgl. BGH, Beschluss vom 22. Februar 2006 \u2013 5 StR 31\/06, NStZ-RR 2006, 204 mwN). Jedoch h\u00e4tte es hier im Hinblick auf den indiziell gegen eine Gef\u00e4hrlichkeit sprechenden Umstand, dass der bereits seit seiner Jugend alkoholgew\u00f6hnte Angeklagte \u00fcber 25 Jahre hinweg keine hangbedingte Straftat begangen hat (vgl. M\u00fcKo-StGB\/van Gemmeren, 4. Aufl., \u00a7 64 Rn. 55 mwN), n\u00e4heren Ausf\u00fchrungen dazu bedurft, warum mit einer Wiederholung zu rechnen ist. Die auf die einzige einschl\u00e4gige Vorstrafe, der eine am 28. Mai 1991 begangene Tat zugrunde liegt, gest\u00fctzte Begr\u00fcndung der Gef\u00e4hrlichkeit (UA S. 4, 79), ist zudem f\u00fcr sich nicht tragf\u00e4hig. Sie l\u00e4sst besorgen, dass das Gericht das Vorleben des Angeklagten nicht hinreichend in seine umfassende Gesamtabw\u00e4gung einbezogen hat und deutet insbesondere darauf hin, dass dem Gericht hierbei aus dem Blick geraten ist, dass der Angeklagte im Jahr 1991 noch erheblich gr\u00f6\u00dfere Mengen Alkohol konsumierte als im Zeitpunkt der Begehung der verfahrensgegenst\u00e4ndlichen Tat (UA S. 7).\u201c<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>bb) Auch die Erw\u00e4gung der Strafkammer, mit der sie die konkrete Erfolgsaussicht der von ihr angeordneten Ma\u00dfregel nach \u00a7 64 StGB begr\u00fcndet hat, erweist sich als durchgreifend rechtsfehlerhaft.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(1) Die Anordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt setzt nach \u00a7 64 Satz 2 StGB die hinreichend konkrete Aussicht auf einen Behandlungserfolg voraus. Erforderlich ist insoweit, dass sich in Pers\u00f6nlichkeit und Lebensumst\u00e4nden des Verurteilten konkrete Anhaltspunkte f\u00fcr einen erfolgreichen Verlauf der Therapie finden lassen. Die Aussicht auf einen Behandlungserfolg muss daher positiv festgestellt werden (vgl. st. Rspr. vgl. etwa Senat, Beschl\u00fcsse vom 30. Juli 2019 \u2013 2 StR 172\/19, NStZ-RR 2020, 71, 73 mwN; vom 13. Januar 2010 \u2013 2 StR 519\/09, NStZ-RR 2010, 141, 142; BGH, Urteil vom 28. Mai 2018 \u2013 1 StR 51\/18, NStZ-RR 2018, 275, 276; Beschluss vom 4. November 2014 \u2013 4 StR 467\/14, juris Rn. 7).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(2) Diesen Ma\u00dfstab hat die Strafkammer verfehlt. Sie hat, wiederum dem Sachverst\u00e4ndigen folgend, lediglich festgestellt, dass \u201eeine hinreichend konkrete Aussicht, dass der Angeklagte durch die Behandlung in einer Entziehungsanstalt geheilt oder eine erhebliche Zeit vor dem R\u00fcckfall in den Hang und von der Begehung erheblicher rechtswidriger Taten, die auf den Hang zur\u00fcckgehen, bewahrt werde, nicht v\u00f6llig verneint werden [k\u00f6nne]. \u2026 Es k\u00f6nne aber nicht ausgeschlossen werden, dass der Angeklagte \u2026 im Rahmen der Therapie eine Therapiemotivation entwickle, wobei therapeutisch die Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung ein gr\u00f6\u00dferes Problem darstelle als der Alkoholkonsum.\u201c Damit ist die f\u00fcr die Anordnung erforderliche begr\u00fcndete Wahrscheinlichkeit des Behandlungserfolgs nicht belegt. Auch der Gesamtheit der Urteilsgr\u00fcnde sind bisher keine konkreten Anhaltspunkte f\u00fcr einen erfolgreichen Therapieverlauf zu entnehmen. Danach konsumierte der 57-j\u00e4hrige Angeklagte seit seiner Jugendweihe Alkohol in erheblichen Mengen. Er leidet an einem langj\u00e4hrigen chronischen Alkoholismus und hat sowohl in kognitiver als auch emotionaler Hinsicht konsumbedingte Einbu\u00dfen erlitten. Seine Einsicht in sein Alkoholproblem und die Notwendigkeit therapeutischer Hilfe ist gering.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_20\">20<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>3. Die Entscheidung \u00fcber die Kompensation f\u00fcr die festgestellte rechtsstaatswidrige Verfahrensverz\u00f6gerung bleibt von der Aufhebung des Strafausspruchs unber\u00fchrt (vgl. Senat, Beschluss vom 7. Februar 2018 \u2013 2 StR 366\/17, juris Rn. 7). Allerdings wird das neue Tatgericht, sollte es wiederum die Ma\u00dfregel nach \u00a7 64 StGB anordnen, zu beachten haben, dass bei der Berechnung der Dauer des Vorwegvollzugs der Freiheitsstrafe der zur Kompensation einer konventionswidrigen (rechtsstaatswidrigen) Verfahrensdauer als vollstreckt geltenden Teil der Strafe nicht abzuziehen ist (vgl. Senat, Beschluss vom 26. April 2016 \u2013 2 StR 58\/16, juris Rn. 2).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Franke\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Appl\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Zeng\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Grube\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Schmidt\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KORE616302021&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BGH_2_StR_104-21_KORE616302021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tenor 1. 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