{"id":689666,"date":"2026-04-26T05:03:57","date_gmt":"2026-04-26T03:03:57","guid":{"rendered":"https:\/\/kohenavocats.com\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-1-strafsenat-beschluss-2021-06-07-1-str-314-20\/"},"modified":"2026-04-26T05:03:57","modified_gmt":"2026-04-26T03:03:57","slug":"bundesgerichtshof-1-strafsenat-beschluss-2021-06-07-1-str-314-20","status":"publish","type":"kji_decision","link":"https:\/\/kohenavocats.com\/zh-hans\/jurisprudences\/bundesgerichtshof-1-strafsenat-beschluss-2021-06-07-1-str-314-20\/","title":{"rendered":"Bundesgerichtshof, 1. Strafsenat, Beschluss, 2021-06-07, 1 StR 314\/20"},"content":{"rendered":"<div class=\"kji-decision\">\n<div class=\"kji-full-text\">\n<h3>Tenor<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>1. Das Verfahren wird im Fall 210 der Urteilsgr\u00fcnde auf den Vorwurf der Urkundenf\u00e4lschung beschr\u00e4nkt und im Fall 211 der Urteilsgr\u00fcnde eingestellt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>2. Auf die Revisionen der Angeklagten D.\u00a0\u00a0\u00a0und Br.\u00a0\u00a0\u00a0wird das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 6. Dezember 2019, soweit es diese beiden Angeklagten und &#8211; unter Erstreckung gem\u00e4\u00df \u00a7 357 Satz 1 StPO &#8211; den Mitangeklagten M.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0betrifft, aufgehoben<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">a) in den F\u00e4llen 39 bis 50 (Beihilfe zum Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt sowie zur Hinterziehung von Lohnsteuer hinsichtlich der Monate April bis Dezember 2010 und Februar bis April 2011 zugunsten der K.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0GmbH) und in den F\u00e4llen 111 bis 128 der Urteilsgr\u00fcnde (Beihilfe zum Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt sowie zur Hinterziehung von Lohnsteuer hinsichtlich der Monate November 2009 bis April 2011 zugunsten J.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0); insoweit wird das Verfahren eingestellt;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">b) im Ausspruch \u00fcber die Einzelstrafen in den F\u00e4llen 26 bis 38, 51 bis 110 und 129 bis 209 der Urteilsgr\u00fcnde sowie die Gesamtstrafe mit den jeweils zugeh\u00f6rigen Feststellungen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>3. Auf die Revision des Angeklagten S.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0wird das vorgenannte Urteil, soweit es diesen Angeklagten betrifft, im Ausspruch \u00fcber die Einzelstrafen in den F\u00e4llen 30 bis 38, 69 bis 110, 149 bis 154 und 158 bis 209 der Urteilsgr\u00fcnde sowie die Gesamtstrafe mit den jeweils zugeh\u00f6rigen Feststellungen aufgehoben.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>4. Die weitergehenden Revisionen der Angeklagten werden als unbegr\u00fcndet verworfen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>5. Soweit das Verfahren eingestellt worden ist, hat die Staatskasse die Kosten des Verfahrens sowie die den Angeklagten D.\u00a0\u00a0\u00a0und Br.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>6. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch \u00fcber die weiteren Kosten der Rechtsmittel, an eine andere Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<h3>Gr\u00fcnde<\/h3>\n<div>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_1\">1<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Landgericht hat die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0wegen Steuerhinterziehung in 38 F\u00e4llen, wegen Beihilfe zum Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in 171 F\u00e4llen, davon in 116 F\u00e4llen in Tateinheit mit Beihilfe zur Steuerhinterziehung und davon in 20 F\u00e4llen in weiterer Tateinheit mit Beihilfe zum Betrug, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von f\u00fcnf Jahren und vier Monaten verurteilt. Gegen die Angeklagte Br.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0hat es wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in 13 F\u00e4llen, wegen Beihilfe zum Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in 171 F\u00e4llen, davon in 116 F\u00e4llen in Tateinheit mit Beihilfe zur Steuerhinterziehung und davon in 20 F\u00e4llen in weiterer Tateinheit mit Beihilfe zum Betrug, und wegen mittelbarer Falschbeurkundung in zwei F\u00e4llen, davon in einem in Tateinheit mit Urkundenf\u00e4lschung, eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verh\u00e4ngt. Den Angeklagten S.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0hat das Landgericht wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in neun F\u00e4llen, wegen Beihilfe zum Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in 100 F\u00e4llen, davon in 99 F\u00e4llen in Tateinheit mit Beihilfe zur Steuerhinterziehung und davon in 20 F\u00e4llen in weiterer Tateinheit mit Beihilfe zum Betrug, und wegen Beihilfe zur versuchten Urkundenf\u00e4lschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt; deren Vollstreckung hat es zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_2\">2<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die hiergegen gerichteten Revisionen der Angeklagten, mit denen sie die Verletzung materiellen Rechts &#8211; die Angeklagten Br.\u00a0\u00a0\u00a0und D.\u00a0\u00a0\u00a0auch die Verletzung formellen Rechts &#8211; beanstanden, haben mit der Sachr\u00fcge den aus der Beschlussformel ersichtlichen Erfolg (\u00a7 349 Abs. 4 StPO); im \u00dcbrigen sind die Rechtsmittel unbegr\u00fcndet (\u00a7 349 Abs. 2 StPO).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>I.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_3\">3<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Das Landgericht hat &#8211; soweit f\u00fcr das Revisionsverfahren von Bedeutung &#8211; Folgendes festgestellt und gewertet:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_4\">4<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Angeklagten D.\u00a0\u00a0\u00a0, M.\u00a0\u00a0\u00a0, ein ehemaliger Steuerberater, und Br.\u00a0\u00a0\u00a0schlossen sich sp\u00e4testens Anfang 2009 zusammen, um Bauunternehmen bei der Hinterziehung von Sozialversicherungsabgaben, Lohn- und Umsatzsteuern sowie beim Betrug im Sozial- und Urlaubskassenverfahren zu unterst\u00fctzen. Ab Januar 2013 schloss sich der Angeklagte S.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0an, der in Teilzeit bei der B.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0besch\u00e4ftigt war.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_5\">5<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Die von den Angeklagten gegr\u00fcndeten acht Servicegesellschaften erstellten unter Vort\u00e4uschen von Subunternehmervertr\u00e4gen bis Mai 2017 unter Ausweis von Umsatzsteuer Scheinrechnungen, aus denen die Baufirmen unberechtigt Vorsteuer geltend machten. Dennoch verschwieg die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0als Verantwortliche in den f\u00fcr die Servicegesellschaften abgegebenen Umsatzsteuererkl\u00e4rungen entgegen \u00a7 14c Abs. 2 Satz 2 UStG diese Betr\u00e4ge aus den Abdeckrechnungen bzw. gab sie keine Erkl\u00e4rungen ab, sodass Umsatzsteuern in H\u00f6he von rund 833.000 \u20ac nicht gegen die von ihr betriebenen Unternehmen festgesetzt wurden (F\u00e4lle 1 bis 25 der Urteilsgr\u00fcnde). Den vom jeweiligen Auftraggeber ermittelten Bargeldbedarf erh\u00f6hte die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0absprachegem\u00e4\u00df um die vereinbarte Provision, die sie folglich in die Scheinrechnungssumme verdeckt einrechnete.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_6\">6<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0vereinnahmte f\u00fcr das \u00dcberlassen der Scheinrechnungen 5 % bis 14 % des jeweiligen Rechnungsbetrages an Provision, die sie von den abgehobenen und an die Bauunternehmer zur\u00fcckzuzahlenden Geldern einbehielt. Zudem boten die Angeklagten ebenfalls entgeltlich als \u02bakomplettes Servicepaket\u02ba insbesondere der K.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0GmbH sowie den Kolonnenf\u00fchrern J.\u00a0\u00a0\u00a0und De.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0an, deren Arbeitnehmer zum Schein bei den Serviceunternehmen einzustellen. Anstelle dieser Arbeitgeber gaben die Angeklagten im Namen der Servicegesellschaften im Zeitraum von November 2009 bis Juni 2017 unvollst\u00e4ndige Beitragsmeldungen gegen\u00fcber den Sozialversicherungstr\u00e4gern und unvollst\u00e4ndige Lohnsteueranmeldungen ab. Die Angeklagten Br.\u00a0\u00a0\u00a0, M.\u00a0\u00a0\u00a0und S.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0hoben gem\u00e4\u00df den Anweisungen der Angeklagten D.\u00a0\u00a0\u00a0Bargelder ab (M.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0: insgesamt mehr als 18 Mio. \u20ac; Br.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0: insgesamt mehr als 1,8 Mio. \u20ac; S.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0: insgesamt mehr als 1,6 Mio. \u20ac); Br.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0und M.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0meldeten Arbeitnehmer an und ab. Der Mitangeklagte M.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0erledigte zudem nahezu t\u00e4glich die steuerlichen Angelegenheiten der Serviceunternehmen, die Angeklagte Br.\u00a0\u00a0\u00a0die Lohnbuchhaltung. Der Angeklagte S.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0unterst\u00fctzte u.a. die Angeklagte Br.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0und stellte im Namen der B.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Unbedenklichkeitsbescheinigungen aus (UA S. 22-24).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_7\">7<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Insgesamt verdiente die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0in den Jahren 2009 bis Mai 2017 rund 5,6 Mio. \u20ac (netto) an Provisionen; dennoch gab sie keine Umsatzsteuerjahreserkl\u00e4rungen (2009 bis 2016) bzw. -voranmeldungen (Monate Januar 2017 bis Mai 2017) ab und verk\u00fcrzte dadurch rund 1,07 Mio. \u20ac an Umsatzsteuer (F\u00e4lle 26 bis 38 der Urteilsgr\u00fcnde). Die K.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0GmbH ersparte sich in den F\u00e4llen 39 bis 110 der Urteilsgr\u00fcnde durch die Mitwirkung der Angeklagten insgesamt fast 2,2 Mio. \u20ac an Sozialversicherungsabgaben (April 2010 mit Unterbrechungen bis April 2017), Lohnsteuern (Juni 2012 mit Unterbrechungen bis April 2017) sowie Beitr\u00e4gen im Sozial- und Urlaubskassenverfahren (April 2015 mit Unterbrechungen bis April 2017), J.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0, De.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0bzw. eine von diesen zusammen betriebene Gesellschaft in den F\u00e4llen 111 bis 209 der Urteilsgr\u00fcnde \u00fcber 2 Mio. \u20ac an Sozialversicherungsabgaben (November 2009 mit Unterbrechungen bis Juni 2017) und Lohnsteuern (Juni 2012 mit Unterbrechungen bis Mai 2017).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p>II. Revisionen der Angeklagten<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_8\">8<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>1. Revision der Angeklagten D.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_9\">9<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Die Revision der Angeklagten D.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0ist teilweise begr\u00fcndet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_10\">10<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>aa) Das Verfahren ist in den F\u00e4llen 39 bis 50 sowie 111 bis 128 wegen Verfolgungsverj\u00e4hrung einzustellen (\u00a7 206a Abs. 1 StPO; \u00a7 78 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 Nr. 4, Abs. 4, \u00a7 78a Satz 1, 2, \u00a7 78c Abs. 1 StGB).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_11\">11<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(a) Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Beschluss vom 1. September 2020 &#8211; 1 StR 58\/19), die nach Verk\u00fcndung des angefochtenen Urteils ergangen ist, beginnt bei Taten gem\u00e4\u00df \u00a7 266a Abs. 1 StGB die Verj\u00e4hrungsfrist mit dem Verstreichenlassen des F\u00e4lligkeitszeitpunktes f\u00fcr das Entrichten der Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge. Danach sind die Beihilfef\u00e4lle aus den Zeitr\u00e4umen bis April 2011 verj\u00e4hrt. Denn der Ablauf der Verj\u00e4hrungsfrist von f\u00fcnf Jahren ist erstmals durch den Durchsuchungsbeschluss vom 6. Mai 2016 (Band XIV Blatt 213 ff. der Hauptakten) unterbrochen worden (\u00a7 23 Abs. 1 Satz 2 SGB IV; \u00a7 78c Abs. 1 Satz 1 Nr. 4, Abs. 2 Satz 1 StGB). Dieser Beschluss ist ausreichend konkret, auch wenn er nicht alle Serviceunternehmen nennt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_12\">12<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Insbesondere in Wirtschaftsstrafverfahren, die durch eine Tatserie gepr\u00e4gt sind, kann es zur durch einen Durchsuchungsbeschluss herbeigef\u00fchrten Unterbrechungswirkung bez\u00fcglich mehrerer verfolgter prozessualer Taten ausreichen, wenn in einem fr\u00fchen Ermittlungsstadium der Tatverdacht, dessen Einzelheiten die Ermittlungen noch kl\u00e4ren m\u00fcssen, weiter gefasst ist, die Einzeltaten aber unter zusammenfassenden kennzeichnenden Merkmalen bestimmbar sind (BGH, Urteil vom 22. August 2006 &#8211; 1 StR 547\/05, BGHR StGB \u00a7 78c Abs. 1 Nr. 4 Durchsuchung 2 Rn. 25; Beschluss vom 29. Januar 2015 &#8211; 1 StR 587\/14 Rn. 9). F\u00fcr die Bestimmung des Verfolgungswillens der Strafverfolgungsorgane ist ma\u00dfgeblich, was mit der jeweiligen richterlichen Handlung bezweckt wird (BGH, Beschluss vom 5. April 2000 &#8211; 5 StR 226\/99 Rn. 26, BGHR StGB \u00a7 78c Abs. 1 Nr. 4 Durchsuchung 1).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_13\">13<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>So liegt es hier. Der Beschluss vom 6. Mai 2016 umschreibt die Vorgehensweise, um Steuern zu hinterziehen und Sozialversicherungsabgaben vorzuenthalten, namentlich das Ver\u00e4u\u00dfern von Scheinrechnungen und das Anmelden fremder Arbeitnehmer; zudem benennt er die vier Angeklagten und umfasst den Tatzeitraum ab August 2008.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_14\">14<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(b) Der Durchsuchungsbeschluss vom 25. November 2014 (Band VI Blatt 48 ff. der Hauptakten) unterbricht den Ablauf der Verj\u00e4hrungsfristen hingegen nicht:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_15\">15<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(aa) Grunds\u00e4tzlich bezieht sich die Unterbrechungswirkung auf alle verfahrensgegenst\u00e4ndlichen Taten (\u00a7 264 Abs. 1 StPO), sofern nicht der Verfolgungswille der Strafverfolgungsorgane erkennbar auf eine oder mehrere Taten beschr\u00e4nkt ist (st. Rspr.; BGH, Beschl\u00fcsse vom 26. Juni 2018 &#8211; 1 StR 71\/18 Rn. 7 und vom 5. April 2000 &#8211; 5 StR 226\/99 Rn. 26, BGHR StGB \u00a7 78c Abs. 1 Nr. 4 Durchsuchung 1; Urteil vom 10. November 2016 &#8211; 4 StR 86\/16 Rn. 20; je mwN).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_16\">16<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(bb) Der Beschluss vom 25. November 2014 bezieht sich nach seiner eindeutigen und eng gefassten Formulierung allein auf den Zeitraum von Oktober 2011 bis April 2013. Auch unter Heranziehung des sonstigen Akteninhalts besteht kein Anhalt daf\u00fcr, dass der &#8211; f\u00fcr die Reichweite der Unterbrechung ma\u00dfgebliche &#8211; Wille der t\u00e4tig gewordenen Ermittlungsbeh\u00f6rde sich auf alle F\u00e4lle des Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen ab November 2009, f\u00fcr die die Gruppierung um die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0und sei es nur unter dem Gesichtspunkt der Beihilfe verantwortlich war, erstreckte. Im Gegenteil waren die Taten vor Oktober 2011 im November 2014 weder aufgedeckt noch vermutet. Nach dem letzten Satz des Durchsuchungsbeschlusses sollten aufgefundene Unterlagen au\u00dferhalb des Tatzeitraums von Oktober 2011 bis April 2013 nur insoweit beschlagnahmt werden, als sie zur Erhellung der Taten aus diesen Monaten beitragen konnten (vgl. auch BGH, Beschluss vom 8. September 2020 &#8211; 4 StR 75\/20 Rn. 8). Demgem\u00e4\u00df unterbricht auch nicht die Bekanntgabe dieses Beschlusses gegen\u00fcber der Angeklagten D.\u00a0\u00a0\u00a0am 9. Dezember 2014 den Ablauf der Verj\u00e4hrung gem\u00e4\u00df \u00a7 78c Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Variante 2 StGB.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_17\">17<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(c) Der Senat entnimmt, soweit es auf das Nichtabf\u00fchren der Arbeitgeberanteile ankommt, dem Gesamtzusammenhang der Urteilsgr\u00fcnde, dass die unvollst\u00e4ndigen Meldungen (\u00a7 266a Abs. 2 Nr. 1 StGB) f\u00fcr die Beitragsmonate bis einschlie\u00dflich April 2011 vor dem 6. Mai 2011 abgegeben wurden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_18\">18<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>bb) Die Einzelstrafen in den nach Verfahrensteileinstellung verbliebenen F\u00e4llen nebst den Feststellungen (\u00a7 353 Abs. 2 StPO) unterliegen &#8211; mit Ausnahme der F\u00e4lle 1 bis 25 der Urteilsgr\u00fcnde &#8211; der Aufhebung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_19\">19<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(a) In den F\u00e4llen 26 bis 38 der Urteilsgr\u00fcnde (Nichtabgabe von Umsatzsteuererkl\u00e4rungen nach \u00a7 370 Abs. 1 Nr. 2 AO durch die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0trotz verdienter Provisionen) begegnet die Strafzumessung durchgreifenden Bedenken, weil die Feststellungen zum Schuldumfang l\u00fcckenhaft sind.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_20\">20<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(aa) Dem Revisionsgericht ist mangels entsprechender Ankn\u00fcpfungstatsachen die \u00dcberpr\u00fcfung verwehrt, ob das Landgericht den Schuldumfang rechtsfehlerfrei bestimmt hat. Zwar hat die Kammer s\u00e4mtliche Kontobewegungen auf den Bankkonten der Servicegesellschaften ausgewertet (UA S. 223 f.). Der von 504 Auftraggebern geleistete Gesamteinzahlungsbetrag von rund 100 Mio. \u20ac und die Abhebungsbetr\u00e4ge von ca. 70 Mio. \u20ac lassen sich unschwer mit der Gesamtprovision von rund 5,6 Mio. \u20ac der Gr\u00f6\u00dfenordnung nach vereinbaren. Zudem hat das Landgericht die verdienten Provisionen f\u00fcr jeden Besteuerungszeitraum gesondert festgestellt (UA S. 51). Indes fehlen Ausf\u00fchrungen dazu, anhand welchen Zahlenmaterials diese Besteuerungsgrundlagen ermittelt worden sind. Das Landgericht hat nur den &#8211; f\u00fcr sich genommen rechtsfehlerfreien &#8211; Rechenweg f\u00fcr seine \u02baqualifizierte Sch\u00e4tzung\u02ba aufgezeigt, aber nicht mit konkreten Feststellungen ausgef\u00fcllt (UA S. 226-231). Trotz offensichtlicher weiterer konkreter Ermittlungen der Steuerfahndung zu Einzelums\u00e4tzen und Einbehalten sowie einer sichergestellten mehrseitigen detaillierten Kunden- und Provisionsliste bleibt damit offen, welche Provisionsh\u00f6he die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0auf welchen Eingangsumsatz berechnete. Der Generalbundesanwalt hat hierzu zutreffend ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<p style=\"margin-left:36pt\">\u02baDabei stellt es [das Landgericht] dar, dass durch die Angeklagte von ihren Kunden unterschiedliche Provisionss\u00e4tze zwischen 5 und 14 Prozent verlangt worden und \u00fcberdies f\u00fcr die Berechnung der Provision abh\u00e4ngig vom Umfang der erbrachten Dienstleistung (reine Erstellung von Scheinrechnungen einerseits und zus\u00e4tzliche Anmeldung von Arbeitnehmern \u00fcber die Scheinfirmen andererseits) unterschiedliche (Teil-)Summen der Scheinrechnungen ma\u00dfgeblich gewesen seien. Ob jener Unterschiede seien die Provisionen im erstgenannten Fall mit 5 bis 6 Prozent von dem zur R\u00fcck\u00fcberweisung anstehenden Rechnungsbetrag und im zweitgenannten Fall mit einer Durchschnittprovision von 8 Prozent von dem um die bei der\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0R.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0gemeldeten Bruttol\u00f6hne und einen Arbeitgeberanteil der Lohnnebenkosten von 20 Prozent reduzierten Rechnungsbetrag, aus welchem sodann noch anzumeldende Umsatzsteuer in H\u00f6he von 19 Prozent herausgerechnet worden sei, errechnet worden. Ein konkretes Zahlenwerk, bei welchen Kunden bezogen auf welche Rechnungen welche Berechnungsvariante zur Anwendung gelangt war, ist den Urteilsgr\u00fcnden ebenso wenig zu entnehmen wie eine nachvollziehbare Erl\u00e4uterung, wie sich die Durchschnittsprovision von 8 Prozent im Konkreten berechnet und bei welchem reinen Scheinrechnungsk\u00e4ufer ein Provisionssatz von 5 oder 6 Prozent ma\u00dfgeblich war.\u02ba<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_21\">21<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(bb) Eine solche Herleitung der Besteuerungsgrundlagen war hier bereits deswegen nicht entbehrlich, weil die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0zu den Tatvorw\u00fcrfen geschwiegen hat.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_22\">22<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>(b) Bez\u00fcglich des Schuldumfangs in den F\u00e4llen 39 bis 209, nach Teileinstellung nunmehr f\u00fcr die F\u00e4lle 51 bis 110 sowie 129 bis 209 der Urteilsgr\u00fcnde relevant, folgt der Senat ebenfalls dem Aufhebungsantrag des Generalbundesanwalts.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_23\">23<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>cc) Die Aufhebung der genannten Einzelstrafen bedingt die Aufhebung der Gesamtstrafe.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_24\">24<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Im \u00dcbrigen bleibt die Revision der Angeklagten D.\u00a0\u00a0\u00a0aus den Erw\u00e4gungen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts erfolglos. Die in den F\u00e4llen 1 bis 25 der Urteilsgr\u00fcnde verh\u00e4ngten Einzelstrafen einschlie\u00dflich der Einsatzfreiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sind aufrechtzuerhalten. Der Senat schlie\u00dft aus, dass die Straffindung in den aufgehobenen F\u00e4llen die Strafzumessung in den ersten 25 F\u00e4llen beeinflusst hat. Die \u00fcber die Servicegesellschaften in den Verkehr gebrachten Abdeckrechnungen enthalten in voller H\u00f6he nur fingierte Leistungen (\u00a7 14c Abs. 2 Satz 2 UStG); dies folgt f\u00fcr die einberechneten Provisionsanteile bereits daraus, dass leistende Unternehmerin die Angeklagte D.\u00a0\u00a0\u00a0, nicht etwa die jeweilige Servicegesellschaft war.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_25\">25<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>2. Die Revision der Angeklagten Br.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0ist ebenfalls teilweise begr\u00fcndet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_26\">26<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>a) Auf Antrag des Generalbundesanwalts hat der Senat aus prozess\u00f6konomischen Gr\u00fcnden die Strafverfolgung im Fall 211 der Urteilsgr\u00fcnde eingestellt (\u00a7 154 StPO) bzw. mit Zustimmung im Fall 210 der Urteilsgr\u00fcnde auf den Vorwurf der Urkundenf\u00e4lschung beschr\u00e4nkt (\u00a7 154a StPO). Dem Vorwurf der mittelbaren Falschbeurkundung (\u00a7 271 Abs. 1 StGB) k\u00f6nnte entgegenstehen, dass weder die Beweiskraft des Handelsregisters (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 14. Juni 2016 &#8211; 3 StR 128\/16, BGHR StGB \u00a7 271 Abs. 1 \u00d6ffentlicher Glaube 5, 6 Rn. 5 f.) noch der notariellen Urkunde vom 25. April 2013 sich auf die Tatsache erstrecken k\u00f6nnte, dass die &#8211; tats\u00e4chlich nicht existente &#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0H.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0nicht vor dem Notar erschienen war, sondern unter diesem Aliasnamen die Angeklagte Br.\u00a0\u00a0\u00a0. Der Umfang der Beweiskraft einer notariellen Urkunde ist im Urteil des Bundesgerichtshofs vom 29. September 2010 &#8211; XII ZR 41\/09 Rn. 11, 18 sowie im Beschluss vom 6. August 2004 &#8211; 2 StR 241\/04, BGHR StGB \u00a7 348 Abs. 1 Notar 6 offengeblieben; einer Erstreckung der Beweiskraft des \u00a7 415 Abs. 1 ZPO auf die Personenidentit\u00e4t k\u00f6nnte der Beschluss vom 21. August 2018 &#8211; 3 StR 205\/18, BGHR StGB \u00a7 271 Abs. 1 \u00d6ffentlicher Glaube 8 Rn. 5, 15 entgegenstehen. Mit dieser Beschr\u00e4nkung und Einstellung er\u00fcbrigt sich ein Eingehen auf die von der Angeklagten Br.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0in diesem Zusammenhang erhobenen Verfahrensr\u00fcgen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_27\">27<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>Die Verfahrensbeschr\u00e4nkung im Fall 210 der Urteilsgr\u00fcnde zieht die Aufhebung der zugeh\u00f6rigen Einzelstrafe nach sich.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_28\">28<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>b) Der Ablauf der Verj\u00e4hrungsfristen in den F\u00e4llen 39 bis 209 der Urteilsgr\u00fcnde ist wiederum erst durch den Durchsuchungsbeschluss vom 6. Mai 2016 unterbrochen worden. Zu diesem Zeitpunkt waren die F\u00e4lle 39 bis 50 sowie 111 bis 128 verj\u00e4hrt. Der Durchsuchungsbeschluss vom 25. November 2014 ist bereits deswegen unbeachtlich, weil er die Angeklagte Br.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0nicht als Beschuldigte f\u00fchrt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_29\">29<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>c) Im \u00dcbrigen erweist sich die Strafzumessung in den verbliebenen F\u00e4llen 26 bis 38, 51 bis 110 sowie 129 bis 209 aus den genannten Gr\u00fcnden (II. 1. a) bb)) als durchgreifend rechtsfehlerhaft.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_30\">30<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>d) Die Verfahrensteileinstellungen und die Aufhebung s\u00e4mtlicher verbliebener Einzelstrafen ziehen die Aufhebung der Gesamtstrafe nach sich.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_31\">31<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>3. Die Urteilsaufhebung ist auf den Mitangeklagten M.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0, der keine Revision eingelegt hat, nach \u00a7 357 Satz 1 StPO zu erstrecken (zur Verj\u00e4hrung vgl. BGH, Urteil vom 11. November 2020 &#8211; 1 StR 328\/19 Rn. 21 mwN).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt>\n               <a name=\"rd_32\">32<\/a>\n            <\/dt>\n<dd>\n<p>4. Die Revision des Angeklagten S.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0hat aus den genannten Gr\u00fcnden (II. 1. a) bb)) zu den ihn in der Tatserie betreffenden Einzelstrafen in den F\u00e4llen 30 bis 38, 69 bis 110, 149 bis 154 und 158 bis 209 der Urteilsgr\u00fcnde und bez\u00fcglich der Gesamtstrafe Erfolg. Die f\u00fcr die Beihilfe zur versuchten Urkundenf\u00e4lschung verh\u00e4ngte Einzelgeldstrafe von 120 Tagess\u00e4tzen zu je 10 \u20ac (Fall 212 der Urteilsgr\u00fcnde) bleibt von der Aufhebung der \u00fcbrigen Einzelstrafen aus den anders gelagerten Taten unber\u00fchrt. Es beschwert den Angeklagten S.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0nicht, dass er f\u00fcr diese am 29. April 2013 begangene Tat nicht als Mitt\u00e4ter einer vollendeten Urkundenf\u00e4lschung bestraft wurde.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Raum\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">J\u00e4ger\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Fischer<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">B\u00e4r\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">Leplow\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<p style=\"text-align:left\">\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl class=\"RspDL\">\n<dt><\/dt>\n<dd>\n<\/dd>\n<\/dl><\/div>\n<\/div>\n<hr class=\"kji-sep\" \/>\n<p class=\"kji-source-links\"><strong>Sources officielles :<\/strong> <a class=\"kji-source-link\" href=\"http:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/?quelle=jlink&#038;docid=jb-KORE644952021&#038;psml=bsjrsprod.psml&#038;max=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">consulter la page source<\/a> &middot; <a class=\"kji-pdf-link\" href=\"https:\/\/www.rechtsprechung-im-internet.de\/jportal\/portal\/page\/bsjrsprod.psml\/screen\/JWPDFScreen\/filename\/BGH_1_StR_314-20_KORE644952021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF officiel<\/a><\/p>\n<p class=\"kji-license-note\"><em>Rechtsprechung im Internet (BMJV\/BfJ) : les decisions sont mises a disposition gratuitement en HTML, PDF et XML pour libre utilisation et re-utilisation.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tenor 1. 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